© Biosphoto/ Olivier Born

Wieselflinke Winzlinge

Als lebhafte Kleinraubtiere mit langer Körperform und kurzen Beinen sind die Marder wohlbekannt. Zu ihnen gehören die klettergewandten Stein- und Baummarder, aber auch die flinken Hermeline und der mehr am Wasser jagende Iltis.

Text: Esther Wullschleger Schättin

Der Steinmarder sorgt in Städten und Siedlungsgebieten gerne für Aufsehen, während man sich in der Landwirtschaft über das vorwitzige Hermelin freut. Wo der kleine Jäger auf Wiesen oder Äckern erscheint, darf man mit seinem mässigenden Einfluss auf die Mäusepopulationen rechnen. Insbesondere die grossen Schermäuse, die sich regional in manchen Jahren extrem vermehren und dann erhebliche Schäden im Kulturland verursachen, sind in der Schweiz eine wichtige Beute für die Hermeline.

Das Hermelin, auch als Wiesel oder Grosswiesel bekannt, ist eher wenig scheu gegenüber dem Menschen, wenn dieser in gebührender Distanz bleibt. Manchmal lässt sich eines der Tiere über längere Zeit beobachten, wie es auf der Wiese umherflitzt, sich immer wieder Männchen machend aufrichtet und die Umgebung prüft oder akrobatische Kapriolen vollbringt. Wozu die wilden Sprünge und Kapriolen dem Tier dienen, ist nicht genau bekannt. In England wurden jedoch schon Hermeline beobachtet, die sich in einer lebhaften Tollerei umherspringend Wildkaninchen näherten, bis sie dem dadurch verwirrten Beutetier nahe genug waren für einen erfolgreichen Angriff.

Das kurzbeinige, lang und schlank gebaute Hermelin ist äusserst flink und agil. Es bewegt sich auch schnell in kleinen Sprüngen fort, wenn es grössere Distanzen zu überwinden hat. Auf der Jagd folgt es den Schermäusen noch bis in deren Erdgänge hinein. Vor allem aber das kleinere Mauswiesel – es ist das kleinste Raubtier der Welt – gelangt auch überall hin, wo eine Feldmaus hinkommt. Ihre Beute, die manchmal um einiges grösser ist als sie selbst, überwältigen die Wiesel durch einen blitzschnellen, tödlichen Nackenbiss.

Hermelin auf einem Baumstumpf.
Putzig und flauschig, doch der Anblick täuscht. Hermeline sind Raubtiere und begnadete Jäger. © naturepl.com/ Edwin Giesbers

Die beiden einheimischen Wiesel haben einen enormen Energiebedarf. Etwa ein bis zwei Mäuse muss ein Hermelin pro Tag verspeisen, um seinen Energiebedarf zu decken. Kann es mehr erjagen, legt es Vorräte in seinen Verstecken an. Wenn das Nahrungsangebot länger andauernd gut ist, wie in starken Mäusejahren, ziehen die Wiesel selbst mehr Junge auf. So wirken diese kleinen, flexiblen Jäger ausgleichend auf die Populationsschwankungen der Beutetiere.

Eine Hermelinfamilie braucht Unterschlupfe wie Asthaufen, Hecken und Feldgehölze, wo die Jungen geschützt aufwachsen können. Es sollten möglichst mehrere geeignete Nestplätze in einiger Nähe zueinander vorhanden sein, da Hermelinmütter mit ihren Kleinen oft in neue Quartiere umziehen. Grössere Beutegreifer wie Fuchs, Katze oder Greifvögel stellen den Wieseln nach, und so sind reichlich Versteck- und Unterschlupfmöglichkeiten im Kulturland wichtig für diese Kleinräuber.

Nicht der klettergewandte Steinmarder, sondern der Iltis und der vom Aussterben bedrohte Europäische Nerz zählen in die nächste Verwandtschaft der Wiesel. Die Marder dieser Verwandtschaftsgruppe leben mehr in Bodennähe als die Stein- und Baummarder, wobei der Iltis auch gut schwimmen und tauchen kann, und der in der Schweiz ausgestorbene Nerz erst recht ans Wasser gebunden war.

Gefährdeter Einzelgänger

Die einzelgängerischen Iltisse sind vorsichtige, meist nachtaktive Bewohner von Wald- oder Sumpfgebieten und anderen Lebensräumen mit deckungsreicher Vegetation. Sie bewegen sich am liebsten in dichtem Gebüsch oder anderweitiger Deckung. So fallen sie dem Menschen kaum auf, wo sie vorkommen, und traurigerweise sind es häufig die Opfer des Strassenverkehrs, die gezählt werden. Dabei wären genauere Bestandes-Erfassungen wichtig, denn aus verschiedenen Ländern Europas werden, soweit bekannt, abnehmende Bestände dieser Tiere vermeldet. In der Schweiz wird der Iltis als gefährdet eingestuft.

Iltisse sind nicht ausgesprochen flinke Jäger, sondern stöbern eher mit ihrer feinen Nase nach Beute. Typischerweise laufen sie mit gekrümmtem Rücken umher, sodass sie an dem «Iltisbuckel» in der Silhouette meist gut zu erkennen sind. Rücken und Flanken dieses Marders wirken recht hell, was daran liegt, dass das gelblich-weisse Wollhaar unter dem dunklen Fell zum Vorschein kommt. Ansonsten ist er bis auf die individuell ausgeprägte helle Gesichtsmaske und die weiss umrandeten Ohren dunkelbraun bis schwärzlich.

In manchen Vorkommensgebieten scheint sich der Iltis auf bestimmte Beutetiere zu konzentrieren. So sind in Gebieten des Mittelmeerraums Wildkaninchen eine wichtige Beute für diesen Marder, während Iltisse hierzulande hauptsächlich Amphibien wie Frösche und Kröten erbeuten. Wenn sich diese während ihrer Laichwanderungen im Frühling stellenweise konzentrieren, kann sie der Marder oft in grosser Zahl abpassen. Was der Iltis nicht gleich verzehrt, trägt er als Vorrat in ein Versteck ein. Er jagt auch mit einigem Geschick nach Ratten, Mäusen oder anderen Kleintieren, verzehrt Aas oder, im Siedlungsraum, herumstehendes Katzenfutter. Dass Frösche und Kröten immer seltener werden, seine Hauptbeute, ist jedoch eine wesentliche Gefährdungsursache für den Iltis in der Schweiz

Knapp vor dem Aussterben gerettet

Der amerikanische Schwarzfussiltis war einst in den Prärien Nordamerikas verbreitet und jagte vor allem nach Präriehunden, die in unterirdischen Bauen leben. Leider wurden diese Nager intensiv bekämpft, ihre Kolonien nach und nach vernichtet. So verschwanden auch die Schwarzfussiltisse. Man hielt sie für ausgestorben, bis durch grösstes Glück eine überlebende Population bei einer grossen Präriehund-Kolonie gefunden wurde. 18 der wohl letzten Tiere dieser Art konnten eingefangen werden. Sie stehen am Anfang einer kleinen nachgezüchteten Population in menschlicher Obhut.

Beitrag vom 14.11.2022

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