Wenn es in der Nase krumm läuft

Viele Menschen leiden unter den Folgen einer krummen Nasenscheidewand, ohne es zu merken. Erst wenn ihnen die Atmung durch die Nase wirklich schwerfällt, gehen sie zu einem Arzt.

1. Welche Funktion hat eine Nasenscheidewand?

Die Nasenscheidewand besteht aus Knorpel, der von einer Schleimhaut bedeckt ist. Sie trennt die linke und rechte Nasenhöhle. Ihre Hauptfunktion: Sie stützt die Nasenspitze und hält damit die Nasenlöcher für die Atmung offen. Die Schleimhaut am Naseneingang ist mit vielen kleinen Blutgefässen durchzogen, sie wärmt zusammen mit den Nasenmuscheln die Atemluft.

2. Rund 40 Prozent der Menschen haben eine krumme Nasenscheidewand und leben gut damit: Wann ist es an der Zeit, etwas dagegen zu tun?

Wenn die Atmung durch mindestens ein Nasenloch konstant und merkbar eingeschränkt ist. Ob eine Nasenscheidewandverkrümmung funktionell relevant ist und einer Therapie bedarf, ist von mehreren Faktoren abhängig. Betroffene mit einer langen, schmalen Nase leiden bereits unter leichten Verkrümmungen. Betroffene mit einer grossen, breiten Nase hingegen bemerken selbst starke Verkrümmungen oft wenig oder überhaupt nicht. Da das Knorpelgewebe der Nase und der Ohren bis zum Lebensende wächst, kann sich eine Verkrümmung über die Jahre verstärken. Entscheidend für einen Therapieeinsatz ist letztendlich der subjektive Leidensdruck der Betroffenen.

3. Wie lässt sich feststellen, ob und wie stark die Scheidewand die Atmung behindert?

Mit der Vermessung der Nasenscheidewand und einer Nasenendoskopie. Damit werden die Struktur des Naseninneren und das Flussvolumen respektive der Flusswiderstand des Luftstromes festgehalten. Diese Untersuchungen werden zwei Mal durchgeführt. Zwischen den beiden Versuchen setzt man einen abschwellenden Nasenspray ein, um zu sehen, ob die Verkrümmung oder ein Schwellzustand der Nasenmuscheln die Nasenatmung behindert. Ergänzend werden meist Allergietests durchgeführt – um eine allergisch bedingte Schleimhautschwellung als Ursache der Beschwerden auszuschliessen.

4. Muss eine behinderte Nasenatmung immer operativ behoben werden?

Die Operation steht selten an erster Stelle. Häufig können die Beschwerden mit konservativen Behandlungen behoben werden – etwa mit einer intensiven Schleimhautpflege oder mit dem Einsatz kortisonhaltiger Nasensprays, die die Schleimhaut langfristig abschwellen lassen und Betroffene nachhaltig entlasten. Die Operation ist erst eine Option, wenn sich die Beschwerden trotz diesen Behandlungen nicht ausreichend bessern.

5. Wie genau wird die Operation durchgeführt?

Man muss zwei Formen unterscheiden: der rein funktionelle Eingriff, der die Nasenatmung verbessern soll, und die kosmetische Nasenoperation. Wird nur die Nasenscheidewand begradigt, ändert sich die Form der äusseren Nase nicht merklich. Die Operation erfolgt vollständig durch die Nasenlöcher, also ohne äusseren Schnitt an der Nase. Meist werden während des Eingriffs zugleich die unteren Nasenmuscheln, also die Schwellkörper der Nase, verkleinert. Nach etwa zwei bis drei Wochen ist der Heilprozess abgeschlossen, und der Patient bemerkt in der Regel eine deutlich verbesserte Nasenatmung.

Beitrag vom 16.04.2019
Alexander Volck

ist Facharzt für Otorhinolaryngologie mit dem Schwerpunkt für Hals- und Gesichtschirurgie. Er ist in der HNO-Praxis Bachstrasse in Schaffhausen und als Leitender Arzt der Hals-Nasen-OhrenAbteilung am Kantonsspital Schaffhausen tätig.