© GAP Photos/Elke Borkowski

Erde gut, alles gut

Herbstblüher begnügen sich in Töpfen und Kübeln meist problemlos mit der alten Blumenerde. Spätestens im kommenden Frühling jedoch sollte man das Substrat auswechseln. 

Ein Onlinehändler wertete vor zwei Jahren – mitten in der Corona-Zeit – das Einkaufsverhalten von rund 240 000 Menschen aus und kam dabei zu einem erstaunlichen Schluss. Blumenerde steht neben Schoggi und Bier ganz oben auf den Einkaufslisten der Schweizerinnen und Schweizer. Wahrscheinlich auch, weil die Säcke sperrig und schwer sind. Man lässt sich diese folglich lieber ins Haus liefern, als sie selbst durch die Welt zu schleppen.

Gerade jetzt, wo reihum Chrysanthemen und andere Herbstboten zum Verkauf stehen, dürften die Bestellungen neuerlich zulegen. Denn Blumenfreunde werden vom Handel angewiesen, Blumenerde in Kisten und Töpfen regelmässig auszuwechseln, und reihen allerlei Gründe aneinander, die sie willig zum Schäufelchen greifen lassen. Sie verweisen auf Pilzsporen, die im Erdgut auf neue Beute lauern. Auf Nährstoffe, die aufgebraucht sind. Zu Recht?

Bevor wir diese Frage beantworten, schauen wir in den Garten: In den Beeten wachsen und blühen Pflanzen, ohne dass deren Untergrund beschränkt ist. Die Stauden verblühen, werden weggeschnitten und auf den Kompost getragen. Sind die Pflanzenteile zu Humus verrottet, treten sie die Rückreise in die Beete an. Mikroorganismen schmausen von diesem Powerfood. Sie halten den Untergrund locker, machen diesen zum tauglichen Wasserspeicher, halten den Wurzeln alle wichtigen Nährstoffe parat.

Warten auf den Frühling

Dieser Kreislauf ist in Pflanzenkisten nur bedingt möglich. Die darin enthaltene Erde bleibt einfach liegen, kaum je kommt Frischgut dazu. Wer genauer hinsieht, kann von blossem Auge erkennen, wie das Substrat über die Jahre darunter leidet. Grobe Fasern zerfallen, die locker-flockige Erde wird zum Klumpen. Deshalb ist es durchaus ratsam, dann und wann auch die Erde auszuwechseln – oder die alte zumindest mit frischer Erde durchzumischen (in hohen oder grossen Pflanzkübeln kann man problemlos ein Drittel des alten Substrats belassen).

Beim Saisonwechsel, wie er gerade ansteht, kann aber getrost auf dieses Wechselspiel verzichtet werden. Denn Chrysanthemen, Astern und andere Herbststauden finden sich meist gut mit der Altware zurecht – vorausgesetzt, man säubert sie sorgfältig von Wurzelresten. Diese Containerpflanzen werden bereits ausgewachsen und blühend gekauft. Sie müssen folglich kaum mehr zulegen und begnügen sich vornehmlich mit Wasser.

Im nächsten Frühjahr aber heisst es: Alte Erde raus, neue rein. Dabei lohnt es sich, etwas teurere Mischungen zu wählen. Denn kostengünstige Produkte sacken regelrecht in sich zusammen und nehmen die Wurzeln entsprechend in den Würgegriff. Da können Gartenfreunde ihren Lieblingen noch so viel Gutes tun: Ist unten drunter der Wurm drin, ist ein frühes Ende vorprogrammiert. 

Beitrag vom 11.10.2022
Roland Grüter

ist leidenschaftlicher Hobbygärtner und folgt strikt den Regeln des Bio-Gärtnerns. In seinem eigenen Reich hegt er vier verschiedene Herbst-Anemonen-Sorten – neben vielen anderen Herbstblühern.

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