© Biosphoto

Darauf fliegen sie

Damit Insekten im Garten, auf Balkon und Terrasse zu Besuch kommen und sogar sesshaft werden, braucht es ein vielfältiges Pflanzenangebot und Nistmöglichkeiten.

Pollen- und Nektarsammler schätzen mehrjährige einheimische Wildpflanzen, die für jeden Standort erhältlich sind, also von sonnig bis schattig. Diese Stauden haben den Vorteil, dass sie Witterungsschwankungen gut überstehen, weil sie in der freien Natur gelernt haben, solchen Widrigkeiten zu trotzen. Falls die fliegenden Blütenbesucher entsprechende Nistmöglichkeiten – Pflanzen, künstliche Kästen, Sand- oder Holzelemente – vorfinden, vermehren sie sich auch vor Ort oder überwintern.

Die Sonnenscheindauer ist entscheidend dafür, welche Pflanzen wo gesetzt werden. Und diese wiederum ist abhängig von der Himmelsrichtung: Heisse Standorte sind nach Südosten, Süden oder Südwesten ausgerichtet und erhalten täglich mindestens sechs Stunden direktes Sonnenlicht. Pflanzen für den Halbschatten fühlen sich an Standorten gegen Westen und Nordwesten wohl. An solchen Plätzen scheint die Sonne zwischen vier und sechs Stunden. Schattengewächse kommen unter Bäumen oder an Orten vor, die gegen Norden ausgerichtet sind und weniger als vier Stunden besonnt werden.

Diese drei mögens heiss

Insekten mögen die rosa-lila Gewöhnliche Karthäusernelke (60–120 cm), den blaublütigen Wiesen-Storchschnabel (20–80 cm), die Wilde Möhre (100 cm) mit ihren weissen Dolden, die alle an sonnigen Plätzen gut gedeihen.*

Diese drei fühlen sich im Halbschatten wohl

Schmetterlinge, (Wild-)Bienen und Hummeln fliegen im Halbschatten auf den Wiesensalbei mit seinen tiefblauen Blüten (60 cm), die Wiesen-Glockenblume mit lila Blüten (20–70 cm) und den gelbblütigen Gewöhnlichen Hornklee (10–30 cm).*

Diese drei schätzen Schatten

Insekten suchen den Klebrigen Salbei mit seinen gelben Blüten (40–80 cm), die kriechend krautige Walderdbeere sowie die Grosse Sterndolde mit weissen Blüten (30–90 cm) im Schatten auf.*

Nistplätze für Wildbienen

Wer sich für eine künstliche Nisthilfe entscheidet, sollte beim Kauf darauf achten, dass verschieden grosse Einschlupfmöglichkeiten für die Insekten vorhanden sind. Grund: Winzig kleine Wildbienen nisten in Röhrchen mit 2 mm Durchmesser (Gewöhnliche Maskenbiene), andere in solchen mit 9-mm-Öffnungen (Gehörnte Mauerbiene). Montiert werden die Kästen an sonnigen, trockenen Standorten mit freier Einflugsmöglichkeit. **

Tipps zu einheimischen Wildpflanzen und -bienen

* Welche Pflanzen sich für welchen Standort eignen: https://floretia.ch
** Welche Wildbiene sich wo vermehrt: www.wildbee.ch/ wildbienen/nistplaetze

  • Ausführliche Ratschläge zu Pflanzung, Pflanzgemeinschaften in Topf und Garten: Das Wildpflanzen-Topfbuch, Reinhard Witt, Dr.-ReinhardWitt-Verlag, 2017, ab ca. CHF 38.–
  • Inspirationen aus einem Garten mit Wildpflanzen: www.naturimgarten.ch

Beitrag vom 27.05.2019
Christine Kunovits

ist Leiterin Redaktion und Verlag von «Bioterra». Vermutlich auch, weil selbstgezogene Cherrytomaten vor bald 30 Jahren ihre Liebe zum Gärtnern erweckt haben.
© Basil Stücheli