Aus eins mach zwei

Für alle, die ihre Gartenfreuden mit Freunden und Bekannten teilen wollen: Mit Stecklingen lassen sich Blühsträucher und Stauden ohne grossen Aufwand vermehren.

Fortpflanzung ohne Sex? Im Pflanzenreich ist das durchaus möglich. Denn Sträucher und Stauden lassen sich auch sogenannt vegetativ vermehren. Dabei wächst aus entnommenen Pflanzenteilen oder -zellen der Nachwuchs wie aus Zauberhand, so auch aus Stecklingen. Dafür schneidet man einer Pflanze einen Trieb weg, steckt diesen in die Erde und wartet, bis daran neue Wurzeln wachsen.

Mit dieser Methode können Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner ihre Lieblingspflanzen beliebig vermehren – und erhalten einen natürlichen Klon von Rosen, Oleandern, Hortensien, Himbeeren, Fuchsien, Lavendel, Geranien und anderen Pflanzen. Zwischen Mai und August lassen sich Stecklinge besonders erfolgreich ziehen. So gelingt die Stecklings-Methode garantiert:

Schritt 1: Schneiden Sie einen Trieb der ausgewählten (und kräftigen) Pflanze mit einem scharfen Messer ab. Dieser ist idealerweise noch jung und wüchsig. Setzen Sie das Messer dicht über oder unterhalb einer Knospe/eines Knospenpaares an, da die Pflanze in diesem Bereich reichlich Wuchsstoffe enthält – was wichtig für die Wurzelbildung ist. Der Steckling selbst sollte mindestens einen Triebabschnitt zwischen zwei Knospen- oder Knospenpaaren (Internodium) aufweisen. Die Grösse des Triebes richtet sich nach der Mutterpflanze. Bei Steingartenstauden genügt ein Stück von zwei Zentimetern, bei Gehölzen können Stecklinge 15 bis 20 Zentimeter lang sein.

Schritt 2: Falls am ausgewählten Trieb Blätter wachsen: Stutzen Sie diese etwas ein, damit sie weniger Wasser verdunsten und trotzdem Nährstoffe für den Pflanzenteil produzieren können. Und schneiden Sie Blätter am unteren Ende komplett weg.

Schritt 3: Schneiden Sie nun die Stecklinge am unteren Ende (unterhalb eines Triebansatzes) mit einem scharfen Messer an – und stecken den Steckling in einen Topf mit feuchter Erde. Stellen Sie die Babystube danach an einen hellen, aber schattigen Ort – und vor allem unter eine Kunststoffhaube. Denn sogenannte «gespannte Luft», also eine hohe Luftfeuchtigkeit, ist ein wichtiger Erfolgsgarant für ein Gelingen.

Schritt 4: Der Rest ist Geduld. In den nächsten Wochen wachsen dem Steckling erst Wurzeln und danach neue Blätter.

Geburt im Wasserbad

Viele Zimmer- und Kübelpflanzen lassen sich auch in einem Wasserbad vermehren. Dazu stellt man den abgeschnittenen Trieb in ein wassergefülltes Glas und dunkelt dieses mit Alufolie ab, um das Wurzelwachstum zu beschleunigen und die Wurzeln schneller auszutreiben. Idealerweise wechselt man alle paar Tage das Wasser und fügt jeweils eine Messerspitze Wurzelaktivator hinzu (gibt es im Fachhandel zu kaufen).

Beitrag vom 13.06.2022
Roland Grüter

ist leidenschaftlicher Hobbygärtner und folgt strikt den Regeln des Bio-Gärtnerns. In der Rubrik «Gartenpost» schreibt er auf zeitlupe.ch regelmässig über seinen Spass und seine Spleens im grünen Bereich.

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