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Was ist eigentlich Apple Arcade?

Mit dem Abonnement von Apple Arcade werden Computerspiele nicht mehr einzeln gekauft, sondern gehören zum Angebot.

Kein anderes Medium entwickelt sich so schnell wie Computerspiele und widerspiegelt auf eindrückliche Weise den digitalen Wandel. Mit diesem Fortschritt gehen aber auch unerwünschte Entwicklungen Hand in Hand. Zu diesen gehört das Modell von Free-2-Play-Spielen (F2P), die zwar kostenlos erworben werden können, aber die Spielenden zu kleinen Geldtransaktionen verleiten oder sie mit Werbung bombardieren. Bekannte Beispiele sind Candy Crush Saga, Clash Royale oder Fortnite.

Dieses F2P-Monetarisierungsmodell – statt einen Verkaufspreis zu verlangen, wird Geld mit Kleintransaktionen im Spiel verdient – wirkt sich auch auf das Game-Design aus. So werden verschiedene Mechanismen eingesetzt, die aus der Glücksspielindustrie bekannt sind, um eine stärkere Bindung zwischen dem Game und den Spielenden zu erstellen. Denn: Nur wer weiterspielt, ist auch bereit, Geld in die Hand zu nehmen. Um zu erkennen, wo die Spielenden Schwierigkeiten haben und aussteigen, oder um zu sehen, was ihnen am meisten Spass macht, werden ihre Spielzüge verfolgt und analysiert.

Premium Games ohne Werbung

Diesen kritischen Punkten begegnet nun Apple mit der Spieleplattform Arcade, die Games in einem Abonnement anbietet. Im September vergangenen Jahres ging der Service mit knapp 100 Titeln online, darunter auch Spiele der drei Schweizer Game-Studios Blindflug Studios, Sunnyside Games und Rosie Reality. «Das Auswahlprozedere war sehr streng», sagt Jeremy Spillmann von Blindflug Studios. Teil von Apple Arcade zu sein, bedeutet auch, dass die Designer sich nicht dem Diktat der Gratisspiel-Monetarisierung unterwerfen mussten, sondern frei in ihrem kreativen Prozess waren. «Wir konnten das Spiel machen, das wir wollten», erklärt Spillmann und ergänzt: «Apple Arcade ist möglicherweise die Lösung für Premium Games, die ohne Werbung und ohne Finanzierung durch In-Game-Käufe auskommen wollen.»

Von diesem Umstand profitieren hauptsächlich die Kundinnen und Kunden von Apple Arcade, deren Privatsphäre respektiert wird (keine Nachverfolgung und Auswertung der Nutzungsdaten). Auch der Druck, der von Free-2-Play-Spielen oft aufgebaut wird, um die Spielenden zu Zahlungen zu bewegen, fällt weg.

Apple Arcade bietet für 6 Franken im Monat rund 100 Games, die auf sämtlichen Apple-Geräten gespielt werden können. Das heisst: Man kann ein Videospiel auf dem iPhone beginnen und auf dem iPad oder am Mac fertigspielen. Das Abonnement kann mit fünf Familienmitgliedern geteilt werden, deren persönliche Daten nur auf Wunsch freigegeben werden. Von Vorteil ist auch, dass man im ersten Monat das Angebot kostenlos ausprobieren und die verschiedenen Titel von mehrheitlich unabhängigen Studios spielen kann. Zum nach strengen Kriterien ausgewählten Portfolio gehören wunderschön gemachte Puzzle-Games wie «Patterned», die ohne zeitlichen Druck die Freude am Suchen von Mustern erfüllen, oder Strategietitel wie Blindflugs kniffliger Weltraumkrieg «Stellar Commanders». Auch Prügelspiele wie «Punch Planet», die kombinatorisches Geschick und Reaktionsfähigkeit erfordern, und Titel, die Enkelkindern Spass machen, sind mit dabei. ❋

Beitrag vom 14.01.2020
Marc Bodmer

ist Jurist und Game-Consultant. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit digitalen Medien.
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