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Saubere Sache

Eckig, praktisch, gut. Feste Seifen verdrängen Duschgels und Shampoos zusehends aus unseren Badezimmern. Ihre Vorteile haben sich gewaschen. Einst aus dem Badezimmer verbannt, feiert die Blockseife heute ein duftendes Comeback.

Text: Roland Grüter

Wer Schaum schlägt, ist verdächtig – ausgenommen, die Person hält dabei eine Seife in den Händen. Diese macht sie zum Vorbild. Denn Corona hat uns mit aller Wucht an die Wirkkraft dieses Saubermachers erinnert: Wer seine Hände reinlich hält, wird weniger schnell von fiesen Viren und Bakterien befallen (auf den Händen leben ohnehin bis 10 Millionen Keime). Eine Einsicht, die bereits im 18. Jahrhundert den Kampf gegen Krankheiten beflügelte und Basis jener Hygienelehre wurde, der wir noch immer folgen. Schon damals galt die Seife als treuer Begleiter der Menschen. Aktuell werden wir landauf, landab dazu angemahnt, uns daran zu erinnern. Sie wissen: Hände waschen rettet Leben.

Bewährtes Stück Reinlichkeit

Dieses bewährte Stück Reinlichkeit macht uns also gleichermassen frisch und fit. Auch Kosmetikproduzenten haben das erkannt und bieten mittlerweile Spezialprodukte für fast alle Körperteile an. Damit diese adrett aussehen, haben sie die Hautschmeichler, Schuppenvernichter und Vitalmacher verflüssigt und in schmucke Fläschchen gefüllt. Die kernige Stückseife geriet derweil in Vergessenheit. Nun aber feierte sie ein Revival. In Frauenzeitschriften und im Internet werden deren Vorzüge gelobt und gepriesen. Allenthalben werden Rezepte aufgelistet, wie man Öle und andere natürliche Ingredienzien zu Seifen verfestigt.

Die Bekenntnisse zur Naturkosmetik und zum schonenden Umgang mit Ressourcen haben die Blöcke in die Mode und damit in die Badezimmer zurückgebracht. Schliesslich sind diese weit ergiebiger als ihre flüssigen Cousinen. Darüber hinaus sind Naturseifen frei von Mineralölen und hormonaktiven Stoffen, lösen sich in nichts auf und hinterlassen kaum Abfall. Ausserdem belasten sie das Abwasser nicht unnötig mit chemischen Zusatzstoffen. Damit uns die neuen, festen Seifen nicht zu sehr an uralte Zeiten erinnern, haben sie einen neuen Namen erhalten. Modernisten nennen sie nun Soap Bars.

Die Auswahl ist entsprechend gewachsen. Da und dort werden handgemachte Hand-, Körper-, Haar- und Putzseifen angepriesen: kaltgesiedete, hautfreundliche, tierversuchsfreie, biologisch abbaubare oder solche, die nach exotischsten Noten duften. Selbst das uralte Klischee, dass Seifenblöcke unreinlich sind, weil darauf üble Bakterien wachsen, wurde nachhaltig weggespült. Das Deutsche Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg befand unlängst Seifenstücke (zumindest in privaten Haushaltungen) als total unbedenklich. Darauf überleben Krankheitserreger nur kurz – im Gegensatz zu jenen, die auf den Pump-Mechanismen der Flüssigseifen leben.

Musealer Ritterschlag

Vor kurzem hat die Seife sogar eine museale Weihe erhalten. Das Museum Burghalde in Lenzburg stellt sie bis Herbst 2021 in den Mittelpunkt der Ausstellung «Saubere Sache» und geht darin ihrer Geschichte und ihren Geschichten nach. Immerhin begann ihre Karriere bereits vor 4500 Jahren im südlichen Mesopotamien. Sumerer sollen aus Fett und Asche reinigende Lösungen herstellt haben. Und hiesige Pfahlbauer nutzten das Seifenkraut als Waschmittel. Dieses enthält Saponin, eine fettlösende Substanz.

Die Kuratoren in Lenzburg führen Besucherinnen und Besucher durch die Jahrhunderte, auch an die Gepflogenheiten des 17. Jahrhunderts haben sie gedacht. Damals blieb die Seife ungenützt in ihrer Schale liegen. Denn die Menschen glaubten, Wasser und Seife öffneten die Poren ihrer Haut – und machten sie deshalb anfälliger für krankmachende Mikroorganismen. Also präferierten sie die Trockenreinigung: Puder und Parfums statt Wasser und Waschung.

Der Schauplatz der Ausstellung ist gut gewählt. Sie ist in einem ehemaligen Lagergebäude der Lenzburger Seifi untergebracht. Darin wurden einst Kernseifen, hochwertige Toilettenseifen und Waschpulver hergestellt. Johann Rudolf Ringier gründete die Fabrik. In seiner Siederei wurden jeweils drei Tage lang in einem Riesenkessel mehrere Tonnen Rindertalg, Schweineschmalz und Kokosfett mit Natronlauge gekocht. Gab man Kochsalz dazu, verfestigte sich ein Teil der Flüssigkeit zu Seife. Kein schönes Bild.

An der Kasse des Museums werden heute weit appetitlichere Variationen verkauft. Lenzburger Rose. Lenzburger Blau. Lenzburger Wald. Lenzburger Mohn. Alle wurden in einer Manufaktur aus naturreinen Essenzen und Ölen geschaffen. Alle duften so, wie wir es von Seifen erwarten. Nach Blumen, einer Prise Natur. Und vor allem nach Sauberkeit.

«Saubere Sache – Eine Ausstellung über die faszinierende Welt der Seifen», Museum Burghalde, Lenzburg. Bis 21. Oktober 2021.

Beitrag vom 07.09.2020