Kulturtipps September 2022

Sechs spannende Kulturtipps aus den Bereichen Film, Literatur und Kunst – für Sie ausgewählt von der Zeitlupe-Redaktion.

© Elite Film AG

Scham, Lust und Liebe

Eine ältere Frau will erfahren, was guter Sex ist, und heuert einen Callboy an.

Die Treffen finden in einem anonymen Hotelzimmer statt. Nancy, eine verstockte ehemalige Lehrerin, deren verstorbener Ehemann nur seine eigene sexuelle Befriedigung kannte, will ihren erotischen Horizont erweitern. Dass sie der gutaussehende Callboy Leo aber zu einem Orgasmus führen wird, bezweifelt sie sehr. Was mit einer komödiantischen Leichtigkeit beginnt, entwickelt zusehends eine dramatische Seite, als sich die beiden näher kommen, als gewünscht. Emma Thompson als verschämte Ex-Lehrerin ist schlicht grandios.

«Good Luck to You, Leo Grande», von Sophie Hyde mit Emma Thompson und Daryl McCormack. Jetzt im Kino.

Sachbuch: Ode an den Poeten des Alltags

Komponist und Autor Michael Schneider widmet Reinhard Mey ein Buch zum 80. Geburtstag.

Anhand von 28 Alben und 60 ausgewählten Liedern lädt Komponist und Autor Michael Schneider zu einer aussergewöhnlichen Zeitreise ein. Als «Meylensteine», so auch der Buchtitel, dienen die Songs des wohl beliebtesten deutschen Liedermachers Reinhard Mey. Schneider verfolgt die Karriere des Chansonniers, der Hits wie «Über den Wolken» und «Der Mörder ist immer der Gärtner» geschrieben hat, seit seiner Jugend und analysiert deren gesellschaftliche Rolle – denn nicht umsonst wurde Mey als«Poet des Alltags» bezeichnet.

Michael Schneider, «Meylensteine», 182 Seiten, Rüffer und Rub, ca. CHF 28.-

Gametipp

Videospielklassiker wie «Megaman 2» oder «Street Fighter» feiern in «Capcom Arcade 2nd Stadium» ein Comeback.

© Nikolaus Heidelbachd

Kinderbuch: Die Macht der Träume

Autor und Illustrator Nikolaus Heidelbach lässt Rosalie träumen.

Wir alle kennen die Situationen, in denen wir davon träumen, ganz weit weg zu sein oder mit nicht sonderlich salonkonformen Mitteln die Situation etwas aufzumischen. Nikolaus Heidelbach, einer der begnadetsten Künstler der Gegenwart, hat mit seinem Flair fürs Absurde eine verträumte Kettenreaktion geschaffen, die sich wunderbar anbietet, sie zusammen mit Enkelkindern (aber natürlich auch alleine) anzuschauen und mitzufantasieren.

Nikolaus Heidelbach, «Rosalie träumt», 32 Seiten, Minedition, ca. CHF 32.–, minedition.com

© Universal Studios

Video: Erschütternd, schrecklich, sehenswert

Im Dokumentarfilm «Final Account» kommen Zeugen von Nazi-Verbrechen zu Wort.

Sie gehörten der Waffen-SS an, arbeiteten in der Buchhaltung der Menschenvernichtungsmaschine der Nazis oder wohnten in der Nähe eines Konzentrationslagers und rochen den süsslichen Rauch des Krematoriums. Sie alle waren Zeugen der abscheulichen Verbrechen von Hitlers Machtapparat und haben nichts dagegen unternommen. Warum? Sie hatten Angst! Wer aufmuckte, wurde entweder auch in ein KZ gesteckt oder erschossen. Erschütternd sind besonders jene Momente, in denen keine Läuterung spürbar ist oder die Interviewten sich selbst belügen.«Final Account» ist ein wichtiges Zeitdokument.

«Final Account» von Luke Holland, DVD/Blue Ray, Universal

Ausstellung: Technologie, Kunst und Gesellschaft

Paul Klee, Ohne Titel (Elektrischer Spuk) © Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Livia Klee

Die 55. Ausstellung im Zentrum Paul Klee steht im «Rausch der Technik».

Der 1879 geborene Paul Klee lebte in einer Zeit des grossen Wandels, am Beginn der Moderne. Automobile, Telefonie, Mikroskope und Elektrizität versprachen eine andere Zukunft, Monarchien wichen Demokratien. Diese Umwälzungen, deren Parallelen zu heute offensichtlich sind, beeinflussten auch sein künstlerisches Schaffen. Klee stand dem technologischen Fortschritt offen gegenüber, wahrte aber eine kritische Distanz. Diese Spannung spiegelt sich in den rund 155 gezeigten Werken wider.

«Paul Klee. Vom Rausch der Technik», bis 21.5.23, Zentrum Paul Klee, Monument im Fruchtland 3, Bern, zpk.org

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Beitrag vom 12.09.2022

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