Kultur März 2020

Ausgeh-, Seh- und Lesetipps für Kultur-Interessierte. Ausgewählt von der Zeitlupe-Redaktion.

Die Schweizer Jüdin Marcelle Giudici-Foks verpasste die rettende Ausreise aus Frankreich und starb 1944 in Auschwitz © Archiv Marie-Claire Giudici, Royan, F

Vergessene Opfer

Das Buch «Die Schweizer KZ-Häftlinge» arbeitet ein kaum bekanntes und erschütterndes Thema auf. 

Unter den Millionen von Häftlingen in deutschen Konzentrationslagern waren auch Schweizerinnen und Schweizer: 391 Frauen, Männern und Jugendliche. Ein kürzlich erschienenes Buch publiziert erstmals ihre Namen sowie zehn Schicksale von vergessenen Opfern. Die Autoren schildern die Entwicklung des Lagersystems und stellen wichtige Fragen, die uns bis heute beschäftigen. Wie setzte sich die Schweiz für die Verhafteten ein? Hätte ein mutigeres Vorgehen mehr Menschen retten können – oder bloss Vergeltungsmassnahmen provoziert?

Balz Spörri, René Staubli, Benno Tuschschmid: «Die Schweizer KZ-Häftlinge. Vergessene Opfer des Dritten Reiches». Verlag NZZ Libro, Basel 2019, 320 Seiten, CHF 48.–. 

© zVg

COMPUTERSPIEL

Das erste Lego-Computerspiel, das wirklich den Geist der Plastiksteinchen-Welt wiedergibt.

 Lego-Games warten mit grossen Namen wie Star Wars, Lord of the Rings etc. auf. Nicht so Lego Builder’s Journey. Dieser Titel kommt sanft daher und lebt von dreidimensionalen Rätseln – ähnlich denen von Monument Valley –, die ohne Zeitdruck gelöst sein wollen, um zwei Figuren wieder zu vereinen. Einziger Wermutstropfen: Eine Hilfeoption gibt es nicht, wenn man verzweifelt nach einer Lösung sucht. Einzig die Gewissheit, dass es einen Weg gibt, lässt einen weiter pröbeln.

«Lego Builder’s World», iOS/Arcade 

Lee Krasner, Palingenesis, 1971. Foto: Kasmin Gallery © The Pollock-Krasner Foundation

MIT WUCHT AUS DEM SCHATTEN TRETEN

Lee Krasner, um 1938, Fotograf: unbekannt

Lee Krasner, um 1938, Fotograf: unbekannt

Das Zentrum Paul Klee zeigt erstmals in der Schweiz eine Retrospektive der amerikanischen Künstlerin Lee Krasner.

Beim Namen Jackson Pollock dürften die meisten Kunstfans aufhorchen. Lange Zeit stand die Künstlerin Lee Krasner im Schatten ihres berühmten Ehemanns. Nun widmet das Zentrum Paul Klee der Pionierin des abstrakten Expressionismus die erste Retrospektive in der Schweiz. Über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren hat sich Krasner immer wieder neu erfunden, was zu einer grossen Dynamik in ihrem Werk geführt hat.

«Lee Krasner, Living Colour», bis 10. Mai im Zentrum Paul Klee, Monument im Fruchtland 3, 3006 Bern, zpk.org 

© Xenix Filmdistribution GmbH

KINO: Auf und Davon

Drei römische Rentner haben in der stillen Komödie «Cittadini del Mondo» die Nase voll von ihrem tristen Alltags. Sie wollen weg.

© Xenix Filmdistribution GmbH

Attilio (Ennio Fantastichini), Giorgetto (Giorgio Colangeli) und der Professore (Gianni di Gregorio) haben genug von ihrem jämmerlichen Rentnerdasein in Rom. Das Gras muss anderswo doch grüner sein … Die Frage ist nur: Wo? Die Drei haben keine Ahnung, was denn das Ausland so mit sich bringt, dennoch machen sie sich eifrig an die Vorbereitung, ihre Zukunft zu planen und ihr langweiliges Rentnerleben hinter sich zu lassen.

«Cittadini del Mondo», jetzt im Kino. Mehr Infos unter cineimage.ch/film/cittadinidelmondo/ 

© zVg

MUSIK: DER VIRTUOSE LEHRMEISTER

Über-Gitarrist Joe Satriani stellt im Zürcher Volkshaus sein kommendes Album «Shapeshifting» vor.

Grosse Rockgitarristen der Gegenwart wie Steve Vai (Frank Zappa) und Kirk Hammett (Metallica) gingen bei Joe Satriani zur Schule. Der Glatzkopf blickt auf eine Karriere von 35 Jahren zurück. In Zürich wird er das Album «Shapeshifting» vorstellen, das gemäss Satriani so tönt, als würde auf jedem Stück ein anderer Gitarrist aufspielen: «Es gibt immer zwei Dinge, die man machen möchte: Zum einen möchte man gerne nochmals das Gleiche tun wie das letzte Mal, zum anderen will man so schnell wie möglich in die entgegengesetzte Richtung rennen.» Man darf gespannt sein.

«Joe Satriani», 16. April, 20 Uhr, Volkshaus, Stauffacherstrasse 60, Zürich, Vorverkauf: ticketcorner.ch 

«forever young»

Noch bis Ende März thematisiert die multimediale Ausstellung «forever young» im Berner Generationenhaus Fragen zum langen Leben in einer alternden Gesellschaft.

Infos: begh.ch.

Beitrag vom 09.03.2020