Von Royal Flush bis Showdown, fast wie im Casino: Im Poker-Kurs von Pro Senectute Thurgau führt ein versierter Croupier die Teilnehmenden ins Spiel mit Kreuz, Karo, Herz und Pik ein. Dabei geht es um eine Mischung aus Psychologie, Strategie und einem Quäntchen Glück.
Text: Annegret Honegger
Der Qualm im Schein der matten Glühbirne im Saloon ist dick. Männer mit unbewegter Miene und Zigarette im Mundwinkel sitzen am Tisch, in der einen Hand einen Drink, in der anderen die Pokerkarten. Die Zuschauenden halten den Atem an. Jede Runde könnte über Leben und Tod entscheiden …
So filmreif wie im Wilden Westen geht es im Pokerkurs von Pro Senectute Thurgau natürlich nicht zu. Und auch nicht so glamourös wie bei James Bond in «Casino Royale», wo gut betuchte Herren im Smoking und juwelengeschmückte Damen in Cocktailkleidern unter Kronleuchtern pokern.
Trotzdem sieht in Frauenfeld fast alles aus wie «echt»: Der grüne Pokerteppich liegt bereit, die 52 Karten sind elegant aufgefächert, die Spiel-Chips akkurat gestapelt. Vier Neugierige haben sich zum zweiten Kursnachmittag wieder in die «Spielhölle» gewagt, einen Kursraum in der Altstadt. Kursleiter Bryan Zuberbühler stellt klar: «Bei uns geht es nicht um Geld, sondern um die Freude am Spiel und am Zusammensein.»
Gespielt wird Texas Hold’em
So rauchen also bloss die Köpfe: Für Neulinge ist Poker ganz schön anspruchsvoll und fast eine neue Fremdsprache. Von Big Blind und Small Blind ist da die Rede, von Full House, Royal Flush oder Showdown. Zum Glück erklärt Bryan Zuberbühler alles Schritt für Schritt und hat in den Kursunterlagen Regeln und Fachbegriffe übersichtlich zusammengefasst.
Gespielt wird die beliebteste Poker-Variante: Texas Hold’em. Ziel dabei ist, den Pot mit den gesetzten Chips zu gewinnen – entweder mit der besten «Pokerhand» aus den zwei Karten in der Hand und den fünf auf dem Tisch oder wenn alle anderen Mitspielenden aussteigen. Runde für Runde werden mehr Karten aufgedeckt. Unschlagbar ist man mit einem Royal Flush, fünf Karten der gleichen Farbe von der Zehn bis hinauf zum Ass.
Gerunzelte Stirnen, hoch konzentrierte Mienen und tiefe Seufzer sieht und hört man am Tisch. Lässt einen die nächste Karte jubeln oder verzweifeln? Soll man mitgehen, den Einsatz erhöhen oder aufgeben? Hat die Gegnerin wirklich so gute Karten – oder täuscht sie das nur vor? Mit jeder Runde spielen die Teilnehmenden sicherer und klopfen gar erste Sprüche. Mal wachsen die Chips-Türme in die Höhe, mal schwinden sie bedrohlich.
Es geht auch ohne Pokerface
Wer wagt, gewinnt. Wie gewonnen, so zerronnen. Solche Redewendungen scheinen direkt aus dem Casino zu stammen. «Poker ist aber weit mehr als Glück», betont Bryan Zuberbühler. Der ausgebildete Croupier und langjährige Casino-Mitarbeiter weiss: «Glück kann jeder und jede einmal haben. Langfristig gewinnen jedoch diejenigen, die mit Strategie spielen.»
Profis rechnen mit Wahrscheinlichkeiten, können das Spiel und die Gesichter lesen und wissen genau, wann sie etwas riskieren und wann sie lieber das Handtuch werfen. Wichtiger, als das berühmte Pokerface aufzusetzen, sei es, sein Verhalten nicht plötzlich zu ändern. Verräterisch, wer auf einmal laut oder ganz still, rot oder kreidebleich werde, glücklich grinse, zu schwitzen oder zu zittern beginne.
Beim Kaffee in der Pause sind sich die Neulinge einig: Pokern ist vergnüglich, fordert aber auch heraus. Einige haben sich angemeldet, um ihr Gehirn spielerisch zu trainieren. «Nach der Pensionierung muss man selbst dafür sorgen, dass die grauen Zellen fit bleiben», sagt Martha.
400 Millionen für die AHV
Bryan Zuberbühler erläutert die strengen Vorschriften, welche das Glücksspiel in der Schweiz, im Internet und selbst im privaten Kreis regeln, um Exzesse zu vermeiden. Und: Rund 50 Prozent der Bruttoerträge und damit etwa 400 Millionen Franken im Jahr fliessen seit der Wiedereinführung der Spielbanken 2002 in die AHV.
Seine Tipps für den Casino-Besuch: «Setzt euch Limiten, wie viel ihr investiert und bei welchem Gewinn ihr aussteigt.» Wer Pech hat, solle verlorenem Geld nicht mit riskanten Einsätzen nachjagen: «Das klappt meist nicht.» Die Teilnehmenden planen jedoch kaum, ihre Rente im Casino aufzubessern, sondern höchstens mal mit den Enkeln um ein paar Rappen zu pokern.
© Annegret Honegger
Poker-Kurs bei Pro Senectute Thurgau
Poker fasziniert – nicht erst seit berühmten Filmszenen in rauchigen Saloons oder glamourösen Casinos. Die Anziehungskraft liegt in der perfekten Kombination aus Strategie, Psychologie und etwas Glück. Im Kurs von Pro Senectute Thurgau können Anfängerinnen und Anfänger unter Anleitung eines Experten die Grundlagen erlernen und erhalten eine fundierte Einführung in Spielregeln und Strategien – in entspannter Atmosphäre, ganz ohne Geldeinsätze. Nächste Kurse: Ab 3. 3. (Frauenfeld), ab 6. 5. (Arbon), ab 2. 6. (Weinfelden) jeweils drei Mal von 15 bis 17 Uhr. Auskunft und Anmeldung: Pro Senectute Thurgau; Tel. 071 626 10 83; kurse@pstg.ch; tg.prosenectute.ch
Angebote in Ihrer Nähe finden Sie bei Pro Senectute in Ihrer Region. Adressen via prosenectute.ch oder Infoline 058 591 15 15