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Artischocke – die Heilsame

Einst waren Artischocken rar und teuer, nur Adelige kamen in deren Genuss. Wie gut, dass das bittere Gemüse heute für alle erschwinglich ist, denn es enthält so viel Wohltuendes, dass es Lebens- und Heilmittel in einem ist. 

Text: Anita Lehmeier

Bitter hat in unserer Sprache fast immer einen negativen Beigeschmack. Wirds im Leben unausweichlich und unangenehm, bleibt uns nichts anderes übrig: Wir müssen die bittere Pille schlucken. Wir meiden verbitterte Zeitgenossen tunlichst, als wäre Bitterkeit ansteckend. Und beissen wir auf etwas Bitteres, verzieht sich unser Gesicht unwillkürlich zur Grimasse, ein Reflex zum Speien setzt ein. Kein Wunder, ist bitter so schlecht beleumundet, denn das Wort leitet sich ab von beissen. 

Mit ein bisschen Biss sollten wir uns ernährungstechnisch aber anfreunden, denn bitter tut unserer Gesundheit wohl. Zum Beispiel Cynarin und Cynaropikrine, die in Artischocken enthalten sind: Diese Bitterstoffe kurbeln den Gallensaft- und Speichelfluss an sowie den Stoffwechsel der Leber. Sie wirken verdauungsfördernd, cholesterinsenkend und sorgen dafür, dass Wasseransammlungen schneller ausgeschieden werden. Die grösste Menge dieser Inhaltsstoffe befindet sich allerdings in den ungeniessbaren Grundblättern. Darum werden aus diesen Säfte, Tees und Tinkturen hergestellt. 

Doch auch im weichen, leckeren Herzen der Pflanze und den zarten, unteren Blatträndern stecken noch Bitterstoffe, ausserdem kaum Fett oder Kalorien, sodass wir Artischocken regelmässig auf unsere Einkaufsliste setzen sollten – zumal dieser Superfood ganzjährig erhältlich ist: in der Gemüseabteilung wie auch im Getränkeregal – da in hochkonzentrierter, flüssiger Form – als Cynar. Hergeleitet vom botanischen Namen Cynara cardunclulis. Der dunkelbraune Digestif wird seit 1953 in Padua hergestellt.

Italien ist übrigens europäische Spitzenreiterin im Anbau von Artischocken: 2019 waren es 378 000 Tonnen. Weltweit wurden im gleichen Jahr 1,6 Millionen Tonnen geerntet. Ein beachtlicher Siegeszug des Distelgewächses, das ursprünglich in seiner wilden Form aus dem Mittelmeerraum stammt.

Glaubt man der griechischen Mythologie, verdanken wir die Artischocke Göttervater Zeus. Aus Wut darüber, dass ihn die Nymphe Cynara abwies, verwandelte er die Schöne in eine stachlige Pflanze…
Die Verbreitung dieses Gemüses nahm dann eine andere Beauty an die Hand: Caterina de’ Medici, die florentinische Prinzessin, die 1547 durch Heirat mit Heinrich II. Königin von Frankreich wurde und in ihren Schlossgärten Artischocken ziehen liess. Bald tat der europäische Adel es der frühen Influencerin gleich, und das Gemüse galt schnell als schick und konnte sich verbreiten. 

Ende des 19. Jahrhunderts nahmen italienische Auswanderer Artischocken-Pflanzen mit in ihre neue Heimat Amerika. Dort krallte sich in den 1930er-Jahren die Mafia das Monopol auf den Handel an der Ostküste, machte mächtig Kohle mit den Korbblütlern und es kam gar zu sogenannten Artischocken-Kriegen. Der New Yorker Bürgermeister Fiorello LaGuardia setzte dem gewaltsamen Konflikt 1935 ein Ende. 

© Migusto / Pia Grimbühler, Rezept: Daniel Tinembart

Rezept: Artischocke mit Himbeerdressing

Glutenfrei, laktosefrei, vegetarisch

Kleine Mahlzeit für 4 Personen

  • 4 grosse Artischocken à ca. 800 g
  • Salz
  • 1/2 Zitrone
  • 1 Schalotte
  • Peperoncino
  • 100 g Himbeeren
  • 1 dl Condimento bianco
  • 0.8 dl Distelöl
  • 1 EL Honig

So gehts: In einer grossen Pfanne Wasser aufkochen und salzen. Zitrone beifügen. Von den Artischocken den Stiel etwas kürzen. Artischocken im Salzwasser zugedeckt ca. 40 Minuten weich-kochen. Garprobe machen: Ein spitziges Messer muss ohne Widerstand vom Stielansatz bis ins Herz eindringen.

Für das Dressing Schalotte grob hacken. Peperoncino entkernen. Beides mit Beeren, Condimento, Öl und Honig mit dem Stabmixer pürieren. Dressing durch ein Sieb streichen und mit Salz ab-schmecken. Artischocken mit Dressing servieren.

Gewusst wie: Nach Belieben von den Artischocken die Spitzen der äusseren Blätter mit einer Schere abschneiden.

Zubereitung: ca. 20 Minuten
Weich kochen: ca. 40 Minuten
Gesamt: 1 Std.

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Beitrag vom 16.08.2022

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