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Braucht es schärfere Vorgaben für Gebäude-Heizungen?

Drei von fünf Schweizer Wohngebäuden sind mit einer umweltschädigenden Öl- oder Gasheizung ausgestattet. Soll die Politik die Hebel ansetzen, um die Klimaziele zu erreichen?

DAFÜR

Elmar Grosse Ruse
Klima- und Energieexperte beim WWF Schweiz


Niemand von uns will Dreck verursachen, die Natur verschmutzen, den Kindern die Zukunft stehlen. Es passiert einfach nebenbei, unsichtbar, fast geruchlos. Das Heizungsgerät in unserem Keller verbrennt heute oft noch fossiles Erdgas oder Erdöl. Damit verpestet es die Atmosphäre und erhitzt die Welt, in der unsere (Enkel-)Kinder noch Jahrzehnte leben wollen. Und zugleich verschwendet es knappe Rohstoffe, die wir teuer aus Konfliktstaaten wie Russland und Libyen importieren. Dabei geht es auch anders: Holzheizung, Wärmepumpe, Wärmenetz der Gemeinde und Sonnenkollektoren – sie alle liefern saubere, behagliche Wärme mit gutem Gewissen.

Die Lösungen sind also da. Aber wir nutzen sie oft nicht. Zwei von drei Öl- und Gasheizungen werden an ihrem Lebensende ersetzt durch … was? Eine Öl- oder Gasheizung. Eine neue Ölheizung verursacht so viele Klimagase, als würden Sie mit Ihrem Auto zusätzlich einmal den Erdball umrunden. Jedes Jahr, für die nächsten 20 Jahre… Eine neue Gasheizung ist fast genauso schlimm. Warum dann Öl und Gas? Weil es billiger scheint (obwohl es über die Lebensdauer sogar mehr kostet). Weil wir nicht besser beraten werden. Weil wir uns mit den Details von Heizungssystemen nicht auskennen.

Natürlich können wir das so weiterlaufen lassen. «Freiwilligkeit» über alles stellen, auch über eine intakte Umwelt für uns und unsere (Enkel-)Kinder. Oder wir kümmern uns, übernehmen Verantwortung. Durch klare, einfache Regeln wie im neuen CO2-Gesetz: Jedes Gebäude muss beim Heizungswechsel seinen Beitrag zur Klimakatastrophe begrenzen. Ausnahmen gibt es für Härtefälle, Fördergeld für alle. ❋


DAGEGEN

Thomas Ammann
Dipl. Architekt FH, Ressortleiter Energie- und Bautechnik beim Hauseigentümerverband Schweiz


Vorschriften und Gesetze wollen in der Regel einen angestrebten Zustand erreichen. Je mehr solche Zielvorstellungen zusammenkommen, umso lauter wird nach Vorgaben und Verboten geschrien. Der Baubereich wird dadurch mit einer Vielzahl von Gesetzen und Normen belastet. Manchmal führt dies zu einer Verbesserung, immer jedoch zu einer Verteuerung.

Gerade bei energetischen Themen wird dadurch nicht mehr nach der individuell besten Lösung gesucht, sondern es werden lediglich Checklisten abgearbeitet. Dabei wird vergessen, dass eine Heizung nicht einfach beliebig ausgetauscht werden kann. Wie in alten Bauernhäusern, in denen der Kachelofen mit den Luken für die Führung der warmen Luft in die weiteren Räume zusammenpassen musste, müssen auch heute Heizung, Wärmeverteilung und die Gebäudehülle aufeinander abgestimmt sein, um optimal zu funktionieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass einzelne Gesetze meist nur einen partiellen Fokus verfolgen. Die aktuelle Debatte um das CO2-Gesetz hat lediglich die Reduktion der Treibhausgase im Visier. Dass der für die Substitution von Öl und Gas benötigte Strom unter anderem aus deutschen Kohlekraftwerken stammt, spielt dabei keine Rolle. Diese Emissionen sind für das schweizerische Absenkziel nicht von Bedeutung.

Was es braucht, sind Unterstützung und Hilfestellungen für Eigentümer, die vor der Frage des Heizungsersatzes stehen. So wie dies das Programm «erneuerbar heizen» von EnergieSchweiz anbietet. Mittels offener und individueller Beratung wird mehr erreicht als mit neuen Gesetzen und Verboten. Der Weg zur Energiewende muss gangbar und praktikabel bleiben. ❋