© zVg

«Ich bin einfach niemand gewesen»

Eine Wanderausstellung macht das Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Zwang sichtbar und gibt Betroffenen von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen eine Stimme.

Die Ausstellung «Ich bin einfach niemand gewesen» ist bis Ende Oktober in Glarus, Baden und Brig unterwegs. In drei mobilen Häusern wird das Thema «Fürsorgerische Zwangsmassnahmen» aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Im ersten Haus geht es um die persönlichen Geschichten von Betroffenen. Das zweite Haus widmet sich den Verantwortlichen und ihren Problemstellungen, wobei Videointerviews auch Einblick in die aktuellen Rahmenbedingungen geben. Im dritten Haus schliesslich geht es um uns alle, um Öffentlichkeit, Medien und Politik, die ebenfalls Teil der Auseinandersetzung sind.

Wanderausstellung: "Ich bin einfach niemand gewesen"
© zVg

Die mobile Ausstellung möchte an stark frequentierten Orten möglichst viele Menschen erreichen und grundlegende Informationen zum Thema vermitteln. Fürsorgerische Zwangsmassnahmen betrafen hunderttausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Schweiz. Die Ausstellung fasst das Spannungsfeld von Fürsorge und Zwang weit: von den Opfern der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen über die vom Saisonnier-Statut betroffenen Familien bis zu Geflüchteten und Sans Papiers.

Die Ausstellung will Betroffenen und ihrem Umfeld auch die Möglichkeit geben, ihre Geschichten zu teilen und zu erforschen. Dafür startet begleitend zur Ausstellung an jedem Standort ein Partizipationsprojekt mit einem moderierten Erzählcafé und einer Geschichtswerkstatt. Betroffene, Zeitzeug:innen und Interessierte sind eingeladen, ihre Erfahrungen, Perspektiven und Fragen einzubringen und gemeinsam zu vertiefen – unabhängig davon, ob man selbst Opfer war, jemanden kennt oder wissen möchte, wie die eigene Gemeinde mit Fürsorge und Zwang umging und umgeht. Alle können zuhören und berichten. So sollen in der Region Kontakte zu anderen Betroffenen, zu Historiker:innen und an der Aufarbeitung interessierter Personen entstehen.

Wanderausstellung: "Ich bin einfach niemand gewesen"
© zVg

Wer selber forschen möchte, findet im «Leitfaden, um selbst zu forschen» Informationen zur Arbeit mit Quellen sowie Literaturhinweise und nützliche Links. Online stehen auch 17 Vertiefungstexte zu einzelnen Themen wie Zwangsarbeit, Kindswegnahme oder Saisonnierstatut zur Verfügung.

Wanderausstellung «Ich bin einfach niemand gewesen»:


Mehr zum Thema

  • Erinnern – auch für morgen: Das Museum Luzern zeigt aktuell die Wanderausstellung «Versorgt, Verdingt. Vergessen?» über fürsorgerische Zwangsmassnahmen und damit über ein schmerzhaftes Kapitel Schweizer Geschichte.
  • «Solange ich kann, kämpfe ich weiter»: Was Uschi Waser als Mündel des «Hilfswerks für die Kinder der Landstrasse» erlitt, prägt ihr Leben bis heute. Sie engagiert sich gegen das Vergessen und für alle, die nicht für sich selbst sprechen können.

Beitrag vom 03.08.2026

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert