© Mark Niedermann

«Atomkraft: Deine Entscheidung»

Die neue Sonderausstellung im Historischen Museum Basel zeichnet die Kernenergie-Debatte in der Schweiz nach und lädt dazu ein, sich eine eigene Meinung zum aktuellen Thema zu bilden.

Als die ersten Schweizer Atomkraftwerke in der Schweiz entstanden, galt die Kernkraft als Zeichen für technischen Fortschritt und eine sichere Energieversorgung. Mit der Zeit meldeten sich jedoch vermehrt kritische Stimmen zu den Risiken der Kernenergie. Der Widerstand gegen das geplante Kernkraftwerk in Kaiseraugst AG entwickelte sich ab den 1970er-Jahren zu einer der grössten Protestbewegungen der Schweizer Nachkriegsgeschichte.

Der Widerstand gegen das geplante Kernkraftwerk Kaiseraugst entwickelte sich ab den 1970er-Jahren zu einer der grössten Protestbewegungen der Schweizer Nachkriegsgeschichte und prägte die Region Basel über Jahrzehnte.
Gegen das geplante Kernkraftwerk Kaiseraugst gab es über Jahre hinweg Proteste. © Mark Niedermann

Die Übernahme der Sammlung der ehemaligen «Dokumentationsstelle Atomfreie Schweiz» mit all ihren Akten, Fotos, Filmen und Plakaten durch das Staatsarchiv Basel-Stadt war für das Historische Museum Basel der Anlass, die Geschichte der Schweizer Kernenergie-Debatte in einer Ausstellung näher zu beleuchten. Diese bezieht keine Position, sondern zeigt den Prozess der Meinungsbildung und macht direkt erlebbar, wie die Entscheidungsfindung in unserer Demokratie zustande kommt. Sie nimmt nicht nur die Geschichte der Anti-AKW-Bewegung, sondern die gesamte Debatte über die Kernenergie in den Blick.

Entscheidung im «Kontrollraum»

Auf dem Rundgang begegnen Besucherinnen und Besucher unterschiedlichen Stimmen aus Politik, Wissenschaft und Bevölkerung. Sie setzen sich mit Fragen zu Protest, Umwelt, Sicherheit und der Entsorgung radioaktiver Abfälle auseinander und halten auf einer persönlichen Entscheidungskarte fest, wie sie selbst zur Kernenergie stehen. Dabei prüfen sie Argumente und hinterfragen ihre eigene Haltung. Am Ende führt der Weg in den «Kontrollraum», wo abgestimmt wird: Soll die Kernenergie ausgebaut oder endgültig abgeschaltet werden?

Kontrollraum: Soll die Kernenergie ausgebaut oder endgültig abgeschaltet werden?
Im Kontrollraum wird abgestimmt: Soll die Kernenergie ausgebaut oder endgültig abgeschaltet werden? © Mark Niedermann

Die jüngsten politischen Entwicklungen zeigen, wie aktuell das Thema Kernenergie derzeit wieder ist. Nachdem der Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz 2017 verboten wurde, verabschiedete das Parlament im vergangenen Sommer eine Revision des Kernenergiegesetzes. Da dagegen das Referendum ergriffen wurde, entscheidet die Stimmbevölkerung voraussichtlich Anfang 2027 darüber.

«Atomkraft: Deine Entscheidung»: noch bis am 4. Juli 2027 im Historischen Museum Basel, Barfüsserkirche.
Rahmenprogramm: Begleitend zur Ausstellung finden in der Barfüsserkirche Veranstaltungen zum Thema Kernenergie statt wie Vorträge, ein Poetry Slam sowie ein Aktionstag anlässlich des internationalen Umwelttages.


Mehr zum Thema:

  • Die Generation Protest: Sie kleben sich auf Strassen, besprühen Fassaden und treten in den Hungerstreik: Aktivistinnen und Aktivisten. Doch ­welche Rolle spielt ­eigentlich die Grosseltern-Generation beim Kampf für eine andere Gesellschaft? Unterwegs mit drei ­Aktivisten über 60.
  • Fürs Demonstrieren hatte Biobauer Werner Scheidegger 1968 keine Zeit. Die Kühe wollten gefüttert und gemolken werden. Im Nachhinein erachtet er den Biolandbau als Protestbewegung gegen die offizielle Lehrmeinung der landwirtschaftlichen Schulen.
  • Miniröcke, Bumenkinder, Schlaghosen und lange Haare. Livekonzerte, Haschisch und Rock ’n‘ Roll. Schul- und Strafvollzugsreformen, Biolandwirtschaft und Studentenproteste: Zeitlupe-Leserinnen und -Leser erinnern sich in Band 6 unserer Reihe «Das waren noch Zeiten» an die legendären Jahre rund um 1968.

Beitrag vom 02.11.2026

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert