© Bernard van Dierendonck

«Ein Neoprenanzug schützt mich vor Verletzungen»

Die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz über ihren frühen Kirchenaustritt, ihr rhetorisches Repertoire und ihre bewährte Strategie gegen Beleidigungen aller Art.

Videos und Text: Claudia Herzog

Die Leere ist der gelungene Anfang von Neuem. Davon ist Anita Fetz überzeugt. Die 62-jähre Baslerin tritt im Herbst als SP-Ständerätin zurück. Und freut sich sehr auf den neuen Lebensabschnitt.

Anita Fetz über ihre Zukunftspläne

«Nein!» sagt Anita Fetz resolut. Sie habe keine Angst nach ihrem Rücktritt in ein seelisches Loch zu fallen; eigentlich sehne sie sich sogar die Langeweile herbei. «Umbruchphasen sind für mich die kreativsten Phasen», erzählt Anita Fetz im Zeitlupe-Interview mit Usch Vollenwyder.

«Ich kann nicht aus dem vollen Rennen sagen, dann mache ich das, dann dieses, dann jenes. Es musste mir im Leben immer erst langweilig sein. Erst dann kam die Erkenntnis für etwas Neues.»


Anita Fetz über ihre erste politische Motivation

Anita Fetz empfindet sich als «durch und durch politischen Menschen». Deshalb werde sie sich sicher auch zukünftig – und ungefragt – in politische Debatten und Diskussionen einmischen. Dabei gilt für sie: «Lieber Face to Face als Facebook».


Anita Fetz über ihren imaginären Neoprenanzug

Gegen Beleidigungen aller Art, Unterstellungen, Halbwahrheiten hat sie sich in all den Jahren eine Strategie entwickelt: «Ich stelle mir vor, dass ich einen Neoprenanzug trage. Durch diesen Anzug dringt nichts durch. Alles prallt ab, alles geht weg. Das hilft mir enorm. Das hat sich schon in verschiedenen Situationen bewährt.»

Eine fröhliche Lebensweise ist Anita Fetz wichtig. Sonst werde man verbittert oder zynisch. «Und diese Freude darf man dem Gegner nie machen.»


Anita Fetz über ihren frühen Kirchenaustritt

Ihr Kampfgeist, mit dem sie sich gegen Ungerechtigkeiten laut zur Wehr setzt, zeigte sich bereits mit 14 Jahren als Anita Fetz aus der Katholischen Kirche austrat.

Sie wäre gerne Ministrantin geworden, durfte es aber nicht. Einfach weil sie ein Mädchen war.  «Wo man mich nicht will, kämpfe ich entweder für Veränderungen – oder ich gehe», sagt sie.


Anita Fetz: «Das hat mich das Leben gelernt»

Ihr rhetorisches Repertoire hat sich mit der Lebenserfahrung über die Jahre stetig verbreitert. Es sei nicht immer von Vorteil, fadengerade auf etwas loszugehen. «Es ist cleverer zuerst hinter Kulissen zu schauen, heraus zu finden, wen man für seine Sache gewinnen kann.» Die Freude, wenn ihr ein Schachzug gelingt, wenn sich etwas bewegt, empfindet Anita Fetz immer wieder als «ein Privileg.»

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