Die Sicherheit unserer Kinder ist ein kostbares Gut – aber sie darf kein Vorwand sein, um unliebsame Programme zu verbieten.
Verbotsforderungen sind voll im Trend. Postulate aus dem Parlament fordern Massnahmen, die Kinder und Jugendliche vor schädlichem Konsum von sozialen Medien schützen sollen. Der Bundesrat ist beauftragt, einen dahingehenden Bericht zu verfassen. Handys sollen aus Schulen verschwinden. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn der sinnvolle Umgang mit dem omnipräsenten Gerät dennoch vermittelt wird. Gemäss Generationenbarometer 2025 sprechen sich 82 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis über 75 Jahren für ein Smartphone-Verbot an Schulen aus.
Nicht ganz so deutlich fällt die Zustimmung für ein Verbot von sozialen Medien aus: Laut Generationenbarometer 2025 würden zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung ein Tiktok-Verbot befürworten. Selbst bei den 18- bis 25-Jährigen sind es 60 Prozent, die der chinesischen App den Riegel schieben wollen.
Australien und UK legen vor
In Ländern wie Grossbritannien und Australien wurden 2025 bereits Verbote in Kraft gesetzt. Englands «Online Safety Act» zwingt bestimmte Websites, allen voran Porno-Plattformen, ihre Nutzerinnen und Nutzer nur noch nach Vorlage eines Ausweises oder über digitale Identitätsmethoden einzulassen. In Australien wurde Jugendlichen unter 16 Jahren der Zugriff auf soziale Netzwerke verboten. Kurznachrichten-Apps wie Whats-App, Online-Games und digitale Angebote, die in erster Linie Gesundheits- und Bildungsinhalte anbieten, sind ausgeklammert.
VPNs liegen im Trend
«Bereits wenige Tage nach Inkrafttreten des ‹Online Safety Acts› halbierte sich die Zahl der Zugriffe auf grosse Sites wie Pornhub und Co.», schreibt Ronnie Meier auf der Plattform cyberia.media. «Gleichzeitig stieg die Nutzung von VPNs sprunghaft an. Experten nehmen an, dass VPNs sowohl von Jugendlichen als auch Erwachsenen genutzt werden, die ihre Privatsphäre schützen wollen.» VPN steht für Virtual Private Network – dieses verschlüsselt die Verbindung und verschleiert den Standort: So umgehen viele Nutzer die neuen Sperren und wahren ihre Anonymität.
In Anbetracht des VPN-Booms warfen Cyberkriminelle haufenweise kostenlose VPN-Programme auf den Markt, die Schad-Software installieren. Darum sollte man sich besser an die in Zeitlupe Nr. 6 /25 vorgestellten Programme wie NordVPN oder Surfshark halten. Auf der anderen Seite wurden in den USA und Grossbritannien unter dem Prätext des Jugendschutzes Vorstösse gemacht, VPN-Programme zu verbieten, wie dies in China und anderen totalitären Staaten bereits der Fall ist.
Die Nutzung von VPN ist bei weitem nicht auf schlüpfrige Sites und widerrechtliches Verhalten beschränkt, sondern ein legitimes und empfehlenswertes Vorgehen zum Schutz der Privatsphäre und der persönlichen Sicherheit im Online-Verkehr. Wer im Homeoffice arbeitet, wird zum Beispiel von auf Sicherheit bedachten Arbeitgebern angehalten, ein VPN-Programm zu nutzen, weil damit eine direkte Verbindung hergestellt werden kann. Der Schutz unserer Kinder ist ein kostbares Gut, aber er darf nicht für die Einschränkung der Meinungsfreiheit und Privatsphäre missbraucht werden.![]()