Ausflug: Filmgenuss wie anno dazumal im Zürcher Retro-Kino Kulturstudio

Ratternde Projektoren, Filme, auf denen es stets ein bisschen «schneit»: In diesem Kino gibt es weder Full HD noch Dolby Surround Sound. Das fühlt sich an, als würde man in die Anfangsjahre der Kinounterhaltung gebeamt.

Text: Claudia Senn, Bilder: Kulturstudio

Ausflugsziel

Im Schmiedeatelier seines verstorbenen Urgrossvaters richtete der ehemalige Gemeindepfarrer Felix Wicki das wohl kleinste Kino der Stadt ein: das Kulturstudio an der Winkelriedstrasse 1. Hier laufen keine Blockbuster, sondern handverlesene Filmperlen aus dem 20. Jahrhundert, die Wicki als Schmalfilme auf alten Projektoren zeigt. Programm und Ticket-Reservation auf kulturstudio.ch. Zutritt 30 Minuten vor dem Film. Achtung: Wicki nimmt nur Bargeld, ein Ticket kostet 16 Franken.

Kulturstudio Zürich, Kinosaal mit Bild von Charlie Chaplin an der Wand

Anreise

Tram Nr. 9 oder 10 bis Winkelriedstrasse oder Bus Nr. 33 bis Vogelsangstrasse. Von da sind es nur wenige Gehminuten.

Darum lohnt es sich

Felix Wicki mit Filmrolle im Kulturstudio

Weil die analoge Filmtechnik mit ihren ratternden Projektoren und den stets leicht zerkratzten Filmen ihren ganz eigenen Reiz hat. Auch Full-HD-Freaks können sich dem Zauber der Nostalgie kaum entziehen. Felix Wicki, Spitzname «Flicki-Wicki» (denn wer soll die kapriziösen Projektoren reparieren, wenn nicht er selbst?), ist mit rund tausend Filmkopien und 50 historischen Projektoren einer der grössten Sammler der Schweiz. In jedes Werk führt er mit einem kleinen Vortrag persönlich ein. Stummfilme begleitet er live am Klavier.

Mein Highlight

Als Besucherin werde ich wie durch ein kosmisches Wurmloch in eine längst vergangene Ära katapultiert. Denn nicht nur der kleine Kinosaal im Kellergeschoss, sondern auch das ebenerdige Bistro ist ausstaffiert wie eine Art Mini-Museum voller alter Musikdosen, Zauberspiegel und Filmdevotionalien. Hier schwelgt die Nostalgikerin! 

Wermutstropfen

Die Treppe in den Kinosaal ist ziemlich steil. Gehbehinderte könnten sich beim Abstieg schwertun. 

Verpflegungsstopp

Vor dem Film lässt Felix Wicki Drinks und kleine Snacks servieren. Da das mehrheitlich grau- bis weisshaarige Publikum mit höchstens 20 Personen überschaubar ist, kommt man miteinander ins Gespräch und hat die Chance, neue Bekanntschaften zu knüpfen.

Kulturstudio: Bistro
Beitrag vom 13.01.2026

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