Historisches Museum, Bern. Foto: Stefan Wermuth

550 Jahre Schlacht bei Murten

Der Sieg der Eidgenossen in der Schlacht bei Murten 1476 gehört zu den grossen Heldengeschichten der Schweiz. Das Jubiläum wird mit vielen Veranstaltungen begangen – und einer Ausstellung im Historischen Museum in Bern.

«Bei Grandson das Gut, bei Murten den Mut, bei Nancy das Blut» – zumindest früher kannte jedes Schulkind diesen Spruch. Er fasst die Burgunderkriege von 1474 bis 1477 zusammen, in denen sich die damalige Eidgenossenschaft und das Herzogtum Burgund gegenüberstanden. Herzog Karl der Kühne von Burgund verlor dabei zuerst seinen legendären Schatz, dann seine Armee und seinen Lebenswillen und starb schliesslich in der Schlacht von Nancy.

Am 2. März 1476 ergriff das Heer Karls des Kühnen bei einer Auseinandersetzung mit den Eidgenossen die Flucht. Diese kamen der bernischen Besatzung des Schlosses Grandson zu Hilfe, die der Herzog hingerichtet hatte. Karl der Kühne belagerte auf dem Weg von Lausanne nach Bern ab dem 9. Juni Murten. Das Städtchen wurde unter der Führung von Adrian von Bubenberg von Berner und Freiburger Truppen verteidigt. Die Belagerer setzten schweres Geschütz ein und hofften auf eine schnelle Eroberung. Doch die Stadt hielt bis zum Eintreffen des eidgenössischen Entsatzheeres stand. Mit Unterstützung der Verbündeten wurde das mit 25’000 Soldaten rund zehn Mal stärkere Burgundische Heer, damals das modernste Europas, vernichtend geschlagen.

10’000 Tote an einem Tag

Rund 10’000 Menschen verloren am 22. Juni 1476 ihr Leben. Die Murtenschlacht verankerte sich tief im kollektiven Gedächtnis der Schweiz. Anlässlich des Erinnerungsjahres «550 Jahre Schlacht bei Murten» wirft das Bernische Historische Museum mit der Ausstellung «Murten ausgeschlachtet. Ein Sieg wird in Szene gesetzt» einen neuen Blick auf die damaligen Geschehnisse. Sie zeigt, wie historische Begebenheiten zu mitreissenden Inszenierungen verdichtet werden, die oft mehr über die Zeit ihrer Entstehung als über die Ereignisse selbst erzählen. Sie fragt, wer solche Darstellungen befürwortet und verbreitet, wer damit Emotionen wecken und heldenhafte Deutungen vermitteln möchte. Wer erzählt Geschichte? Zu welchem Zweck? Und wem nützen Inszenierungen von Krieg? Besuchende sollen so über Strategien und Mechanismen von Schlachtinszenierungen und Kriegsbildern nachdenken – von 1476 bis in die Gegenwart.

Erstmals seit der Landesausstellung Expo.02 kann das Publikum wieder einen Teil des monumentalen Murtenpanoramas aus dem Jahr 1894 entdecken. Das vollständige Original zog damals mit seiner Länge von 100 Metern und einer Höhe von 10 Metern ein Massenpublikum in seinen Bann.
Erstmals seit der Landesausstellung Expo.02 kann das Publikum wieder einen Teil des monumentalen Murtenpanoramas aus dem Jahr 1894 entdecken. © Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto: Stefan Wermuth

400 Jahre nach der Murtenschlacht liess die Zürcher Panoramagesellschaft 1894 das monumentale «Panorama der Schlacht bei Murten» anfertigen. Mit einer Länge von 100 Metern und einer Höhe von 10 Metern zog das Rundgemälde das Publikum in Scharen an. Zuletzt wurde es im Rahmen der Expo.02 im Innern des Monolithen im Murtensee präsentiert. In der Ausstellung im Historischen Museum in Bern können Besuchende erstmals wieder einen Teil des Originalgemäldes sehen. Auch die umfangreiche Kriegsbeute aus den Burgunderkriegen wird in der Ausstellung inszeniert. Ihre Aufteilung führte zu grossen Konflikten. Stimmen aus Kirche und Politik warnten, der erbeutete Luxus untergrabe die wahren Werte der Eidgenossenschaft.

Blendender Glanz der Burgunderbeute: Die Schweiz profitierte in den Burgunderkriegen zwischen 1474 und 1477 unter anderem von umfangreicher Kriegsbeute, der sogenannten Burgunderbeute. Die Aufteilung dieser Güter führte zu grossen Konflikten.
Blendender Glanz der Burgunderbeute: Die Schweiz profitierte in den Burgunderkriegen zwischen 1474 und 1477 von umfangreicher Kriegsbeute, der sogenannten Burgunderbeute. © Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto: Stefan Wermuth

Ergänzend zum Originalteil des Murten-Panoramas wird in Partnerschaft mit der ETH Lausanne auch ein digitalisiertes 360-Grad-Panorama gezeigt. Das weltweit grösste Digitalbild eines Einzelobjekts entstand aus 27’000 Einzelaufnahmen des Originalgemäldes. Mit einem Controller können Besuchende individuell durch die unzähligen Szenen der Schlacht navigieren und so nahe heranzoomen, dass selbst Details wie das Weiss im Auge eines Pferdes sichtbar werden. Das Erlebnis wird von einer auf die Szenerien abgestimmten Soundkulisse begleitet: Tumultartige Kampfgeräusche, ächzende Verletzte, aufgebrachte Pferde oder scheinbar idyllisches Vogelgezwitscher verstärken das immersive Erlebnis.

«Murten ausgeschlachtet. Ein Sieg wird in Szene gesetzt»: Noch bis am 9. Mai 2027 im Bernischen Historischen Museum.


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Beitrag vom 17.08.2026

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