100 Jahre Leben
Welcome to your future: Eine neue Wanderausstellung erzählt die Geschichte(n) von Hundertjährigen in der Schweiz und verbindet sie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen der grossen «Swiss100 Studie».
Die Schweiz gehört zu den Ländern der Welt mit der höchsten Lebenserwartung. Aktuell sind hierzulande 240 von einer Millionen Menschen 100 Jahre alt. Das Bundesamt für Statistik zeigt, wie sich die Zahl der Hundertjährigen in der Schweiz von 1950 bis 2010 etwa alle zehn Jahre verdoppelt hat und weiter zunimmt. Trotzdem ist nur wenig über die Hundertjährigen in unserem Land bekannt.
Dies will die interdisziplinäre Studie «SWISS100» ändern und die Realität des hohen Alters jenseits gängiger Klischees erforschen. Von 2020 bis 2025 erhob sie als erste landesweite Studie ihrer Art Daten, indem sie Hundertjährige und ihre Familien zu ihren Erfahrungen, Freuden, Herausforderungen, Bedürfnissen, Verlusten und nach ihrem Alltag befragte. Themen wie Gesundheit, Gedächtnis, soziale Beziehungen, Lebensqualität und psychische Stärken sollen in zugänglicher Form präsentiert werden. Dadurch soll die Öffentlichkeit verstehen, was es heute bedeutet, 100 Jahre alt zu werden. Auch politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger können aufgrund der Studienergebnisse informiert über Aspekte entscheiden, die sich auf die Lebensqualität von Hundertjährigen und ihrem Umfeld auswirken.






Nun sind im Rahmen der Wanderausstellung «Welcome to your future: Hundertjährige in der Schweiz» erste Ergebnisse zu sehen. 28 Porträts und Lebensgeschichten geben hochaltrigen Menschen ein Gesicht und verleihen ihren Erfahrungen eine Stimme. Die Biografien werden mit wissenschaftlichen Befunden verknüpft.
Wanderausstellung «Welcome to your future: Hundertjährige in der Schweiz»:
- Basel: 10. Februar bis 5. März 2026 – KHaus (Vernissage am Freitag, 13. Februar, 18:30 Uhr)
- Zürich: 12. März bis 5. April 2026 – Wasserkirche
- Genf: vom 16. April bis 30. Mai 2026 – Ausstellungsraum der UNIGE
- Lausanne: vom 9. Juni bis 4. Juli 2026 – Forum de l’Hôtel de ville
- Demnächst: Bern und Lugano
Ein Jahrhundert Leben: Die Zeitlupe liess sich von drei über hundertjährigen Frauen und einem Mann mitnehmen ins unbekannte Land der Hochaltrigkeit. Sie durfte teilhaben am Rückblick auf ein langes gelebtes Leben und erfuhr Heiterkeit und Gelassenheit, Humor und Dankbarkeit.
Eine Kultur des humanen Alterns: Die Soziologin Rosmarie Meier plädiert für eine Gesellschaft, in der alle Bevölkerungsgruppen ihren Platz haben.
Stationen eines langen Lebens: Was in den letzten 100 Jahren passiert ist
1920er-Jahre
Obwohl Coco Chanel in Paris zu ihrem Siegeszug startet, Berlin zu Charlston tanzt und sich Frauen aus dem Miederkorsett und anderen Zwängen befreien: Die 1920er-Jahre sind alles andere als golden. Die Welt, in die unsere 100-Jährigen hineingeboren werden, ist konservativ und steckt in einer grossen Wirtschaftskrise, denn die Schweiz richtete sich nach dem Landesstreik von 1918 erst langsam wieder auf.
1930er-Jahre
In Deutschland übernehmen die Nationalsozialisten das Zepter, 1933 wird Adolf Hitler zum Bundeskanzler gewählt – die Schweiz steckt noch immer in einer tiefen (Wirtschafts-)Depression. Alles, was vom Elend ablenkt, ist willkommen. Romantische Heimatfilme boomen und lassen die Menschen von besseren Zeiten träumen. Eine Frau verbreitet besonderen Glamour: Greta Garbo. Sie ist die grosse Ikone dieser Jahre.
1940er-Jahre
Europa erstarrt – der Zweite Weltkrieg tobt. Unsere 100-Jährigen werden volljährig, Platz für Träume bietet sich ihnen kaum. Die Männer müssen das Land gegen fremde Truppen verteidigen und die Frauen zusehen, wie sie den Alltag bewältigen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs werden in der Schweiz 420’000 Wehrmänner mobilisiert. Später sind es 700’000 Mann, rund 20 Prozent der Bevölkerung. Nach Kriegsende sitzt der Schock tief. Wie weiter?
1950er-Jahre
Die Menschen glauben wieder an ihre Zukunft. Die Devise der Stunde lautet: Schaffe, schaffe, Häusle bauen. Die Wirtschaft erlebt einen enormen Aufschwung, Elektronik hält Einzug in den Alltag, das Fernsehen bringt das Weltgeschehen nach Hause. Und damit auch die Jugendkultur, die begründet wird. Elvis Presley schockt mit laszivem Hüftschwung und Rock’n’Roll. James Dean wird zum Fahnenträger der Rebellion der Jungen.
1960er-Jahre
Dieses Jahrzehnt ist geprägt vom Mauerbau in Deutschland, dem Vietnamkrieg, den Hippies, John F. Kennedy, Martin Luther King, Andy Warhol, den Beatles, Twiggy, der Antibabypille und der Eroberung des Monds. Der Glaube an die Zukunft ist Schrittmacher, die Schweiz entwickelt sich zur Wohlstandsgesellschaft. Das Bürgertum schaut irritiert auf Woodstock und Hippies, auf Studentenaufstände und Globus-Krawalle – und sie hört den Ruf nach freier Liebe.
1970er-Jahre
Terroristen-Terror erschüttert die Welt, die Ölkrise fegt die Strassen leer. Vordenker in grünen Parkas mobilisieren sich gegen die Atomkraft und für den Umweltschutz. Bis 1975 bleibt das Konkubinat in 14 Kantonen gesetzlich verboten. Überdies steht erstmals die Überfremdung des Landes zur Diskussion. James Schwarzenbach stemmt sich mit seiner Volksinitiative gegen das Fremde und scheitert an der Urne knapp. Wäre die Initiative angenommen worden, hätten 300’000 bis 400’000 Menschen das Land verlassen müssen. 1971 erhalten die Schweizer Frauen das Stimmrecht. Endlich!
1980er-Jahre
Unsere 100-Jährigen stehen vor der Pension – und vor dem ersten Schritt in eine technologische Welt. Der Computer hält in den Büros Einzug, später auch in ihren Stuben. Die neue Technologie soll ihnen das Leben vereinfachen. Die Telefonie lernt laufen. Die PTT lanciert am 1. April 1978 das erste mobile Telefongerät. Es war 26 Kilo schwer und kostete bis zu 18’000 Franken.
1990er-Jahre
Die Welt wird zum Dorf. Die National Science Foundation, eine unabhängige Behörde der US-Regierung, öffnet das Internet für die kommerziellen Nutzung. Dieser Entscheid führt zu einem Umbruch, neue Wirtschaftszweige wachsen, Informationen gehen in Sekundenschnelle um die Welt. Derweil vereint sich Ost- mit Westdeutschland, Bill Clinton wird amerikanischer Präsident und die Schweiz lehnt 1992 einen Beitritt zum europäischen Wirtschaftsraum ab.
2000er-Jahre
Der Sprung über die Milleniumsgrenze ist schadlos geschafft. Unsere Exponentinnen und Exponenten sind mittlerweile 80 – und gehören zu einer wachsenden Bevölkerungsgruppe. Denn die über 80-Jährigen machen gemäss Bundesamt für Statistik bis ins Jahr 2045 etwas mehr als 10 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Das führt zu Diskussionen über die alternde Gesellschaft, die Finanzierung der Altersvorsorge und die explodierenden Kosten im Gesundheitsbereich. Schlüssige Antworten fehlen noch immer.
Was für ein Jahrhundert: Ein Rückblick anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Zeitlupe 2023. Kriege und Katastrophen kosten Millionen Menschen das Leben. Technische, medizinische und gesellschaftliche Entwicklungen verändern die Welt und die Schweiz. Viele Errungenschaften sind Fluch und Segen zugleich.