Rose und Margrit Aschwanden im Fotoatelier Aschwanden, Schweiz, 1933-1945 © gemeinfrei / Public Domain

Vergessene Schweizer Fotografinnen

Sieben Fotografinnen, sieben Fotoarchive, viele Fragen: Die Fotostiftung Schweiz rückt mit der Ausstellung «Frauen. Fragen. Fotoarchive.» Fotografinnen in den Fokus, die zwischen 1900 und 1970 tätig waren – und hinterfragt die bisher männlich geprägte Fotografiegeschichte der Schweiz.

Frauen haben seit den Anfängen der Fotografie mit diesem Medium gearbeitet, experimentiert und dokumentiert. Aber die wenigsten kennen wohl Anny Wild-Siber, Gertrud Dübi-Müller, Marie Ottomann-Rothacher, Margrit Aschwanden, Hedy Bumbacher, Leni Willimann-Thöni oder Anita Niesz. Das liegt daran, dass die Schweizer Fotografiegeschichte lange Zeit vor allem eine Geschichte männlicher Fotografen war, überliefert aus männlicher Perspektive.

Dies zeigt sich auch in der Fotostiftung Schweiz. Von den rund 160 Archiven, die die Stiftung im Auftrag des Bundesamtes für Kultur betreut, stammen nur gerade 26 von Frauen. Selbst wenn sich Fotografinnen in diesem männlich dominierten Berufsfeld etablieren konnten, standen sie oft im Schatten ihrer Kollegen, Lehrmeister oder Ehemänner. Oder ihr Werk fiel durch das Raster der institutionellen Sammlungspolitik.

Leni Willimann-Thöni, Schülerinnen der Fachklasse für Fotografie, Kunstgewerbeschule
Zürich, ca. 1940
Leni Willimann-Thöni, Schülerinnen der Fachklasse für Fotografie, Kunstgewerbeschule
Zürich, ca. 1940 © Leni Willimann-Thöni / Fotostiftung Schweiz

Die neue Ausstellung stellt sieben Fotografinnen in chronologischer Reihenfolge vor und zeigt ihre unterschiedlichen Wege zur Fotografie. Auch die Ausbildungs- und Arbeitssituation von Fotografinnen wird thematisiert. Fotografen überliessen ihren weiblichen Angestellten oft wenig prestigeträchtige Tätigkeiten wie Laborarbeit und Retusche. Dafür hielt man Frauen aufgrund angeblich typischer Eigenschaften wie Ausdauer und Genauigkeit für besonders geeignet. Auch als Empfangsdamen im Fotoatelier waren sie geschätzt, um für eine freundliche Atmosphäre zu sorgen. Als Fotoreporterinnen waren Frauen hingegen eine Ausnahme. Spätestens nach der Heirat oder der Geburt des ersten Kindes wurde erwartet, dass Frauen ihren Beruf aufgaben und sich auf Haushalt und Familie konzentrierten.

Mit ihrer neuen Ausstellung macht die Fotostiftung Schweiz bislang übersehene Lebenswerke sichtbar und eröffnet neue Perspektiven auf Autorinnenschaft, (Un-)Sichtbarkeit und Archivierung. Sie bettet Leben und Werk in ein gesellschaftliches Panorama ein und zeigt den Kampf um die Anerkennung der Leistungen von Frauen und um politisches Mitspracherecht.

«Frauen. Fragen. Fotoarchive.»: 28. Februar bis 14. Juni 2026, Fotostiftung Schweiz, Grüzenstrasse 45, 8400 Winterthur

Veranstaltungen

Freitag, 27. Februar 2026
Vernissage ab 18 Uhr 19 Uhr Begrüssung und Einführung in die Ausstellung

Sonntag, 8. März 2026, 13 Uhr
Noch eine Frauenausstellung?! Ausstellungsrundgang anlässlich des Weltfrauentags mit den Kuratorinnen Madleina Deplazes, Michèle Dick, Teresa Gruber und Katharina Rippstein

Sonntag, 29. März 2026, 13 Uhr
Von Karrieren und Kindern – Archive als Abbild der Lebensrealitäten von Fotografinnen Ausstellungsrundgang mit Kuratorin Madleina Deplazes

Sonntag, 12. April 2026, 13 Uhr
Margrit Aschwanden – Zwischen Familienbetrieb und Autorinnenschaft Ausstellungsgespräch von Kuratorin Michèle Dick mit Verena Aschwanden, Nichte von Margrit Aschwanden, Fotografin und Geschäftsleiterin von Foto Aschwanden bis 2010

Freitag, 8. Mai 2026, 14 bis 17 Uhr
(Un-)Sichtbarkeiten – Perspektiven auf die Arbeit mit Frauenarchiven Drei Vorträge und eine Gesprächsrunde mit Dr. Natalie Dimic, Fotohistorikerin und Kuratorin, Dr. Lina Gafner, Direktorin des Gosteli-Archivs, und Dr. Bettina Richter, Kuratorin am Museum für Gestaltung Zürich

Sonntag, 24. Mai 2026, 13 Uhr (Pfingstsonntag)
Gertrud Dübi-Müller und Marie Ottomann-Rothacher – Fotografinnen vor und hinter der Kamera Ausstellungsrundgang mit Kuratorin Katharina Rippstein

Sonntag, 7. Juni 2026, 13 Uhr:
Amateurinnen, Lehrtöchter und Kunstgewerblerinnen – Wege zur Fotografie Ausstellungsrundgang mit Kuratorin Teresa Gruber

Digitaler Rückblick in die Vergangenheit: Die Fotostiftung Schweiz hat mit dem «Bildarchiv Online» ein Portal zur hiesigen Fotografiegeschichte lanciert.

Beitrag vom 26.02.2026

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