Als die Swissair noch abhob
Am Zeitlupe-Talk in Kloten liessen ehemalige Mitarbeitende ihre Zeit bei der Swissair aufleben. Sie erzählten von prominenten Passagieren, strengen Benimmregeln und einem Heiratsbonus.
Text: Monica Müller
Willy Kämpfers letzte Landung war für ihn die emotionalste. Insgesamt hatte er in seiner langjährigen Karriere als Swissair-Pilot rund 12’000 Starts und Landungen gemeistert. Als er im Dezember 1996 in Boston startete, hatte er das Ziel, um Punkt 8 Uhr und sanft in Zürich zu landen. Und damit seine langjährige Karriere als Swissair-Pilot schön abzuschliessen. Beides gelang ihm, wie er am Zeitlupe-Talk am vergangenen Mittwoch, 28. Oktober, erzählte. Das Podium teilte er mit drei ehemaligen Stewardessen und einer Reinigungskraft. Durch den Anlass im Centrum Schluefweg in Kloten führte Moderator Röbi Koller – der auch der Gastgeber des Zeitlupe-Podcasts «Tonspur» ist.

Ein Hauch Glamour

Rund 100 Zeitlupe-Leserinnen und -Leser sowie Swissair-Fans hörten interessiert zu, wie die früheren Mitarbeitenden sich an ihre Zeit bei der Swissair erinnerten. Für die Stewardessen war die Arbeit über den Wolken ein absoluter Traumjob. So schwärmte Mignon Fuchs vom Flug mit dem Schauspieler Richard Gere. Mit ihren Kolleginnen hatte sie vereinbart, sich abwechselnd um den Service zu kümmern, so dass jede ihre Chance hatte, dem Beau in die Augen zu schauen.
Mignon Fuchs arbeitete zudem für die Abteilung «Appearance and fashionable Manners», die dafür sorgte, dass das Erscheinungsbild des Kabinenpersonals einwandfrei war und alle die «internationalen Umgangsformen» kannten. In den 1970er Jahren stand noch im Vertrag, dass die Stewardessen nur bis zum Alter von 36 Jahren in dieser Funktion arbeiten durften. Zudem mussten sie unverheiratet sein. Später durften auch Verheiratete in der Kabine arbeiten. Sie sprangen bei Personalmangel ein und wurden wenig schmeichelhaft «Hausfrauengschwader» genannt.
Economy war unbeliebt
Die Jasskönigin Monika Fasnacht bewarb sich gleich nach der Matura bei der Swissair. Dort hiess es, sie solle zuerst einen richtigen Beruf lernen und Lebenserfahrung sammeln. Nach Abschluss der Hotelfachschule durfte sie schliesslich doch anheuern. Am liebsten war sie für den Service in der 1. Klasse zuständig, wo sie auch das erworbene Wissen aus der Hotellerie anwenden konnte. Der «Schleuderservice» – wie der Service in der Economy-Klasse intern genannt wurde – gefiel ihr weniger. Ebenso, dass Günter Sachs einst ein Cognac-Glas durch die Kabine schleuderte.
Monica Heusser war, wie Mignon Fuchs auch, Maître de Cabine und in dieser Rolle verantwortlich für die Kabinenbesatzung. Sie schwärmte vom besonderen Zusammenhalt beim Personal. «Wir brauchten nur wenige Worte, um uns heimatlich verbunden zu fühlen.» Im Ausland wurden sie oft von den Botschaften eingeladen, «da kam man sich schon ein bisschen wichtig vor.» Zur Swissair zu gehören erfüllte sie alle mit Stolz.
Mit 100 Jahren noch Swissair-Fan
Trudi Egli gehörte zum Bodenpersonal der Swissair, sie hatte einst als Reinigungskraft die Büros der Swissair geputzt. Auch ihr Mann war eng mit der Fluggesellschaft verbunden: Er trat bereits am 1. Mai 1947 als Techniker in die Dienste der Swissair ein. Trudi Egli ist heute stolze 100 Jahre alt. Röbi Koller verriet sie: «Öppä tuät eim öppis weh». Das Geheimnis ihres langen Lebens sei, dass sie nie aufgehört habe zu arbeiten. Noch immer kümmere sie sich selbst um ihren Garten. Mit einem Augenzwinkern erzählte sie, wie es dazu kam, dass sie und ihr Liebster damals heirateten. Ende Jahr wurde allen Swissair-Mitarbeitern und -Mitarbeiterinnen ein Bonus versprochen, 300 Franken für die Ledigen, 600 für die Verheirateten. Da habe sie zu ihrem Zukünftigen gesagt: «Chum, jetzt chömär hürate.»
Trudi Egli war froh, musste ihr Mann das Swissair-Grounding im Jahr 2001 nicht mehr miterleben. Auch die anderen Podiumsgäste erzählten vom Schock, als die Flotte am Boden blieb. «Es hat mich extrem getroffen, so verbunden war ich mit der Swissair», sagte etwa Monika Fasnacht. Beim Talk überwogen jedoch die positiven Erinnerungen. «Die Swissair war nicht einfach ein gewöhnlicher Arbeitsplatz», sagte Mignon Fuchs, «sondern ein Stück Schweizer Geschichte, eine Airline, die die Welt mit unserer Heimat verband.»
