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Für Samtpfötchen

Spätestens seit Corona wissen wir: Händewaschen kann Leben retten. Leider strapaziert die Hygiene sie aber auch. Im häufigen Wasserstrahl werden diese rot und rissig – und verlangen dringlich nach Pflege. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema im Überblick. 

Von Roland Grüter

Hände trocknen schneller aus als andere Körperteile: Weshalb?
Dahinter wirkt unsere Anatomie. Die Haut an den Hand­rücken ist besonders dünn, denn sie besitzt kaum Unterhaut­fett­gewebe. Schweissdrüsen fehlen gänzlich, Talgdrüsen sind ebenfalls spärlich vorhanden – in den Innenflächen fehlen sie sogar ganz. Will heissen: Unsere Hände sind oft unzureichend durch einen natürlichen Fett­film geschützt. Der Winter macht ihnen entsprechend hart zu schaffen. In der Stube ist die Luft warm und trocken, unter freiem Himmel kalt und trocken. Crèmes, die Fette und Feuchtig­keit enthalten, lindern das Elend.

Kann man verhindern, dass es gar nicht soweit kommt?
In beschränktem Masse, ja. Insbesondere in Corona-Zeiten malträtieren wir unsere Hände mit häufigem Waschen und durch das Desinfizieren. Deshalb gilt: Das Waschwasser nicht heiss, sondern nur lauwarm aus dem Hahnen rinnen lassen. Ausserdem sollten eingesetzte Seifen milde, also pH-neutral, idealerweise sogar rückfettend sein. Nach dem Waschen heisst es, die Hände sorgfältig zu trocknen. Hierbei gilt: Lieber tupfen als rubbeln (am besten mit einem weichen Handtuch). Und danach die Hände gut eincrèmen – gemäss Dermatologen drei Mal täglich. 

Schutzcrèmes halten Hände fit

Welche Crèmes empfehlen sich?
Es gibt zwei verschiedene Arten: Schutzcremes und regenerierende Salben, welche die Hautbarriere wieder aufbauen. Schutzcremes sollen Paraffin oder Lanolin enthalten, diese Stoffe dichten die Haut sozusagen ab. Regenerierende Cremes wiederum sollten Salicyl-Glycerin, Milchsäure oder Harnstoff mitbringen und die strapazierte Haut mit möglichst viel Feuchtigkeit versorgen. Welche Crème man benutzt, ist letztendlich aber vom jeweiligen Hauttyp abhängig – und von persönlichen Präferenzen.

Müssen Männer andere Salben bevorzugen als Frauen?
Nein. Beide können zu denselben Tuben greifen. Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es in der Handpflege nicht – anders als etwa in der Pflege der Gesichtshaut.

Helfen auch Allzweck­crèmes, also beispielsweise die altgediente Nivea?
Durchaus. Auch Allzweck­crèmes können Hände pflegen. Anwender empfinden diese jedoch häufig als klebrig oder fettig und präferieren Produkte, die schneller einziehen und ein angenehm weiches Hautgefühl hinterlassen. Hand­crèmes basieren meist auf Rezepturen mit Ölen, die diese Anforderungen erfüllen. Ein Tipp: Wer richtig salbt, kann schnell wieder zum Smartphone oder zur Zeitung greifen, ohne schmierige Spuren zu hinterlassen. Geben Sie einen Haselnuss­ grossen Crèmetupfen auf den Hand­rücken. Danach reiben Sie beide Hand­rücken gegen­einander, um die Crème zu verteilen. Anschliessend wird diese an den Fingern, in den Finger­zwischenräume und im Nagel­bereich eingearbeitet – und die Reste in den Handinnenflächen verteilt.

Manche Produzenten behaupten, ihre Crèmes seien antibakteriell. Stimmt das?
Pflegen und gleich­zeitig vor Bakterien, ja sogar gegen Viren schützen – manche Produzenten wollen tatsächlich beides bieten. Sinn­voll oder gar notwendig ist das jedoch nicht. Expertinnen und Experten raten grundsätzlich von einem breiten Einsatz antimikrobieller Produkte im Privathaushalt ab. Für gesunde Personen seien sie «verzicht­bar». Darüber hinaus können die dafür erforderlichen Inhaltsstoffe sogar die natürliche, schützende Hautflora schädigen und/oder allergische Reaktionen auslösen. In unabhängigen Testreihen fielen entsprechende Crèmes meist durch. Das Versprechen, die Hände von Bakterien zu befreien, konnten sie nicht einlösen. Darüber hinaus: Die Hände kommen ständig mit Bakterien in Berührung. Der Schutz müsste also stetig erneuert werden. 

Lindern spezialisierte Crèmes zumindest Pigment­flecken?
Wenn überhaupt, leider weit weniger als es uns recht ist. Die Deutsche Stiftung Warentest hat solche Produkte geprüft. Das Ergebnis lautet: mangelhaft. Pigment­flecken entstehen meist an Körperstellen, die der Sonne häufig schutz­los ausgesetzt sind – also an Unter­armen und Hand­rücken. Durch hormonelle Veränderungen oder die Einnahme von Medikamenten bilden sich im Alter in der oberen Haut­schicht Pigment­ablagerungen des körper­eigenen Bräunungs­farb­stoffs Melanin. Also müssen wir zusehen, dass Pigment- oder Alters­flecken erst gar nicht entstehen. Das gelingt mit Sonnen­schutz­mitteln.

Diese Stoffe sollten Sie meiden

Hand­crème hält Haut und Nägel geschmeidig: richtig?
Jein. Zwar profitieren die Nagelhaut und Fingernägel ebenfalls von der Pflege, sie werden geschmeidiger und glänzend. Doch wo die Fingernägel brüchig, rissig oder sehr weich sind, vermögen sie nichts auszurichten. Stark geschädigte Fingernägel sollten zwingend von einem Arzt unter­sucht werden.

Man liest allenthalben von Schadstoffen, die in den Crèmes enthalten sind. Welche sind besonders kritisch?
Aromatische Kohlen­wasser­stoffe, Mineral oil aromatic hydrocarbons (kurz Moah) und gesättigte Kohlen­wasser­stoffe, Mineral oil saturated hydrocarbons (kurz Mosh). Moah gelten als potenziell krebs­er­regend, Mosh als besorgnis­erregend. Diese Einschät­zungen beziehen sich zwar auf Lebens­mittel, doch auch Handcrèmes gelangen leicht in den Mund – weil wir gerne daran herumfingern. Ob Produkte Mineral­ölbestand­teile enthalten, erkennen wir anhand der Inhalts­stoff­liste: Cera Microcri­stallina (Microcri­stallina Wax), Ceresin, Mineral Oil, Ozokerite, Paraffin, Paraf­finum Liquidum, Petrolatum gehören dazu. In zertifizierter Naturkosmetik dürfen diese Stoffe nicht einge­setzt werden – entsprechend gilt es diese zu präferieren.

Bringen natürliche Öle auch andere Vorteile mit?
Ja. Sie enthalten hautähnliche Lipide. «Diese ziehen in die Hautbarriere ein und können dort aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu den hauteigenen Lipiden optimal verwertet werden. Damit unterstützen sie die Funktion der Hautbarriere nachhaltig – ständiges Cremen entfällt», schreibt das Kosmetik-Unternehmen Kneipp. Mineralöle hingegen legen sich auf die Haut. Sie füllen die feinen Rillen und Fältchen auf und lassen die Hände so optisch glatter wirken. Einen Langzeit-Pflegeeffekt können sie jedoch nicht gewähren. Was uns schnell dazu anhält, nachzucrèmen.

Die Kraft der Natur mag milder sein – aber hilft sie auch?
Das deutsche Konsumentenmagazin «Öko-Test» hat 50 Handcrèmes getestet – mit Blick auf kritische Stoffe für die Anwenderin und auf Stoffe, die nach dem Auftragen in die Umwelt gelangen. Bei den Crèmes handelt es sich um bekannte Marken, Verkaufsschlager und günstige Eigenmarken. Alle als Naturkosmetik lizensierten Crèmes wurden von «Öko-Test» als «sehr gut» bewertet.  Die besten, auch in der Schweiz erhältlichen Naturkosmetik-Produkte sind:  Dr. Hauschka Handcreme, Lavera Basis Sensitiv Handcreme, Martina Gebhardt Hand & Nail Hand Cream und Weleda Sanddorn Handcrème. Im Segment der anderen Crèmes erreichten folgende Produkte das Präsikat sehr gut: Aveo mit Bienenwachs Hand & Nagelbalsam und Cien Care Handcrème.

Was, wenn die Haut besonders rissig ist?
Dann helfen Intensivkuren, etwa Handbäder oder Handmasken. Für ein pflegendes Handbad sollten wir eine kleine Menge Olivenöl wärmen, die Hände eintunken und für einige Minuten darin belassen. Herausheben, und das restliche Öl sanft einmassieren. Alternativ können auch Baumwollhandschuhe über die Hände gezogen werden, damit das Öl über Nacht einziehen kann. Was auch hilft: eine reichhaltige Handpflege messerdick auftragen und mit den Handschuhen über Nacht abdecken. Dann sind Samtpfötchen garantiert.

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