Der Axolotl kann ewig unter Wasser bleiben und verlorene Körperteile nachbilden. Er fasziniert die Forschung – und die Literatur.
Text: Monica Müller
Wunder der Biologie
Der Axolotl ist ein kleines Regenerationsgenie: Verliert er einen Arm oder ein Bein oder ein anderes Körperteil, wächst einfach eine exakte Kopie ganz ohne Narben nach. Und er bleibt für immer ein Baby. Während andere Amphibien im Wasser starten und später Lungen entwickeln, um an Land zu gehen, bleiben Axolotl ihr Leben lang im Larvenstadium unter Wasser.
Axolotl kommen in freier Wildbahn nur an einem Ort vor – im Kanalsystem von Xochimilco. Das ist ein Netzwerk aus künstlichen Kanälen, kleinen Seen und Feuchtgebieten, das zur Wasserversorgung der rund 22 Millionen Einwohner von Mexiko-Stadt und Agglomeration beiträgt. Die Azteken legten das Kanalsystem an, um Nutzpflanzen anbauen zu können.
3000 Wiener Axolotl
In Zoohandlungen und Laboren ist der Axolotl aber weit verbreitet. Die grösste bekannte Axolotl-Kolonie ausserhalb Mexikos ist in Wien: Im Institut für Molekulare Biotechnologie leben um die 3000 von ihnen. Hier wird erforscht, was sich aus den Axolotl-Fähigkeiten für die Medizin lernen lässt. Niemand rechnet damit, dass Menschen in absehbarer Zeit verlorene Gliedmassen nachwachsen lassen können. Aber die Axolotl-Forschung könnte Erkenntnisse für bessere Heilung von gebrochenen Knochen oder verletztem Gewebe liefern.
Das Naturschutzparadox
Axolotl zeigen das sogenannte Naturschutzparadox: In der Natur sind sie fast ausgestorben, leben aber weltweit in Zoos, Laboren und als Haustiere. Da fast alle von wenigen Tieren abstammen, ist ihre genetische Vielfalt gering. Und so sind sie anfälliger für Krankheiten.
Einmal Axolotl sein?
Wer sich in dieses wundersame Wesen einfühlen möchte, dem sei die Kurzgeschichte «Axolotl» von Julio Cortázar empfohlen. Der argentinische Meistererzähler fantastischer Literatur lässt darin einen Mann immer wieder die Axolotl im Aquarium des Jardin des Plantes in Paris besuchen. Er ist fasziniert, ja besessen, von ihnen. Schliesslich wird er auf wundersame Art selbst einer von ihnen.
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