Wie steht es um die Schweizer Natur?
Die meisten Menschen halten die Natur in der Schweiz für intakt. Doch in Wahrheit geht es ihr schlechter als in den meisten anderen Ländern. Wir haben einen grossen Teil unserer Vielfalt verloren.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Natur in der Schweiz gehe es wunderbar: Die Wiesen sind grün, die Seen blau, die Berge urchig und wild. So sind denn auch 86 Prozent der Schweizer Bevölkerung der Meinung, die hiesige Umwelt sei in einem guten Zustand.
Die Roten Listen sind länger
Doch der Eindruck täuscht. Das satte Grün der Wiesen ist oft Ausdruck von mangelnder Vielfalt, und auch in den Gewässern herrscht Einöde. Die Natur ist in den letzten Jahrzehnten in ungeheurem Ausmass verarmt. Wir merken das kaum, weil es sich um einen schleichenden Prozess handelt. Aber seit 1900 sind beispielsweise 90 Prozent der Feuchtgebiete und sogar 95 Prozent der besonders artenreichen Trockenwiesen und -weiden verloren gegangen.
Grund dafür ist vor allem die Urbarmachung von Land. Das bedeutet die Umwandlung von naturbelassenen, nicht kultivierten Gebieten wie Wäldern, Mooren oder Ödland in nutzbares Acker-, Weide- oder Siedlungsland. Ebenso die Intensivierung der Landwirtschaft, aber etwa auch der starke Siedlungsdruck. Entsprechend sind in der Schweiz die Roten Listen der bedrohten Arten deutlich länger als in den meisten anderen Ländern.
Gleichzeitig sind wir europaweit auf dem letzten Platz, was die Fläche unserer Naturschutzgebiete angeht. Die Gründung des Nationalparks 1914 war eine Pioniertat, doch seither geschah nichts Vergleichbares mehr. Im internationalen Vergleich sind unsere Naturschutzgebiete winzig. Die Moore sind zwar seit 1987 («Rothenthurm-Initiative») auf dem Papier streng geschützt, verkommen in Wahrheit aber immer mehr. Etwas besser geht es dem Wald, wo zunehmend Reservate entstehen und mehr Totholz liegen bleibt. Besonders schlecht hingegen steht es um unsere Bäche und Flüsse, die intensiv für die Wasserkraft genutzt werden. Für Fische, Muscheln und Krebse bleibt kaum Raum zum Leben.
Das können Sie selbst tun
Was können Sie tun? Setzen Sie sich für die Natur ein, beispielsweise in ihrem Quartier oder in der Politik. Achten Sie beim Einkaufen auf naturschonende Produktion. Und gestalten Sie Ihren Garten naturnah – jeder Quadratmeter zählt. Auch schon ein paar blüten- und samenreiche Pflanzen auf dem Balkon helfen den Insekten und den Vögeln.![]()
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