Unser Atem widerspiegelt unsere körperliche und seelische Verfassung. Atemtherapeutin Theres Hauser erklärt, wie Atemübungen zu mehr Wohlbefinden führen
Das Leben beginnt mit dem ersten und endet mit dem letzten Atemzug. Für unseren Organismus ist die Versorgung mit Sauerstoff lebenswichtig. Dieser gelangt durch die Atmung über die Lunge ins Blut und so in jede Zelle.
Stress, Fehlhaltungen, verspannte Muskeln oder einseitige Belastungen wirken sich negativ auf die Atmung aus. Im Lauf des Lebens verringert sich zudem die Elastizität des Lungengewebes, die Atemmuskulatur wird schwächer und die Gelenke im Brustkorb büssen an Beweglichkeit ein. Auch die Oberfläche aller Lungenbläschen, in jungen Jahren so gross wie ein Tennisplatz, wird kleiner. So nimmt das Atemvolumen und dadurch die Durchblutung der Gewebe ab, was unsere Immunabwehr schwächt und Entzündungen begünstigt.
Glücklicherweise können wir diesen Entwicklungen mit Atemübungen entgegenwirken. Durch bewusste, langsame und mit dem Atem koordinierte Bewegungen können Blockaden aufgespürt und gelöst werden. Blockaden behindern die Atembewegung, die sich bei jedem Atemzug durch den Körper ausbreitet – genau wie Hindernisse im Wasser die Wellen stoppen, die entstehen, wenn man einen Stein hineinwirft.
Zur Ruhe kommen
Die Teilnehmenden in meinen Atem-Gymnastik-Kursen kommen wegen ganz unterschiedlicher Beschwerden oder einfach, um sich etwas Gutes zu tun. Ziel ist es, wieder so atmen zu lernen, dass einen der Atem der Situation entsprechend unterstützt. Denn viele Menschen atmen in unserer hektischen Zeit viel zu oberflächlich, fast nur im Brustbereich. Auch ein wichtiger Aspekt ist die Nasenatmung. Wenn ein natürlich zugelassener Atemzug durch die Nase bis tief in den Bauchraum gelangt, entspannt sich das Nervensystem und wir können zur Ruhe kommen.
Legen Sie einmal die Hände auf den Bauch und nehmen Sie Ihre Atembewegung bewusst wahr. Sie werden spüren, wie der Atem allmählich ruhiger und kräftiger wird, während der Puls sinkt. Lässt man sich auf diese «Atemarbeit» ein und übt regelmässig, verbessern sich oft viele Beschwerden wie etwa Müdigkeit, Stress, Unruhe, Schlafprobleme und Schmerzen oder sie verschwinden sogar ganz.
Mit den Gefühlen verbunden
Unser Atem ist also eine Art Superkraft, die den Körper wie auch die Psyche günstig beeinflussen kann. Denn der Atem ist direkt mit unseren Gefühlen und Gedanken verbunden. Nur schon wenn wir uns etwas Gefährliches vorstellen, stockt er und wird flacher. Diese Verbindung können wir auch umgekehrt nutzen und über einen entspannten, natürlichen Atem zu mehr Wohlergehen, Gesundheit und Lebensqualität finden.![]()