Menschen über 60 nutzen Bildschirme besonders häufig. Je aktiver sie diese Zeit gestalten, desto besser.
In der Schweiz liegt die durchschnittliche Internetzeit der Generation 65+ bei rund 2 Stunden pro Tag. Dazu kommen rund 3.6 Stunden Fernsehen. Digitale Medien nehmen viel Zeit ein, ermöglichen viel, und sie sind ein Segen, gerade wenn die Beweglichkeit nachlässt: der Videoanruf mit dem Enkelkind, das Hörbuch am Abend, die Nachrichten am Morgen. Die zentrale Frage aber ist: wie bewusst wir Bildschirme nutzen.
Was die Hirnforschung zeigt
Unser Gehirn liebt Reize, aber es braucht auch Pausen, um sie zu verarbeiten. Wird es ununterbrochen mit Nachrichten, Bildern und Informationen gefüttert, bleibt kaum Zeit für Tiefe. Gerade wenn mehrere Bildschirme gleichzeitig laufen, wir Nachrichten lesen und nebenbei fernsehen, bedeutet dies schlechtere Verarbeitungsmuster im Gehirn.
Entscheidend ist auch, wie wir Medien nutzen und was wir konsumieren. Passives Scrollen oder Fernsehen stimulieren unser Gehirn kaum. Gerade diese geistige Aktivierung wäre jedoch wichtig für unsere Kopfgesundheit und die Demenzprävention. Statt Medien passiv «zu konsumieren» kann man aktiv etwas gestalten, mit Online-Kursen lernen, bei Quizshows mitmachen oder mit anderen etwas schauen und darüber reden.
Ständige negative Nachrichten halten zudem unser Alarmsystem in Daueranspannung. Das schwächt auf lange Sicht jenen Hirnbereich, der für klares Denken und Impulskontrolle zuständig ist. Wer sich mehrmals täglich durch schlechte Nachrichten scrollt, tut seinem Gehirn deshalb keinen Gefallen.
Das wird empfohlen
Entscheidend für die geistige Fitness ist mehr aktive Mediennutzung und weniger passive: Maximal drei Stunden passives Fernsehen oder zwei Stunden Smartphone am Tag. Wichtig ist die Frage, ob daneben genug Raum für das bleibt, was das Gehirn wirklich stärkt. Bewegung, Engagement, Naturzeit, konzentriertes, kreatives Tun, Lernen. Wird der Bildschirm zum Ersatz für all das statt zur Ergänzung, beginnt das Problem.
Praktisch für den Alltag
Setzen Sie sich bewusste bildschirmfreie Zeitfenster, und lassen Sie sich nicht zu oft von digitalen Nachrichten ablenken. Schalten Sie das Smartphone auf stumm, sodass Sie in Gesprächen nicht abgelenkt werden. Nachrichten können warten. So können Sie sich vielmehr auf den Moment einlassen und erleben dabei mehr Tiefe und Freude.
Wählen Sie Nachrichten bewusst, statt sie den ganzen Tag laufen zu lassen. Eine feste Zeit reicht völlig. Lassen Sie sich das Denken nicht abnehmen durch Google oder KI. Und das Wichtigste: Priorisieren Sie echte Begegnungen, ein Anruf statt einer Nachricht, ein Spaziergang mit einer Freundin statt eines weiteren Videos.
Mein persönlicher Grundsatz: Bildschirme dürfen mein Leben begleiten, aber nicht dominieren. Am meisten profitiert mein Gehirn von dem, was auf keinem Screen stattfindet: einem echten Gespräch, einer Wanderung, einer Melodie, die ich singe. Ich wünsche uns allen nicht unbedingt weniger Technik aus schlechtem Gewissen, sondern viel mehr bewusstes Leben daneben.![]()