Handarbeiten und Tätigkeiten im Garten sind mehr als gemütliche Beschäftigungen. Sie beruhigen das Stresssystem, verbessern die Stimmung und helfen mit, das Gehirn anpassungsfähig und wach zu halten.
Meine Grossmutter sagte immer: «Beim Stricken ordne ich meine Gedanken.» Heute weiss ich: Sie lag goldrichtig. Ob Maschen zählen oder Erde durch die Finger gleiten lassen – diese Tätigkeiten beruhigen das Nervensystem, fokussieren den Geist und stärken unser Gehirn.
Unser Gehirn liebt es, durch geistig stimulierende Tätigkeiten gefordert zu werden. Dazu gehören nicht nur Kreuzworträtsel oder Gehirntraining, sondern auch kreative Tätigkeiten wie Stricken, Häkeln und Gartenarbeit. Unsere Hände sind eng mit dem Gehirn verbunden. Jede fein abgestimmte Bewegung beim Stricken oder Häkeln, jeder Griff in die Erde im Garten aktiviert grosse Bereiche des motorischen und sensorischen Kortex, das Kleinhirn sowie jene Hirnregionen, die für Planung, Rhythmus und Fehlerkorrektur zuständig sind. Das erklärt, weshalb feinmotorische Tätigkeiten nachweislich die Aufmerksamkeit verbessern, das Gedächtnis stärken und sogar das Risiko für geistigen Abbau reduzieren.
Stricken und häkeln sind hochkomplex
Wenn wir stricken oder häkeln, laufen im Gehirn hochkomplexe Prozesse ab. Wir zählen Muster, behalten Reihenfolgen im Kopf, erkennen Fehler und korrigieren sie – und das alles in einem rhythmischen Ablauf, der uns zugleich beruhigt. Diese Kombination aus Konzentration und Wiederholung ist Stärkung für die sogenannten exekutiven Funktionen (Konzentration, Regulation, Planung, etc.) und das Arbeitsgedächtnis.
Die Gartenarbeit wirkt ähnlich, aber noch multisensorischer. Wir riechen Erde, fühlen Texturen, sehen Farben, balancieren Körperhaltung und bewegen uns. Je mehr Sinne beteiligt sind, desto stärker wird die neuronale Vernetzung angeregt.
Das macht solche Tätigkeiten besonders wertvoll für ältere Menschen, deren Gehirn stark davon profitiert, wenn es regelmässig mit neuen, reichen Sinneserfahrungen versorgt wird.
Wie diese Tätigkeiten das Gehirn verändern
Kreative Tätigkeiten wie Stricken, Häkeln und Gartenarbeit helfen, die graue Substanz stabil zu halten, stärken die Vernetzung zwischen wichtigen Hirnregionen und regen die Bildung neuer neuronaler Verbindungen an (Neuroplastizität). Auch emotional stärken sie uns. Viele berichten, dass sie beim Stricken «abschalten» können oder beim Gärtnern die Zeit vergessen. Die gleichmässigen Bewegungen und der Fokus auf das Tun aktivieren das parasympathische Nervensystem (Beruhigungssystem), gleichzeitig werden Wohlfühlbotenstoffe wie Serotonin und Dopamin ausgeschüttet, während Stresshormone sinken. Besonders wertvoll ist zudem das Gefühl von Selbstwirksamkeit: Wir erschaffen etwas. Wir erleben Fortschritte. Wir sehen Resultate. Das stärkt die Stimmung, die Motivation und die psychischen Ressourcen.
So lässt sich der Effekt leicht verstärken
Beim Stricken oder Häkeln lohnt es sich, ab und zu ein kleines «Mustertraining» einzubauen: Merken Sie sich Reihenfolgen bewusst, zählen Sie Maschen im Kopf oder führen Sie zwei Reihen lang Ihr Muster ohne Blick auf die Vorlage weiter. Variieren Sie auch bewusst mit den Farben, etwa indem Sie im Garten bewusst Blumen mit verschiedenen Farben pflanzen.
Auch Achtsamkeit lässt sich wunderbar einbauen. Wenn Sie mit der Arbeit beginnen, halten Sie kurz inne, legen die Hände auf die Wolle oder in die Erde und atmen dreimal tief ein und aus. Kombinieren Sie die kreativen und geistigen Tätigkeiten, etwa indem Sie während des Strickens ein Gedicht oder Lied improvisieren oder auswendig singen, mit den Füssen einen Rhythmus klopfen oder während der Gartenarbeit summen. Und schliesslich: Bleiben Sie neugierig. Bauen Sie Neuerungen ein, z.B. eine neue Technik, ein neues Muster, eine andere Pflanze, ein ungewohntes Werkzeug. Dies regt die Neuroplastizität zusätzlich an. Das Gehirn liebt Abwechslung, und es liebt Herausforderungen, die Freude machen. Nutzen Sie Ihre Hände als ein kraftvolles Werkzeug für Ihr Gehirn!