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Die Samen des Liebesapfels

Tomatensamen lassen sich ganz einfach gewinnen mithilfe der etwas aufwändigeren Nassgärung oder der sofortigen Trocknung. Wie es geht und worauf Sie achten müssen, erfahren Sie hier.

Wie gern hätte ich vor 30 Jahren, nach meiner ersten Ernte selbstgesäter Cherrytomaten, just dieselbe Sorte im Jahr darauf gezogen. So fein aromatische habe ich nie wieder gegessen. Leider wusste ich als Gartengreenhorn damals noch nicht, wie einfach sich Saatgut aus Tomaten gewinnen lässt. Vorausgesetzt, es sind samenfeste Sorten, also solche, die dieselben Eigenschaften haben wie ihre Mutterpflanzen. Das ist bei Biosaatgut immer der Fall. Zur privaten Nachzucht benötigen Sie in der Regel drei Früchte. Bei kleineren Sorten wie Cherrytomaten sind es fünf bis sechs. Und so geht es:

Samen sofort trocknen

Im Gegensatz zur Nassgärung (siehe weiter unten), bei der die keimhemmende Schicht der Samen im Wasser abgelöst wird, bleibt sie bei der Soforttrocknung erhalten. Vorteil: Die Samen sind deswegen länger haltbar.
Das braucht es dazu: Tomaten, 1 Teelöffel, Haushaltpapier
So wird es gemacht: Tomaten waschen, halbieren. Samen mit einem Teelöffel aus dem Fruchtfleisch lösen und direkt auf das Haushaltpapier legen.

Samen durch Nassgärung gewinnen

Diese Methode ist etwas aufwändiger, dafür keimen die Samen im nächsten Frühjahr schneller.
Das braucht es dazu: Tomaten, 1 Sieb, 1 Konfiglas, 1 Teelöffel
So wird es gemacht: Frisch gepflückte Früchte waschen, vierteln. Fruchtfleisch mit Samen herauslöffeln. Konfiglas mit lauwarmem Wasser füllen, Fruchtfleisch mit den Samen hineingeben. Glas mit Frischhaltefolie an einem warmen Ort (20°C) ein bis drei Tage gären lassen. Täglich umrühren. Bereit zum Trocknen sind die Samen, wenn sie sich vom Fruchtfleisch lösen, das Wasser milchig wird, die Samen auf den Glasboden sinken und sich das Fruchtfleisch an der Wasseroberfläche sammelt. Dann kann die Masse in ein Sieb gekippt und mit Wasser abgespült werden.

Trocknen

Für beide Methoden gilt bezüglich Trocknung dasselbe: Es soll langsam und schonend geschehen.
Das braucht es dazu: Ein Holzbrett oder Haushaltpapier. Der Vorteil des Holzbrettes ist, dass es gut saugt und die Samen schneller trocknen. Ausserdem lässt sich das Saatgut leichter ablösen als beim Haushaltpapier. Bei letzterem können Reststücke vom Papier an den Samen kleben bleiben, die mit einem Messer entfernt werden müssen.
So wird es gemacht: Tomatensamen einzeln auf der gewählten Unterlage mit ca. 1 cm Abstand verteilen.
Brett/Haushaltpapier zwei bis drei Tage an einem warmen, luftigen Ort (25 °C bis 30 °C) platzieren. Wichtig: Werden verschiedene Samen getrocknet, nicht vergessen, sie mit Namen zu kennzeichnen. Pro Sorte ein Brett / ein Blatt Haushaltpapier verwenden.

Lagern

Ist das Saatgut trocken, keimen die Samen fünf, zuweilen auch bis acht Jahre nach der Ernte. Wichtig: Samen in einem Briefcouvert (Sorte anschreiben!) an einem dunklen, trockenen, kühlen Ort (2 °C bis 12 °C), beispielsweise im Keller, lagern. ❋

Beitrag vom 07.09.2020
Christine Kunovits

ist Leiterin Redaktion und Verlag von «Bioterra». Vermutlich auch, weil selbst gezogene Cherry-
tomaten vor bald 30 Jahren ihre Liebe zum Gärtnern erweckt haben.
© Basil Stücheli