Raus aus dem Alltag, um Neues zu erleben: Monica Müller versucht sich als Fussballtrainerin.
Von Fussball verstehe ich herzlich wenig. Aber zu Hause bin ich umgeben von Fans und erlebe hautnah mit, wie sie jeweils leiden oder jubeln. Mitfiebern, das kann ich.
Also sage ich zu, als mein 10-jähriger Sohn fragt, ob ich seine Jungs zu einem Hallenturnier begleiten würde. Fünf Spieler pro Team hätten gereicht, doch alle zehn Jungs aus der Klasse wollen mitkicken.
In aller Früh ziehen wir mit grossen Hoffnungen los. Der erste Match ist bereits um 8.18 Uhr. Schnell zeigt sich: Mein Team ist zwar engagiert, kickt aber nicht sonderlich präzise. Während die einen fünf sich durch das Spiel wursteln, möchten die anderen fünf sofort eingewechselt werden.
Ich bin so mit diesen rollenden Wechseln beschäftigt, dass mir die Zahl der Gegentore entgeht. Zum Schluss verstaucht sich unser Goalie bei einem wuchtigen Schuss einen Finger. Das Spiel ist aus, wir haben null Punkte und keinen Goalie mehr.
20 Minuten bleiben mir, um den weinenden Goalie zu verarzten, zu trösten und einen neuen Goalie mental vorzubereiten. Den zweiten Match starten wir mit weniger Selbstvertrauen. Das Ziel des Pokalgewinns ist stillschweigend einem bescheideneren gewichen: Wir möchten ein Goal schiessen. Nur eines. Bitte.
Nach dem zweiten Match verteile ich Nastücher, Riegel, Traubenzucker. Ein Blick auf die Tabelle lässt nichts Gutes ahnen für den nächsten Gegner: Er hat alle anderen bisher vom Platz gefegt. Ich flüstere unserem Starkicker zu: «Ein Goal, das schaffst du!»
Und so, wie sich manchmal mitten in einem Sturm die Wolken verschieben, sodass kurz ein Sonnenstrahl durchbricht, stehen für einen kleinen Moment alle ideal. Sie treffen den Ball günstig, der Starkicker bringt sich in Position – und schiesst ein Traumtor! Wir jubeln wie die Profis. Doch leider ist der Schuss einen Bruchteil einer Sekunde zu spät ins Tor gedonnert. Er zählt nicht. Ich raune dem Starkicker zu: «Fantastisches Tor! In meinem Herzen zählt es.»
Im Tram nach Hause isst niemand seinen Proviant und alle starren stumm aus dem Fenster. Ich denke: nie wieder. Doch dann stellt sich der Starkicker kurz neben mich und flüstert: «In meinem Herzen haben wir das Turnier gewonnen.» Vielleicht bin ich das nächste Mal doch wieder dabei.![]()
Fussball ist die beliebteste Sportart in der Schweiz. Es gibt über 1400 Fussballvereine und jedes Wochenende werden etwa 10 000 Fussballspiele ausgetragen.