Coole Durstlöscher

Kalt aufgegossene Eistees gelten als Trendgetränk der Stunde. Sie lassen sich ohne grossen Aufwand selbst herstellen und versüssen uns den Sommer – obwohl sie erstaunlich wenig Zucker enthalten.

Text: Roland Grüter

Der diesjährige Hitzesommer ist gerecht. Egal, ob wir ihn lieben oder hassen: Er bringt uns alle gleichermassen ins Schwitzen. «An besonders warmen Tagen verlieren wir täglich fast zweieinhalb Liter Wasser», sagt Ernährungs-Expertin Andrea Cramer. «Entsprechend wichtig ist es, ausreichend zu trinken.» Sie rät zu einer täglichen Trinkmenge von zwei bis drei Litern.

Womit aber soll man den Nonstop-Durst löschen? Mit Wasser, Kaffee, raffinierten Sommerdrinks? Erstaunlich viele greifen zu Eistees, wie sie im Handel zuhauf zu kaufen sind: Gemäss einer britischen Studie füllen wir unsere Gläser mit rund 28 Litern pro Person und Jahr. So viel wie in keinem anderen europäischen Land. Damit konsumieren wir gleichzeitig ein Übermass an Zucker. Denn manche Tees enthalten ähnlich grosse Mengen wie Coca-Cola und sind veritable Dickmacher.

Alternativen sind also dringlich. Die Suche danach führt direkten Weges zum Trendgetränk des Sommers, zu kalt aufgegossenen Tees, sogenannten Cold Brew Teas. Diese lassen sich ohne grossen Aufwand in Eigenregie herstellen, nahezu alle Sorten sind dafür geeignet. Teeblätter oder Teebeutel in kaltes Wasser geben, für zwei, drei Stunden in den Kühlschrank stellen und ziehen lassen. Danach den Aufguss nach Herzenslust mit Früchten oder Kräutern aromatisieren, erlaubt ist, was gefällt. Fertig.

© Migusto / Christine Benz

Cold Brew Ice Tea

Super erfrischend: kalt aufgesetzter Hibiskus-Hagebutte-Eistee mit Ingwer, Limette, Minze und einem Schuss Sirup. Ein Rezept von Andrea Pistorius/Migusto

Zutaten (für 1 Liter): 10 g frischer Ingwer ½ Limette 3 Beutel Hibiskus-Hagebutte-Tee 3 Zweige Pfefferminze 1 l Wasser Sirup zum Süssen, z. B. Holunderblütensirup Pfefferminzzweige und Eis zum Anrichten.

Zubereitung: Ingwer und Limette in dünne Scheiben schneiden und dem Wasser zufügen; zusammen mit den Teebeuteln und der Minze im Kühlschrank ca. 2 Stunden ziehen lassen. Fast fertig: Beutel entfernen, Tee nach Belieben mit Sirup süssen und mit Minze und Eis servieren.
Zeitaufwand: 2 Std. 5 Min.

Schwierigkeitsgrad: bubi-einfach

Die Vorzüge dieser Methode, die in Japan schon seit Jahrhunderten zum Einsatz kommt und als Mizu-dashi bezeichnet wird: Die Extrakte der Teeblätter gelangen langsamer ins Wasser, die Aromen entfalten sich intensiver. Bitterstoffe jedoch lösen sich im Kaltaufguss weniger stark, der Tee schmeckt insgesamt milder. Damit begeistern Cold Brew Teas rund um die Welt durstige Kehlen. Liebhaberinnen und Liebhaber rühmen sie als herrlich erfrischend und hocharomatisch. Kaffee lässt sich übrigens nach dem gleichen Verfahren herstellen. Auch hier werden grob zerkleinerte Bohnen gut 12 Stunden in kaltem Wasser belassen, diese werden vor dem Verzehr aber abgesiebt.

In Chroniken ist nachzulesen, dass niederländische Seefahrer bereits im 17. Jahrhundert auf ihren Reisen durch Asien Cold Brew Coffee in ihre Tassen tröpfeln liessen. Es war mehr als überfällig, dass der Eistee neu erfunden wurde. Denn genau genommen entstand dieser aus purer Not. Die süsse «Plörre» geht auf den britischen Plantagebesitzer Richard Blechynden zurück. Dieser wollte im Sommer 1904 an der Weltausstellung in St. Louis/USA den Amerikanern Schwarztee schmackhaft machen. Doch die Tage waren so heiss, dass keiner warme Getränke trinken mochte (obwohl diese an Hitzetagen durchaus sinnvoll sind). Deshalb goss Richard Blechynden seinen heissen Schwarztee kurzerhand über Eiswürfel – und lancierte damit die Erfolgsgeschichte des «Iced Teas».

Wer keinen Tee mag, kann kaltes Wasser in Minutenschnelle auch auf anderen Wegen aufpeppen. Einfach dem Nass frische Pfefferminze- oder Basilikumblätter zufügen, ziehen lassen und geniessen. «Auch Fruchtscheiben und Beeren sind taugliche Aromenspender», sagt Ernährungs-Expertin Andrea Cramer. Solche Aufgüsse schmecken nicht nur besser als lötiges Wasser – sie machen die Sonnenglut auch erträglicher. Damit wir in der Hitze garantiert nicht schlappmachen.

Mehr Eistee-Rezepte von «Migusto – dem Kochportal mit über 6000 Rezeptideen» – finden Sie hier. Und an dieser Stelle sind weitere Trinktipps von Ernährungs-Expertin Andrea Cramer nachzulesen. 

Beitrag vom 16.08.2022

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