Zum Beispiel Werner

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Jeden Morgen studiert Werner Ballmer (79) aus Weiningen ZH bei einem Kaffee das Fernsehprogramm und entscheidet, was er abends schauen wird.
Punkt 19.30 Uhr startet er jeweils mit der Tagesschau, gegen 23 Uhr schaltet er wieder aus. Dazwischen verfolgt er einen Fussballmatch, fiebert bei einem Krimi mit oder lässt sich von einer Talkshow unterhalten.
Nur samstags, da wird es etwas später. Da gönnt er sich jeweils die Sendung «Match of the Day» auf BBC. Sie fasst die wichtigsten Szenen des Premier-League-Spieltags attraktiv zusammen. Das dauere dann bis 1 Uhr morgens, aber am Sonntag könne er ja ausschlafen. An anderen Tagen möchte er das nicht «einreissen lassen».
«Heute sehe ich viel selektiver fern als direkt nach der Pensionierung», erzählt er. Damals habe der Fernseher einige Monate lang zu viel Platz eingenommen in seinem Leben. «Ich schaute sogar Fussballspiele, wenn mich keine der beiden Mannschaften interessierte», erzählt er lachend. Werner Ballmer hält sich immer ans Programm, schaut nichts zeitversetzt. Schon gar nicht Sportereignisse.
Wichtige Fussballspiele geniessen für ihn absolute Priorität. Als die Schweiz im November im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden antrat, war seine Familie zu Besuch, um seinen Geburtstag zu feiern. Rechtzeitig zum Anpfiff wandte er sich von Gästen und Kuchen ab – und schaltete den Fernseher ein. «Sie kennen mich ja und wussten, dass ich mir das Spiel anschauen würde.»
Der Sportfan erinnert sich genau an den Moment, als seine Familie zu Hause den ersten Fernseher einweihte. Werner war 13 Jahre alt und plötzlich liefen im Wohnzimmer abends die Tagesschau, ein Fussballspiel oder Spielfilm. «Dass ‹so öppis› in den eigenen vier Wänden möglich war, fühlte sich einfach unglaublich an», erzählt er. Er war so fasziniert vom Fernseher, dass er ihn manchmal auch tagsüber anschaltete – und einfach auf das flimmernde Testbild starrte.