Das TV-Gerät eroberte unsere Stuben im Sturm. Und nun findet es sich im Auge des Sturms wieder: sinkende Gebühren, Werbegelder, Nutzung.
Text: Monica Müller
So viele schauen SRF
Die Sender der SRG erreichen in der Deutschschweiz einen Marktanteil von 31 Prozent. In der Svizzera italiana liegt dieser Wert bei 29 und in der Suisse romande bei 28 Prozent.
Sinkende Gebühren
Bis Ende 2018 galt das alte Gebührensystem, man zahlte nur, wenn man ein Radio- oder TV-Gerät hatte – und zwar 465 Franken pro Jahr. Mit der Einführung einer Abgabe pro Haushalt sank die Gebühr auf 365 Franken pro Jahr. Seit 2021 liegt sie bei 335 Franken. Nun hat der Bundesrat beschlossen, sie per 2029 auf 300 Franken zu reduzieren.
Schweiz versus Deutschland
Deutschland ist punkto Fläche und Bevölkerung rund neun Mal grösser als die Schweiz. Entsprechend mehr Haushalte und Unternehmen zahlen Rundfunkbeiträge. ARD, ZDF und Deutschlandradio erhielten 2024 aus dem Rundfunkbeitrag 8,6 Milliarden Euro. In der Schweiz darf die SRG höchstens 1,25 Milliarden Franken pro Jahr aus der Serafe-Abgabe beziehen. In beiden Ländern kommen Werbeeinnahmen hinzu.
Werbung ade
Die Werbung verabschiedet sich aus dem Journalismus: Im Jahr 2000 erwirtschafteten die Bezahlzeitungen 1,9 Milliarden Einnahmen mit Werbung. 2024 waren es noch 263 Millionen – ein massiver Einbruch. Auch der Umsatz mit Fernsehwerbung sinkt, im Jahr 2016 lag er bei 791 Millionen, 2024 bei 600 Millionen Schweizer Franken. Werbung geht heute zu globalen Onlineplattformen und Suchmaschinen.
Die Eroberung der Wohnzimmer
Um 1960 besassen erst rund 50 000 bis 60 000 Haushalte in der Schweiz einen Fernseher. 1970 waren es schon 70 bis 80 Prozent der Haushalte, bald darauf war ein TV zu Hause Standard.
Blütezeit des TV-Konsums
2006 /2007 erreichte der TV-Konsum in der Schweiz seinen Zenit, als 75 Prozent der Bevölkerung täglich den Fernseher einschalteten. 2024 lag die Reichweite noch bei 62 Prozent. Diese Zahl ist seit 10 Jahren konstant. Weil in der Schweiz immer mehr Menschen leben, ist die absolute Zuschauerzahl mit 4,9 Millionen dennoch so hoch wie noch nie.
Fernsehzeit in Minuten
Im Schnitt sind es noch 110 Minuten, welche die Schweizer Bevölkerung täglich fernsieht, zur Hochzeit des TVs waren es 150 Minuten. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene schauen durchschnittlich 25 Minuten Fernsehen am Tag, bei den über 60-Jährigen sind es 200.
Im internationalen Vergleich
Nirgendwo in Europa wird so wenig Zeit fürs TV-Schauen aufgewendet wie in der Schweiz. In den Länderrankings belegt die Schweiz jeweils den letzten Platz. Auf dem Podest sind die Rumänen – mit fast sechs Stunden täglichem Fernsehschauen.
Linear versus zeitversetzt
70 Prozent der TV-Nutzung erfolgen heute linear (also live), 30 Prozent zeitversetzt. 2013 lag der Anteil der zeitversetzten Nutzung erst bei 6 Prozent.
Zukunftsmusik
Laut Mirko Marr, Chief Researcher bei Mediapulse, zeichnen sich zwei Trends ab:
- Fernseher ohne Fernsehen. Die Nutzung des Fernsehgeräts ist stabil. Nur schauen vor allem die Jüngeren dort weniger TV, vielmehr nutzen sie den Fernseher zum Streamen, Gamen oder für Apps.
- Fernsehen ohne Fernseher: Das Fernsehen erobert die kleinen Geräte, also die Smartphones, Tablets, Laptops.
Quellen: BAKOM, Jahresbericht auf rundfunkbeitrag.de, Mediapulse, Stiftung Werbestatistik Schweiz.