Unbeschwert singen und der eigenen Stimme wieder vertrauen: Das wünschen sich die Teilnehmerinnen im Stimm- und Atempflege-Kurs von Pro Senectute in Schaffhausen. In der wohlwollenden Atmosphäre einer kleinen Gruppe geht es um mehr als um schöne Töne. Denn wer sich um seine Stimme kümmert, tut auch dem Gemüt Gutes.
Text: Annegret Honegger
Plötzlich ist da dieses Zittern. Leichte Heiserkeit oder gar ein leises Krächzen. Wo ist sie hin, die Stimme, die beim Abwaschen, im Auto oder unter der Dusche früher so unbeschwert erklang? Beim Singen mit den Enkelkindern bricht sie. Im Chor hilft man mit Druck nach und hofft, dass Dirigentin und Publikum nichts merken.
Solche und ähnliche Erfahrungen führen die Teilnehmerinnen in Beni Pletschers Stimm- und Atempflege-Kurs. Der Musiker und Chorleiter hat erst mal gute Nachrichten: «Unsere Stimme kann in jedem Alter geschmeidig klingen. Doch man muss sie regelmässig pflegen.» Denn nicht nur Arm-, Bein- oder Rumpfmuskeln verkümmern, wenn wir sie nicht trainieren, sondern auch unsere Stimmmuskeln. Stimmpflege sollte deshalb so selbstverständlich sein, wie sich um Kleider, Wohnung, Haut oder Haare zu kümmern.
Ins Schwitzen gerät beim Training niemand, wie der Kursbesuch zeigt. Wohl aber in beste Stimmung, weil Stimmpflege sich auch aufs Gemüt auswirkt. Beim tiefen Atmen – durch die Nase ein, durch den Mund aus – sollen die Teilnehmerinnen zu Beginn all die Ansprüche und Anspannungen loslassen, die unseren Alltag prägen. An nichts mehr denken ausser an den Atem, der die Grundlage für den Klang unserer Stimme bildet.
Resonanzräume schaffen
Mit der Atmung bis in den Bauch hinunter öffnen sich Resonanzräume im Körper, welche die Töne zum Klingen bringen. «Wird die Stimme brüchig, liegt das oft daran, dass wir falsch Luft holen», erklärt Beni Pletscher. Kommt eine falsche Technik dazu, singt und klingt man freudlos und verkrampft. Die Teilnehmerinnen sollen sich «leicht, hell und weit» fühlen und mit diesen Wörtern in der Melodie des
«Alleluja» experimentieren.
Erst verhalten, dann immer mutiger erheben sie ihre Stimmen. Beni Pletscher gibt Tipps wie «Stellt euch vor, ihr singt aus den Augen und der Stirne heraus, dann bleibt die Stimme nicht in der Kehle stecken.» Oder: «Spielt mit den Vokalen, als ob ihr Kartoffeln im Mund hättet.» Und: «Braucht beim Singen eure Ohren. Horcht und hört euch zu – dann geht der Mund auf und damit auch das Herz.»
Mehr und mehr gelingt es den Teilnehmerinnen im Verlauf der Lektion, diese Hinweise umzusetzen. Sie kommen aus sich heraus und werden mit einem volleren Klang belohnt. Das Leichte, Helle und Weite wird von Übung zu Übung spürbarer. «Autogene Aimabilitation» nennt der Kursleiter die Methode, die er selbst entwickelt hat. Er meint damit: Nett sein zu sich selbst. In sich hineinhören und spüren, was einem guttut. Summend und singend die Altlasten los- und die Stimmbänder befreit schwingen lassen: «Hier gibt es keine falschen Töne, bloss Variationen.»
Im Alltag singen und klingen
Beni Pletscher regt seine Gruppe an, auch im Alltag zu singen und zu klingen. «Nur schon in der Küche gibt es mit Gläsern, Tassen, Kellen und Pfannen so vieles, dem wir Töne entlocken können.» Singen rege den ganzen Körper an und sei wie eine Massage für unsere Zellen. Der Geist komme zur Ruhe, Sorgen und Ängste verstummen, sogar Entzündungen nehmen ab. Selbst wer sich Töne und Melodien nur vorstelle, profitiere von dieser Wirkung.
«Meine Stimme wieder zu spüren, macht grosse Freude. Man unterschätzt, was man verliert, wenn man sie nicht pflegt», sagt eine Teilnehmerin nach dem Kurs. Anfangs brauche es Überwindung, sich auf die ungewohnten Übungen einzulassen, ohne ständig zu denken, man singe vielleicht falsch, meint eine andere: «Aber es tut mir einfach unglaublich gut.» Wie gut, das zeigt die Farbe, die nach der Stunde auf den Wangen der Teilnehmerinnen liegt. Das Lächeln auf ihren Gesichtern. Und das fröhliche Summen, das die Besucherin durch den Tag begleitet.![]()
© Annegret Honegger
Stimm- und Atempflege-Kurs bei Pro Senectute Schaffhausen
Möchten Sie gerne singen, doch die Stimme mag nicht mehr? Verschiedene Aktivierungsübungen machen im Kurs müde Singmuskeln wieder munter und die Stimme geschmeidig und verbessern die Atmung. Die Schwingungen üben eine heilsame Wirkung auf Körper und Seele aus und führen zur Ausschüttung von Glückshormonen.
Informationen zu den nächsten Kursen bei Pro Senectute Kanton Schaffhausen: Tel. 052 634 01 30, Mail: kurse@sh.prosenectute.ch, sh.prosenectute.ch
Angebote in Ihrer Nähe finden Sie bei Pro Senectute in Ihrer Region. Adressen via prosenectute.ch oder Infoline 058 591 15 15
Beni Pletscher baut eine Voice Care Community auf: Stimmpflege-Interessierte treffen sich einmal im Monat in einer Schaffhauser Kirche und lassen ihre Stimmen gemeinsam erklingen. Informationen per Mail: info@benipletscher.ch