Wer spannende Matches mag, ist beim Softvolleyball genau richtig. Die etwas sanftere Volleyball-Variante ist weit mehr als ein bisschen «Bällele». Ein Besuch im Training von Pro Senectute in Basel zeigt: Das Hirn läuft zur Hochform auf und neben dem Ball hüpft auch das Herz.
Text: Annegret Honegger
Handball, Völkerball, Volleyball: Mit dem Ende der Schulzeit ist es oft vorbei mit Ballspielen. «Schade!», findet die Frauenrunde am langen Holztisch im Basler Café Klostergärtli. Die glücklich geröteten Gesichter und der Glanz in den Augen stammen von einer Stunde intensivem Softvolleyball-Training in der Turnhalle gleich nebenan.
Softvolleyball – der Name verrät es – ist wie Volleyball, einfach etwas weniger hart. Der Ball ist leichter und weicher. Und er soll vor jedem Kontakt einmal am Boden abprallen. «Das nimmt etwas Tempo aus dem Spiel und reduziert das Risiko von Zusammenstössen», erklärt Trainingsleiterin Ursula Schmid, «aber der Spass und die Spannung sind genau gleich gross.»
Die Leidenschaft spielt mit
Schon in der Garderobe hört man: «Selbstverständlich wollen wir gewinnen! Wir sind Feuer und Flamme und schenken einander nichts.» Jeder Punkt ist hart umkämpft. Der pinke Ball saust hin und her. Mal haarscharf übers Netz und präzis dorthin, wo keine Gegnerin steht: Eins zu Null. Mal mit etwas zu viel Power übers gegnerische Feld hinaus oder an die Decke: Punkt fürs Team gegenüber.
Barbara! Rosmarie! Eva! Wer den Ball annimmt, ruft laut «ja» und dann den Namen der Mitspielerin, die man anspielt. Maximal drei Mal darf man einander zupassen, bis der Ball übers Netz muss. Gewinnt eine Mannschaft den Anschlag, wird rotiert, sodass alle abwechselnd an jeder Position spielen.
Ja! Neiiiin! Bravo! Viel Leidenschaft spielt mit. Und etwas Glück – mal links, mal rechts vom Netz. Gelingt ein schöner Spielzug, klatschen alle. Trainerin Ursula Schmid, die selbst mitspielt, motiviert beide Teams und mahnt: «Steht immer gut vorbereitet und weich in den Knien.»
Kaffee und Kuchen danach
Manchmal ist Fingerspitzengefühl gefragt, manchmal ein kräftiger Befreiungsschlag in letzter Sekunde. Gepfefferte Schüsse zeugen von jahrelanger Erfahrung. Doch dank des weichen Balls muss niemand verstauchte Finger oder blaue Flecken fürchten. Zudem wissen die Spielerinnen genau, wer gern zum Sprint ansetzt und wer es lieber gemächlich angeht.
«Ballspiele liebte ich schon als Kind», erzählt Lucienne. Beim «Nachspiel» bei Kaffee und Kuchen werden die Gegnerinnen rasch wieder zu Kolleginnen. Manche in der Gruppe spielten jahrzehntelang im Volleyballclub, andere hatten mit Bällen lange nichts mehr zu tun. Die Spiellust hier weiter oder wieder auszuleben, geniessen alle. «Gymnastik ist nichts für mich. Ich brauche einen Ball, dann bin ich glücklich», sagt jemand und alle nicken.
Es ist nicht nur der Sport …
Ein willkommener Bonus: Neben dem Herz profitiert auch das Hirn. «Teamsport bedeutet, rasch auf neue Situationen zu reagieren, strategisch zu denken und komplexe Bewegungsmuster zu beherrschen», erklärt Sportlehrerin Ursula Schmid. Teilnehmerin Andrea bestätigt: «Nach sechs Wochen Pause im Sommer spüre ich jeweils, wie mir das Training nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf fehlt.»
Dass viele Spielerinnen schon Jahre dabei sind, liegt auch am guten Geist in der Gruppe. «Wir können es gut miteinander, nicht nur auf dem Spielfeld», sagt Daniela. Auch gelacht werde viel, etwa wenn die Beine nicht mehr so schnell seien, wie der Kopf meine. «Da wir nicht mehr die Jüngsten sind, entstehen manchmal skurrile Situationen», erzählt Doris. Mit 88 die Älteste in der Gruppe, findet sie: «Softvolleyball kann man bis 90 spielen – mindestens!»
Man spürt: Bei diesen Frauen geht es nicht nur um die Fitness oder ums Gewinnen. Sondern auch um den Zusammenhalt und darum, füreinander da zu sein. Und vielleicht auch darum, sich wieder etwas wie das unbeschwerte Mädchen von damals im Turnen zu fühlen. Zumindest für eine gute Stunde.![]()
© Annegret Honegger
«Softvolleyball und Fitness für Frauen» bei Pro Senectute beider Basel
Softvolleyball ist die sanfte Variante von Volleyball mit einem weicheren Ball und angepassten Regeln. In Kombination mit einem leichten Fitnesstraining bleibt man beweglich und reaktionsschnell. Teamsport hält zudem geistig flexibel, davon profitiert auch der Alltag.
Für den beliebten Softvolleyballkurs besteht derzeit eine Warteliste, ein weiterer Kurs ist in Planung. Zudem startet das neue Angebot «Ballspiele und Fitness für Frauen» ab 4. März (4 Mal) und ab 15. April (11 Mal), Mittwoch 10 bis 11 Uhr. Weiterhin: «Ballsport und Fitness für Männer» am Donnerstag von 15 bis 16 Uhr. Alle Kurse in der Waisenhausturnhalle in Basel.
Informationen: Pro Senectute beider Basel, Tel. 061 206 44 66, Mail info@akzentforum.ch, bb.prosenectute.ch
Angebote in Ihrer Nähe finden Sie bei Pro Senectute in Ihrer Region. Adressen via prosenectute.ch oder Infoline 058 591 15 15