Der Mustermigrant

Als Asylbewerber gründete er eine Hilfsorganisation, die Tausende ­Armutsbetroffene mit Gratis-Lebensmitteln versorgt. Nun hat Amine Diare Conde noch grössere Pläne: Er möchte der erste schwarze Bundesrat werden.

Text: Claudia Senn

Die von Amine Diare Conde gegründete NGO «Essen für alle» versorgt rund 2000 armutsbetroffene Familien und Einzelpersonen mit Nahrungsmitteln. © Ayşe Yavaş

Wäre der 29-jährige Amine Diare Conde in der Schweiz geboren, hätte er jetzt wohl sein Jura-Studium abgeschlossen und das Anwaltspatent im Sack. Er würde die Nächte in Clubs durchfeiern, mit seiner Freundin nach Thailand fliegen und sich erste Gedanken über eine Familiengründung machen.

Doch Amine ist nicht in der Schweiz geboren, sondern in Guinea. Als schmächtiger 16-Jähriger, fast noch ein Kind, ging er allein auf eine monatelange, traumatische Reise durch die Sahara und übers Mittelmeer. Der Horror ist ihm anzusehen, wenn er davon erzählt. «Viele, die ich kannte, sind dabei gestorben.» Was ihn nach Europa trieb, war eine tiefe Sehnsucht nach Bildung. Bis er hierzulande eine Schule von innen sehen durfte, sollte es allerdings Jahre ­dauern. Obwohl er sieben Tage pro Woche arbeitet, reicht sein Lohn nur knapp zum Überleben. Eine Freundin zu haben, wäre schön, «doch Frauen brauchen Zeit». Auch ein Trip nach Thailand liegt bei seinem Budget nicht drin. Trotzdem könnten seine Ziele nicht ambitionierter sein: Amine Diare Conde will der erste schwarze Bundesrat werden.

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