Einst wurden dem Spinat Superkräfte attestiert. Zu unrecht, wie sich später herausstellte, aber zu spät, um einen Comic-Matrosen noch daran zu hindern, dem Blattgemüse zu weltweitem Ruhm zu verhelfen.
Text: Anita Lehmeier
Dass Spinat rekordverdächtige Mengen an Eisen enthalte, gehört zu den Ernährungsmythen, die nicht totzukriegen sind. Noch 2015 glaubten gemäss einer Umfrage des «Forums Ernährung heute» zwei Drittel von über 500 befragten Personen die Mär vom vielen Eisen im Spinat.
Spinat enthält zwar durchaus Eisen, aber nicht nennenswert mehr als manches andere Grünzeug. Viel mehr von dem lebenswichtigen Mineralstoff ist in Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen enthalten, so etwa in Sojabohnen, Linsen und Sesam. Richtig geballt kommt Eisen in Schweine- und Kalbsleber vor.
Der Irrglaube vom vielen Eisen im Spinat kam 1890 in die Welt: Der Basler Wissenschaftler Gustav von Bunge bezifferte den Eisengehalt von 100 Gramm getrocknetem Spinat korrekt mit 35 Milligramm. Das Ergebnis wurde dann auf frischen Spinat übertragen, obwohl dieser wegen des hohen Wassergehalts nur rund ein Zehntel an Eisen je 100 Gramm enthält. Auch eine andere Version kursiert: Jemand habe sich beim Schreiben einer Nährwert-Tabelle um eine Kommastelle vertan.
So oder so, der Fehler war in der Welt – und blieb da. In den 1930er-Jahren wurde der Mythos noch befeuert von einer populären Comicfigur: Popeye aus der Feder des Zeichners Elzie Segar. In Hunderten von US-Zeitungen und den Wochenschauen in Kinos bezog der bärenstarke Seemann mit dem losen Mundwerk und den dicken Unterarmen seine Kräfte aus Dosenspinat. Generationen von Heranwachsenden wurden in der Folge mit dem vermeintlichen Wundermittel gequält. Gequält deshalb, weil kindliche Gaumen den metallisch-bitteren Geschmack und das pelzige Gefühl auf der Zunge stärker empfinden als Erwachsene. Der Konsum von Spinat soll im Amerika der 1930er-Jahre gut 30 Prozent angestiegen sein – was als Popeye-Effekt in die Geschichte einging.
Warum etwas Rahm dem Spinat guttut
Das Problem mit dem Spinat und dem Eisen hat aber noch eine weitere Dimension: Nicht nur enthält Spinat nicht besonders viel Eisen, sondern auch beträchtliche Mengen an Oxalsäure. Und diese hemmt ausgerechnet die Eisenaufnahme im menschlichen Körper. Immerhin lässt sich das Dilemma leicht umgehen: Indem man den Spinat kurz blanchiert, verbleibt ein Teil der Oxalsäure im Wasser. Man kann auch etwas Rahm beigeben, der die Säure bindet. Oder man kombiniert das Gemüse mit Vitamin C, das die Eisenaufnahme verbessert; etwa mit einem Glas Zitronen- oder Orangensaft.
Immerhin: Die grosse Aufmerksamkeit, die dem Thema Eisen in der Ernährung zukommt, ist begründet. Eisenmangel ist ein verbreitetes Phänomen, er stört die Sauerstoffversorgung und äussert sich in Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Blässe und Konzentrationsmangel. ![]()
Stimmen diese Spinatmythen?
- Frischer Spinat ist besser als gefrorener.
Falsch! Denn Spinat wird sofort nach der Ernte tiefgefroren – Nährwerte und Mineralstoffe bleiben dadurch optimal erhalten.
- Aufgewärmter Spinat ist giftig. Falsch! Gekochter Spinat sollte aber nicht zu lange ungekühlt herumstehen und nicht auf über 70 Grad wiedererwärmt werden.
- Spinat enthält das Hormon Ecdysteron, das die Muskeln wachsen lässt!
Richtig, aber … Man müsste täglich kiloweise Spinat futtern, um eine messbare Wirkung zu erzeugen. Die rund 1,5 Kilo Spinat pro Kopf und Jahr, die wir Schweizer verzehren, reichen jedenfalls bei Weitem nicht aus.
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Spinat-Risoni-Salat
Für 2 Personer
Zubereiten: ca. 25 Minuten
Zutaten
Dressing
- 1 TL Senf, grobkörnig
- 1 TL Honig
- 1½ EL Weissweinessig
- ½ Knoblauchzehe, gepresst
- 25 g Jungspinat
- 1 TL getrocknete Steinpilze, im Cutter gemahlen
- 2–3 EL Olivenöl
- wenig Salz, Pfeffe
Salat
- 100 g Risoni
- 75 g Jungspinat
- ½ Bundzwiebel, in Ringen
- ca. 3 Radieschen, in Schnitzen
- ¼ Salatgurke, längs geviertelt, in Scheiben
- 20 g Rauchmandeln, gehackt
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Spinat-Gruyère-Quiche
Für 4-6 Personen
Zubereiten: ca. 35 Minuten
Kühl stellen: ca. 1 Stunde
Backen: ca. 40 Minuten
Zutaten
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Poulet-Spinat-Topf
Für 1 Person
Zubereiten: ca. 30 Minuten
Zutaten
Tipp
Statt Pouletoberschenkel-Steaks können Pouletoberschenkel verwendet werden. Anstelle von frischem Spinat aufgetauten Tiefkühlspinat verwenden.
Dazu passen Langkornreis oder Teigwaren.
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