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Rüebli – nicht nur für das Büebli

Rüebli sind das Lieblingsgemüse der Schweiz. Was bekommt das Baby, kaum ist es von der Mutterbrust entwöhnt? Ein Rüeblipüree. Eben!

Text: Gaby Labhart

Es muss frühkindliche Prägung sein, diese lebenslange Liebe zum Rüebli. Und das nicht nur vom Büebli. 2018 verspeisten Frau und Mann und Kind und Baby Schweizer durchschnittlich 8,45 Kilogramm. Damit wurde der Vorjahreswert von 7,91 Kilogramm deutlich übertroffen. Dies zeigen die Zahlen aus dem Statistischen Jahresbericht Gemüse 2018 der Schweizerischen Zentralstelle für Gemüsebau und Spezialkulturen (SZG). (Die Zahlen für 2019 werden im nächsten Frühling veröffentlicht.)

Es ist fast ausschliesslich einheimisch Gewachsenes, das wir verzehren. Selbst wenn das gute alte Rüebli ursprünglich nicht aus Europa stammt. Wildformen gedeihen in Asien und Südeuropa, die ersten Kulturformen gab es wahrscheinlich im heutigen Afghanistan.

In der Haute Cuisine spielen Karotten kaum eine Rolle. Dabei sind sie einfach grandios in jeder Form: roh und gekocht, kalt und warm, geschält und ungeschält. Als Suppe und als Kuchen. Und strapazierfähig ist das Rüebli auch noch. Es übersteht zehn Stunden in einem Rucksack ohne Schaden. Probieren Sie das einmal mit einer Tomate. Tomaten waren übrigens auch einmal das Lieblingsgemüse der Schweizerinnen, wurden dann aber von den Karotten in den Schatten gestellt. (Würde man allerdings die Cherrytomätchen dazurechnen, dann wären die Tomaten insgesamt auf Platz eins.)

Was uns lieb ist, muss nicht teuer sein

Rüebli indes sind einfach richtig eidgenössisch. Kein Stars, dafür zuverlässig bis auf die Wurzel. Zahlbar und beständig. Keine Skandale. Die helvetische Leidenschaft köchelt auf Sparflamme und das Rüebli köchelt mit. Beileibe nicht alles, was uns lieb ist, muss auch teuer sein.

Und dann natürlich die Gesundheit. Dass der Verzehr von Karotten der Sehkraft zuträglich ist, wussten schon die Völker der Antike, die im Übrigen keine begeisterten Rüebliesserinnen waren. Das Ding galt mehr als Heilwurzel denn als kulinarische Freude. Was auch kaum verwundert, denn das damalige Rüebli war eine dunkelviolette, fast schwarzhäutige Wurzel, hart und holzig.

Geblieben ist der Volksglaube bis heute: Rüebli sind gut für die Augen und für den rosigen Teint. Das Zauberwort heisst Betakarotin, die Vorstufe von Vitamin A. Betakarotin sorgt auch für die typische Farbe – wie in anderem orange-rotem Obst und Gemüse, beispielsweise Mango, Aprikosen, Tomaten oder Peperoni und sogar im (zugegebenermassen kaum orangefarbenen) Spinat.

Dass Rüebli Betakarotin und nicht bereits Vitamin A enthalten, ist ein Vorteil: So wird Überdosieren vermieden. Der Körper kann genau so viel Betakarotin zu Vitamin A umwandeln, wie er gerade benötigt. Für diese Umwandlung braucht er Fett. Deshalb ist der Schluck Rahm im Rüeblisalat, der Schuss Olivenöl im frisch gepressten Saft oder das Stück Butter im gedünsteten Gemüse sowohl geschmacklich als auch ernährungsphysiologisch ein Muss.

Es gibt eine Begleitung, die passt zum Rüebli, als hätte sie der liebe Gott persönlich zusammen erschaffen: Erbsli. Erbsli und Rüebli sind so ein Traumpaar wie Butter und Confi, Spinat und Eier, Speck und Bohnen.

Allerdings bekommt das Erbsli vermehrt scharfe Konkurrenz von einer Wurzel aus dem asiatischen Raum: Die frische federleichte Schärfe von Ingwer zusammen mit der süssliche Erdenschwere der Karotte … das ist wahre Liebe, die alle Grenzen überwindet. ❋

© Migusto/ Claudia Linsi

Rezept für Karotten-Ingwer-Suppe

Die frische Süsse der Karotten kombiniert mit der pikanten Schärfe des Ingwers machen diese Suppe zu einem herzerwärmenden Hauptgericht in den kalten Monaten.

Zutaten für 2 Personen
½ Zwiebel, 400 g Karotten, 10 g Ingwer, 1 EL Raps- oder Sesamöl, 4 dl Gemüsebouillon, 0,5 dl Orangensaft, Salz, Pfeffer

1 EL Sesamsamen, ½ Zweig Koriander, 2 EL saurer Halbrahm

Ingwerchips
90 g Ingwer, ½ TL Maisstärke, 2 dl Holl-Rapsöl

Zubereitung
Zwiebel hacken, Karotten in Scheiben schneiden. Ingwer schälen und grob hacken. Alles im Öl andünsten. Mit Bouillon ablöschen. Zugedeckt ca. 30 Minuten weich köcheln. Orangensaft dazugiessen. Suppe mit einem Stabmixer pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Sesamsamen ohne Fett in einer beschichteten Bratpfanne
rösten, bis sie leicht Farbe annehmen. Herausnehmen und beiseite stellen. Korianderblättchen abzupfen.

Für die Ingwerchips Ingwer schälen und in feinste Scheiben hobeln. Mit Maisstärke mischen. Öl in einer kleinen Pfanne erhitzen. Ingwer portionenweise goldbraun frittieren. Herausnehmen und auf Haushaltspapier abtropfen lassen. Suppe mit Sauerrahm, Sesam, Koriander und Ingwerchips servieren.

Zubereitungszeit: Zubereitung ca. 30 Min. + ca. 30 Min. weich kochen

Nährwerte pro Person ca. 15 g Fett, 5 g Eiweiss, 28 g Kohlenhydrate, 290 kcal, 1200 kJ

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