Sterben heute: Was man wissen sollte
Wo wollen wir sterben – und wie? Ein Vortragszyklus in Zürich beleuchtet den Wandel des Sterbens: von zu Hause ins Spital oder Heim, von religiösen Ritualen zu individueller Gestaltung.
In den 1950er Jahren starben in der Schweiz noch die meisten Menschen zu Hause. Heute sind es hier und in anderen westlichen Länden nur noch knapp ein Fünftel. Aktuelle Daten zeigen: Rund 44% der Schweizerinnen und Schweizer sterben in einem Alters- oder Pflegeheim, 37% im Spital und nur noch 19% zu Hause oder an anderen Orten.
Das bedeutet: Der typische Sterbeort hat sich vom privaten Wohnzimmer in medizinisch oder pflegerisch betreute Einrichtungen verschoben. Gründe dafür gibt es viele. Etwa der medizinische Fortschritt, der mit besseren Behandlungsmöglichkeiten dazu führt, dass auch schwer kranke und sterbende Menschen für die letzte Lebensphase ins Spital verlegt werden. Die verlängerte Lebenserwartung bringt es mit sich, dass Menschen heute im hohen Alter nach längeren Krankheits- und Pflegephasen sterben, was den Bedarf an professioneller Betreuung erhöht. Veränderte Familienstrukturen mit mehr Alleinlebenden und beruflich eingespannte Angehörige machen die Pflege zu Hause schwieriger. Und eine Institutionalisierung des Sterbens nimmt das Sterben zunehmend als medizinisches Ereignis wahr, das in Kliniken, Heimen oder Hospizen stattfindet und kaum mehr Teil des Familienalltags ist.
Auch der kulturelle Umgang mit dem Tod hat sich verändert. So gibt es weniger vorgegebene religiöse und gesellschaftliche Rituale rund um Sterben, Tod und Bestattung. Heute gestalten Menschen ihr Lebensende individueller. Es gibt einerseits mehr öffentliche Debatten über würdevolles Sterben, Sterbehilfe und Palliativmedizin, andererseits wird der Tod im Alltag aber auch oft verdrängt.
Weil das Sterben heute oft länger dauert und stärker von Spitälern oder Heimen geprägt ist, lohnt es sich, früh über Wünsche nach Sterbeort, Behandlung oder Begleitung nachzudenken und zu sprechen und diese etwa in einer Patientenverfügung festzuhalten. Der Vortragszyklus «Sterben heute: Was man wissen sollte» in Zürich liefert an fünf Abenden im September 2026 Informationen zu ganz unterschiedlichen Aspekten. Es geht um
- selbstbestimmtes Sterben als neues Paradigma,
- freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit am Lebensende (Sterbefasten),
- assistierten Suizid
- Sterben in palliativer Begleitung sowie
- um einen anderen, gesünderen Umgang mit dem Sterben.
Infos zur Vortragsreihe
- Sterben heute: Was man wissen sollte. Die Vorträge namhafter Referent:innen werden von der Beratungsstelle «Endegut» organisiert und moderiert.
- Daten: jeweils am Mittwochabend 2., 9., 16., 24. und 30. September 2026
- Ort: Alterszentrum Hottingen, Freiestrasse 71, 8032 Zürich (Tram Nr. 3 bis Hottingerplatz).
- Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei (Kollekte am Ausgang).
- «Sterben heisst: ich gebe alles aus der Hand». Der letzte Weg kann beschwerlich sein. Er bietet aber auch Chancen. Monika Renz begleitet als Musik- und Psychotherapeutin Menschen im Sterben. Gelebte Erfahrungen, Dankbarkeit und Vergebenkönnen erleichtern das Loslassen.
- Es ist gut, über das Sterben zu reden. Der Tod war für die Menschen vor nicht allzu langer Zeit noch eine Schicksalsfügung.Der medizinische Fortschritt macht das Sterben heute zunehmend zu einem bewussten Entscheid. Ein Entscheid, den man mit einer gesundheitlichen Vorausplanung mitgestalten kann.
- Die Erkenntnisse der aktuellen Trauerforschung machen Mut: Die meisten Menschen kommen mit dem Tod eines nahen Angehörigen wesentlich besser klar, als sie denken. So ist es auch Zeitlupe-Redaktorin Claudia Senn ergangen.