Raus aus dem Alltag, um Neues zu erleben: Monica Müller versucht sich an Sauerteig.
Ich liebe Brot. Und ich bin ein kleiner Brotsnob. Lieber kein Brot als ein trauriges Brot. Seit Jahren backe ich einen Sonntagszopf und immer wieder ein «No knead bread», also ein Brot, das man nicht kneten muss, weil es alles selber macht. Der schnelle Weg zum knusprigen Brot entspricht mir.
Doch dann schenkt mir mein Mann ein Backen-mit-Sauerteig-Kurs bei Claudio Del Principe. Ein Meister seines Fachs. So stehen wir also im Kreis um Claudio, staunen und filmen, wie er die bereits vorbereiteten Teiglinge liebevoll knetet, massiert, faltet, dehnt, schwingt und formt. Auch wenn wir zwischendurch etwas an unseren Teiglingen rumdrücken, besteht unser aktivster Part im Kurs darin, zum Abschluss Olivenbrot, Ciabatta, Foccacia und Pizza ofenwarm zu degustieren. Andächtig packen wir unseren Ableger der Mutterhefe Bianca ein – und haben alle Grosses damit vor.
Meine kleine Bianca kommt gleich mit ins Alpamare mit einem Teigling, den es zu vollenden gilt. Nur so kann ich sicherstellen, dass er alle zwei Stunden massiert wird. Ob das Klima im Alpamare schuld ist oder ich, bleibt unklar. Mein erstes Sauerteigbrot jedenfalls ist ein Flop. Ein kompakter Knebel. Dank Bianca ist aber alles noch möglich. Solange ich sie jede Woche mit Mehl und Wasser versorge, bleibt sie am Leben. Ich beschaffe mir im Spezialitätenladen bestes Mehl, füttere Bianca jeweils sonntags. Sie gedeiht und füllt schon bald zwei grosse Gläser im Kühlschrank.
Immer wieder lese ich das Rezept durch. Aber ich schrecke zurück vor den verwirrenden Arbeitsschritten, die sich lesen wie eine Mathematik-Aufgabe für die Gymiprüfung: «Etwa zwei Stunden, bevor Bianca ihr Volumen zum zweiten Mal verdoppelt hat …»
Bianca fühlt sich an wie ein Haustier, das mich überfordert. Ich halte sie am Leben, biete ihr aber kein artgerechtes Dasein. Und sie nimmt immer mehr Platz ein. Im Kühlschrank und in meinem Kopf. Ich höre auf, mein schnelles Brot zu backen, weil ich denke, ich sollte endlich diesen Sauerteig bodigen.
Und dann, eines sonntags, schreite ich zur Tat. Ich packe Bianca – und entledige mich ihrer. Das schlechte Gewissen ist da, ja. Aber die Erleichterung ist grösser. Am selben Tag backe ich wieder mein Brot. Sorry, Bianca!
Rezept für ein schnelles «No knead bread»
- 450 g Mehl,
- 2 TL Trockenhefe
- 2 TL Salz
- 375 ml warmes Wasser
Alles mischen. Zwei bis drei Stunden aufgehen lassen. In einem ofenfesten Topf bei 230 Grad 30 Minuten mit Deckel und dann 12 Minuten ohne Deckel backen.