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Entsorgen oder verschenken?

Nach dem Tod eines Angehörigen beginnt die Räumungszeit: Wohin mit den vielen angesammelten Dingen?
Kulturwissenschaftlerin und Buchautorin Vivianne Berg gibt Anregungen für die nötige Triage.

Vor kurzem ist meine Tante gestorben. Bis zuletzt wohnte sie in ihrem alten Bauernhaus. Da meine Tante keine Kinder hat, stehen meine Cousinen und ich vor der Aufgabe, das Haus zu räumen. Doch wo beginnen? Wie entrümpelt man eine alte Wohnung? Wohin kann man sich wenden? Wer hilft? Kostbarkeiten sind keine zu erwarten, höchstens ein paar Erinnerungsstücke.»

Was heisst Entrümpeln? Will man die Dinge schlicht loswerden, allenfalls direkt entsorgen? Erfahrungsgemäss besteht die Herausforderung bei einer Haushaltsauflösung in der Triage: Sehr viele und sehr verschiedenartige Dinge müssen innert nützlicher Frist sortiert werden. Die Fragen lauten: Was ist in Ihren Augen blosses Gerümpel und muss folglich entsorgt werden? Was kann oder will man noch selber brauchen oder aber jemandem weitergeben?

Klarheit hilft und erleichtert. Darum empfiehlt es sich, all die Dinge zusammenzustellen, über die nicht lange nachgedacht werden muss. Alles, was zweifellos wert- und nutzlos ist, was defekt oder nicht mehr zu reparieren, zerbrochen oder verklebt ist, gehört in den Müll respektive ins Recycling oder in den Sonderabfall. In der Regel kommt einiges zusammen, weshalb in jedem Raum entsprechende Behälter prominent platziert werden sollten.

Manche Räume, Schränke und Schubladen, die Sie zu den eher privaten Bereichen der Tante zählen, stellen eine heikle Situation dar. Denn solange sie lebte, hätten Sie wohl nie gewagt, einen Blick hineinzuwerfen. Nun aber tragen Sie die Verantwortung als Räumende und müssen in die hintersten Ecken und in Intimbereiche eindringen. Noch dazu befinden sich gerade an solchen Orten besonders viele Objekte, die zwar an den Alltag der Verstorbenen erinnern, aber wahrscheinlich entsorgt gehören: beispielsweise Cremes, Medikamente – diese gehören als Sonderabfall entsorgt – oder nicht mehr neue Unterwäsche.

Bei der Räumung eines Hauses ist gute Organisation empfehlenswert. Wenn Sie angebotene Unterstützung aus dem Freundeskreis annehmen wollen, verteilen Sie die Aufgaben sinnvollerweise auf die Helfenden. Vielleicht ist gar eine dieser Freundinnen oder Cousinen selber eine gute Organisatorin, sodass Sie ihr die Aufgabenverteilung anvertrauen. Lassen Sie sich aber nicht von anderen, deren Ratschläge Sie als übergriffig empfinden, überrumpeln. Wer grundsätzlich keine Kleider von Verstorbenen tragen will, gibt sie weiter (Kleidersammlung). Wenn Dinge immer nur gehortet wurden, mag sich darunter durchaus eine kleine Sammlung alter Spielzeugautos oder Fingerhüte finden, und dafür könnte sich tatsächlich ein Händler (Brockenhaus oder Flohmarkt) interessieren.

Teil der Organisation ist zudem, zu wissen, ob und wofür Geld eingenommen werden soll. Schauen Sie den Hausrat ohnehin erst selber durch. Notieren Sie, was unter welchen Bedingungen abgegeben werden soll.

Räumungsunternehmen rechnen damit, entsorgen zu müssen. Profis, wie eine Trödelhändlerin, überlegen sich den finanziellen Wert, der sich noch abschöpfen lässt. Es lohnt sich in jedem Fall, die Informationen über die Konditionen auf den Internetseiten von Brockenhäusern, Hilfsorganisationen, Second-Hand-Läden oder Trödelhändlern in Ihrer Nähe zu konsultieren.

❋Weitere Informationen: Die Adresse Ihrer Pro-Senectute-Beratungsstelle finden Sie vorne in der Zeitlupe oder hier.

Beitrag vom 14.06.2021
Vivianne Berg

ist Kulturwissenschaftlerin und freie Journalistin.
Buchtipp: Vivianne Berg, «Das Hinterbliebene. Der Nachlass – Anregungen zur Triage». Verlag Zocher & Peter, Zürich 2020, 90 S., Taschenbuch ca. CHF 31.90

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