Neu auftretende Erektionsstörungen sollten ernst genommen werden. Sie können auf Gefässablagerungen hinweisen oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten.
Eliane Sarasin ist Sexualmedizinerin und Gynäkologin im «Swiss Breast Care»-Zentrum der Zürcher Klinik Bethanien. Sie beantwortet Ihre Fragen zu Liebe, Partnerschaft und Sexualität.
«Seit einigen Monaten muss ich Medikamente gegen hohen Blutdruck nehmen. Kürzlich ist wegen meiner vergrösserten Prostata auch noch Tamsulosin dazugekommen. Nun ist mir aufgefallen, dass ich plötzlich Erektionsstörungen habe. Auch der Orgasmus fühlt sich anders an als früher. Kann es sein, dass die Medikamente dafür verantwortlich sind, oder liegt es eher an meinem Alter?» Urs, 69
Vermutlich ist es eine Kombination aus beidem. In Ihrem Alter fordern langjährige Lebensstil-Sünden wie Rauchen, Alkoholkonsum und mangelnde Bewegung ihren Tribut. Auch der hohe Blutdruck ist schädlich für die Erektionsfähigkeit, da er durch arteriosklerotische Ablagerungen in den Gefässen die Durchblutung des Penis reduziert. Die Penisgefässe sind viel feiner als die Herzkranzgefässe. Hier merkt man zuerst, wenn sich Ablagerungen bilden. Neu auftretende Erektionsstörungen könnten deshalb ein Warnzeichen für einen drohenden Herzinfarkt sein. Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Kardiologen oder Hausarzt darüber! Sie tun sich keinen Gefallen, wenn Sie dies aus Scham verschweigen.
Blutdruck und Erektion
Zusätzlich können die von Ihnen erwähnten Medikamente die Sexualität tatsächlich störend beeinflussen. Blutdruckmittel tragen zu Erektionsstörungen bei. Wie sehr, hängt von der Substanzklasse ab, und davon, ob Ihnen nur ein Medikament verschrieben wurde oder eine Kombination verschiedener Mittel. Möglicherweise könnte Ihr Arzt Sie auf ein anderes Medikament umstellen, das weniger Nebenwirkungen hat. Sprechen Sie mit ihm darüber.
Tamsulosin gehört zu den sogenannten Alphablockern, die bei einer vergrösserten Prostata eingesetzt werden, um den Harnfluss zu verbessern. Dieses Medikament senkt den Blutdruck ebenfalls und bringt deshalb dieselben Probleme mit sich wie die Blutdruckmittel: Es verringert den Blutfluss zum Penis und verstärkt so die Erektionsstörung. Tamsulosin hat aber noch eine zweite Nebenwirkung: die sogenannte «retrograde Ejakulation». Darunter versteht man das Ausbleiben des Samenergusses beim Höhepunkt (trockener Orgasmus). Tamsulosin und andere Vertreter dieser Substanzklasse (z. B. Urorec) erleichtern das Wasserlösen, indem sie die glatte Muskulatur entspannen. Beim Samenerguss fliesst das Sperma dann manchmal in die Blase statt durch die Harnröhre aus dem Körper. Der erste Urin danach kann dann etwas trüb sein, weil Spermien beigemengt sind. Vielleicht haben Sie diesen Effekt auch an sich selbst schon bemerkt?
Viele Medis sind Sexkiller
Zahlreiche Arzneimittel können sexuelle Funktionsstörungen verursachen. Neben Blutdruck- und Prostatamitteln sind das etwa Antidepressiva, Parkinsonmedikamente oder antihormonelle Therapien für Krebspatientinnen und -patienten. Schade, dass viele Ärzte ihre Patientinnen und Patienten nicht über mögliche Auswirkungen auf die Sexualität aufklären. Einige finden das vielleicht nicht so wichtig, anderen ist es wohl unangenehm. Umso besser, wenn Sie selbst das Gespräch mit Ihrem Arzt suchen. Unterstützend könnte er ihnen vielleicht ein potenzsteigerndes Medikament wie Viagra, Cialis oder Levitra verordnen. Allerdings senken diese Mittel ebenfalls den Blutdruck. In Kombination mit ihren anderen Medikamenten könnte das gefährlich sein. Tun Sie deshalb nichts ohne ärztliche Rücksprache!![]()
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