Der Hilfsmittelshop von Pro Senectute beider Basel hat in Liestal neue Räumlichkeiten bezogen. Im barrierefreien Geschäft gibt es umfassende Beratung und Unterstützung, um auch bei körperlichen Einschränkungen selbständig zu leben. Ein Besuch bei Tiger, Goliath und Moving Star.
Text: Annegret Honegger
«Fast wie beim Autokauf», meint die Tochter lachend, während ihre Mutter mit verschiedenen Rollatormodellen herumkurvt – Bremstest inklusive. Im Hilfsmittelgeschäft von Pro Senectute beider Basel in Liestal gibt es eine ganze Ecke mit solchen Gefährten: für drinnen oder draussen, mit kleinen oder grossen Rädern, in edlem Design oder nüchtern-funktional. Sie tragen Namen wie Aero Walk, Moving Star, Tiger oder Goliath.
Noch riecht es ganz neu in den hellen Ladenräumen im Parterre. José Salgado ist sichtlich zufrieden. Der Leiter des Hilfsmittelshops und sein Team haben eine lange Bauzeit und eine grosse Züglete hinter sich. Und einen langjährigen Traum verwirklicht: Nun befinden sich in Liestal Beratung, Kurse und der Hilfsmittelshop unter einem gemeinsamen Dach.
In den Räumen und Regalen steht alles, was man braucht, um auch bei körperlichen Einschränkungen selbständig und unabhängig zu leben. Gehstöcke, Türschwellenkeile, Schlüsseldrehhilfen, Haltegriffe und Toilettenaufsätze. Pflegebetten, Elektroscooter, Komfortsessel und Rollstühle. Über 1000 Artikel umfasst der Katalog.
«Wer zum ersten Mal bei uns ist, staunt, was es alles gibt», sagt José Salgado. Ebenso wichtig ist aber das Team aus erfahrenen Fachleuten: «Beratung ist bei uns das A und O. Wir wollen unseren Kundinnen und Kunden eine massgeschneiderte Lösung bieten und nicht einfach ein teures Produkt verkaufen.» Fingerspitzengefühl gehöre dazu, weil Themen wie Demenz oder Inkontinenz oft mit Scham verbunden seien. Manche hätten auch Respekt vor moderner Technik: «Wir nehmen uns Zeit und können so Ängste zerstreuen.»
Ist das Budget klein, sei die Hemmung oft besonders gross, Hilfe zu holen: «Viele wissen nicht, dass sie ein Recht auf Unterstützung haben.» Die Sozialberatung von Pro Senectute beider Basel hilft beim Abklären, welche Beiträge jemandem zustehen, und füllt Anträge und Formulare aus: «Warten Sie nicht zu lange, sondern melden Sie sich bei uns.»
Jose Salgado rät, Hilfsmittel wenn möglich vor Ort auszusuchen. So kann man verschiedene Produkte vergleichen. Die Beraterinnen und Berater wissen auch, wo Stolpersteine lauern: «Ein Notrufknopf nützt zum Beispiel nichts, wenn die Helfer keinen Zugang zur Wohnung haben.» Deshalb sind die Schlüsselsafes gleich nebenan im Gestell. Oft liege auch die Lösung eines Problems näher, als man denke. Positionierungskissen etwa können die Pflege auch ohne ein elektrisches Bett erleichtern. Ein Badewannenbrett ermöglicht die tägliche Körperhygiene, ohne dass bauliche Massnahmen nötig sind.
Es gibt auch Mietartikel
Auch «hinter den Kulissen» ist der Hilfsmittelshop auf dem neusten Stand. José Salgado führt durchs grosse Lager, die Werkstatt und den topmodernen Reinigungsraum, wo Mietartikel gemäss strengen Vorschriften desinfiziert werden. Wer etwas kauft oder mietet, kann auf einen Rundum-Service zählen. Das Team bildet sich ständig weiter, besucht Messen mit Neuerungen und steht mit Entwicklern in Kontakt. Denn im Sortiment landet nur, was sich bewährt hat.
Es sind die vielen kleinen Erfolgsgeschichten, die José Salgado an seiner Arbeit so mag: «Gewinnt jemand ein Stück Unabhängigkeit zurück, ist das sehr befriedigend.» Auf der anderen Seite müsse man aushalten, dass man nicht immer helfen könne. Und manchmal von Menschen Abschied nehmen, die man vom ersten Gehstock bis zum Ende ihres Lebens begleitet hat.
In der Rollator-Abteilung haben Mutter und Tochter unterdessen ihren Favoriten gefunden, ein ultraleichtes Modell aus Karbon. Die Beraterin erklärt, wie man es auf- und zuklappt, damit es in den Kofferraum passt. «Mit dem Rollator fühle ich mich trotz wackliger Beine sicher», sagt die Kundin, «und sieht mein neuer Begleiter nicht einfach schnittig aus?»
Hilfsmittel sorgen für Sicherheit, Selbständigkeit und Mobilität im Alltag und erleichtern die Betreuung und Pflege von Angehörigen in den eigenen vier Wänden. Im neuen Zentrum von Pro Senectute auf dem Areal der ehemaligen Tuchfabrik Schild gibt es barrierefreie Räumlichkeiten für Kurse, Beratungen und das Hilfsmittelgeschäft. Dieses bietet persönliche Beratung, Wartung und Reparaturen sowie Unterstützung bei der Finanzierung. Die meisten Produkte kann man sowohl kaufen als auch mieten.
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