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Anlegen in Zeiten von Minizinsen

 Die «Zinslipicker» stehen wegen der weit geöffneten Geldschleusen der Notenbanken im Regen. Regelmässige Einkünfte versprechen einzig Sachwerte wie Aktien und Immobilien.

 Für die pflichtbewussten Sparerinnen und Sparer kommt es immer dicker. Eine Bank nach der anderen erhebt Negativzinsen auf ihren Konten. Dabei haben wir in der Schule doch noch gelernt: «Wer spart, bekommt von der Bank einen Lohn in Form von Zins.»

Doch jetzt stimmt das nicht mehr. Im Gegenteil. Viele Geldinstitute schreiben den Zins nicht gut, sondern ziehen ihn von unserem Guthaben ab. All die erfolgreichen «Zinslipicker» aus früheren Zeiten stehen heute im Regen. Und das wird sich so schnell nicht ändern.

Die Notenbanken halten die Geldschleusen unverändert offen und fluten die Märkte. Das heisst für die nächsten drei bis fünf Jahre: Die Zinsen bleiben tief. Damit hat auch der Zinseszinseffekt ausgedient. Die Theorie hörte sich vielversprechend an. Wer Geld zur Bank bringt, erhält dafür einen stattlichen Zins. Und von diesem Zins gibt es wiederum einen Zins, den sogenannten Zinseszins. Doch in den heutigen Zeiten mit Minizinsen erübrigen sich solche Rechnereien.

Auf Sachwerte setzen

Aber wo gibt es noch regelmässige Einkünfte? Die kurze Antwort: mit Sachwerten. Dazu gehören Aktien und Immobilien. Früher waren Obligationen noch mit einem Zinscoupon von 4 Prozent und mehr versehen. Die Ausschüttungen auf Aktien entsprachen nur einem Bruchteil davon. Doch innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte sind die durchschnittlichen Dividendenrenditen in der Schweiz von 1,5 Prozent auf deutlich über 3 Prozent hochgeklettert. Zudem: Dividenden werden ähnlich wie die Zinsen jedes Jahr bezahlt und steigen oftmals an. Wichtig ist nur, bei jenen Unternehmen zu investieren, wo nachhaltige Ausschüttungen zu erwarten sind. Von den gewichtigen Schweizer Aktien weisen etwa Swiss Re, UBS, Zurich Insurance, Swisscom oder Adecco eine Dividendenrendite von über 4 Prozent auf.

Diversifizieren ist wichtig

Natürlich brauchen Besitzerinnen und Besitzer eines Sparhefts etwas Mut, um in Aktien zu investieren. Diese Papiere sind laufenden Kursveränderungen ausgesetzt. Das verlangt Nerven, wenn die Notierungen an den Börsen sinken. Klar ist aber: Bei einem Anlagehorizont von zehn Jahren und mehr lässt sich mit Aktien dank des Dividendenertrags ein finanzielles Polster aufbauen. Wer keine Einzeltitel kaufen will, investiert in einen aktiv gemanagten Dividendenfonds oder einen kostengünstigen  Die «Zinslipicker» stehen wegen der weit geöffneten Geldschleusen der Notenbanken im Regen. Regelmässige Einkünfte versprechen einzig Sachwerte wie Aktien und Immobilien Dividenden-Indexfonds (ETF).

Statt auf eine Aktie zu setzen, gilt es, sein Geld möglichst über mehrere Branchen und und Länder hinweg zu diversifizieren. Falsch ist es auch, heute das zu tun und morgen wieder auf etwas anderes zu springen. Meist entpuppt sich der sogenannte Geheimtipp eines Bekannten, der einen sagenhaften Kursgewinn verspricht, wenig später als der grosse Reinfall.Auch Immobilien locken mit respektablen Dividendenrenditen.

Entsprechend steigen laufend mehr Investoren von Obligationen auf Immobilienfonds oder Immobilienaktien um. Das anhaltend tiefe Zinsniveau begünstigt diesen Wechsel. Zahlreiche Immobilienfonds können derzeit eine Dividendenrendite von über 3 Prozent ausweisen. Noch leicht höher fällt die Rendite bei Immobilienaktien aus. In diesen Anlagekategorien wirken jedoch die gleichen Mechanismen wie bei den Aktien. Je nach Börsenstimmung schwanken die Kurse. Für die eigene Anlagestrategie heisst dies: Sie sollte immer zur persönlichen Lebenslage passen. ❋

Beitrag vom 10.02.2020
Kurt Speck

ist Wirtschaftswissenschaftler, Ex-Verleger und -Chefredaktor der Handelszeitung. Er publiziert zu Finanz- und Vorsorgethemen