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Gemüse mit Comeback

Eine simple Art, Gemüsereste weiter zu verwerten, ist, neues Grünzeug daraus zu ziehen. 

Statt Frühlingszwiebeln-, Lauch- und Rüeblistrunke oder andere Gemüsereste auf den Kom-post zu werfen, kann man sie nachwachsen lassen und erneut beernten. Warum diese Form der Restenverwertung klappt, worauf beim Vermehren zu achten ist und welche Sorten sich eignen, hat mir die deutsche Journalistin Melissa Raupach erklärt. Die Gründerin einer Firma für nachhaltiges Gärtnern hat be-reits 2018 ein patentes Anwenderbuch dazu geschrieben*.

Darum funktioniert es:

Im Prinzip wird der Rüstabfall geklont. Botanisch spricht man von generativer Vermehrung. Dabei wird neues Gemüse nicht aus Samen, sondern eben den eingangs erwähnten Strunken von Frühlingszwiebeln, Lauch oder Rüebli gezogen. Das klappt, weil in den Zellen der Pflanzenstrunke deren gesamtes Erbmaterial – von der Wurzel bis zum Blatt – gespeichert ist. Den besten Ertrag hat man übrigens, wenn die Reste von frischem Gemüse stammen.

Das braucht es dazu:

Ein Konfiglas, Wasser, Licht, Wärme (20° C), torffreie Biogartenerde sowie Blumentöpfe sind die Grundzutaten. Um beispielsweise Frühlingszwiebeln nachzuziehen, werden etwa 5 cm lange Wurzelstücke fünf Tage lang 3 cm hoch in Wasser eingestellt. Das Wasser gilt es alle zwei Tage zu wechseln.

So gibt es Nachwuchs:

Sobald sich an den Frühlingszwiebel-Strünken neue Wurzeln bilden, kommen die rezyklierten Pflänzchen in einen mit torffreier Biogartenerde gefüllten Topf auf das Fenstersims. Die Strünke werden mit Erde bedeckt, 2 cm des Stängels guckt heraus. Nach rund drei Wochen hat die Frühlingszwiebel in der Regel 20 cm ausgetrieben und man kann das Zwiebelgrün schneiden. Aber Achtung: Der Strunk ist kein Endlosproduzent. Nach drei-, maximal viermaligem Schneiden ist er erschöpft und kommt dann auf den Kompost.

Weitere Gemüsesorten, die sich zum Wiederverwenden eignen:

Nebst Frühlingszwiebeln wachsen auch Lattich und Stangensellerie in ein paar Wochen nach. Topinambur lässt sich auch wiederverwerten, braucht aber ein halbes Jahr, bis sich neue Knollen aus der Erde ziehen lassen. Exotische Gewürze wie Zitronengras kann man ebenfalls schon nach ein paar Wochen schnipseln. Etwas mehr Geduld braucht man mit Koriander. Bis aus seinem Wurzelstück eine buschige Pflanze wird, dauert es ein halbes Jahr. Und neue Kurkumawurzeln bilden sich erst nach zwei Jahren.

Spass am Nachziehen machen auch Galgant, Ingwer und Avocado. Doch diese Exoten produzieren in unseren Breitengraden keine Früchte. Allenfalls im Tessin. Und auch dort dauert es Jahre. Statt deswegen die Wurzelreste oder den Kern zu entsorgen, kann man dekorative Pflanzen aus ihnen ziehen. Vorerst für drinnen. Ab Ende Mai dürfen Galgant und Co. bis Oktober an die frische Luft – auf den Balkon, die Terrasse oder den Sitzplatz. ❋

*Buchtipp: «Regrow your Veggies», Melissa Raupach, Felix Lill, Ulmer-Verlag, ab Fr. 18.30

Beitrag vom 10.02.2020
Christine Kunovits

ist Leiterin Redaktion und Verlag von «Bioterra». Vermutlich auch, weil selbst gezogene Cherry-tomaten vor bald 30 Jahren ihre Liebe zum Gärtnern erweckt haben.