Die Nachricht wirkte glaubwürdig: Name und Reisedaten stimmten. Erst kleine Ungereimtheiten entlarvten den Betrugsversuch. KI macht solche Phishing-Angriffe immer überzeugender.
Nach vielen Jahren wieder einmal weit weg. Ziel: Südkorea. Über die Hotel-Buchungsplattform booking.com habe ich Zimmer reserviert. Bei jeder gemachten Buchung folgte der Hinweis, keinerlei Korrespondenz ausserhalb von booking.com zu führen. Ja, ja, dachte ich, doch dann…
Dann erhielt ich Wochen später eine Mitteilung auf WhatsApp. Absender war eine indonesische Firma, die Klimageräte herstellt. Darin wurde ich mit vollem Namen auf Englisch angesprochen und aufgefordert, für meinen Aufenthalt in einem Gasthaus, dessen Daten korrekt aufgelistet waren, erneut die Kreditkarten-Informationen über einen Link einzugeben. Grund: Bei einer Sicherheitsprüfung konnten meine Daten nicht verifiziert werden.
Ungereimtheiten ernst nehmen
In meinem Kopf stellte sich die Frage: Was hat die indonesische Firma mit dem kleinen Gasthaus in Südkorea zu tun? Vielleicht ist sie die Eigentümerin und deshalb verantwortlich für die Buchhaltung, räsonierte ich. Stutzig machte mich aber der Hinweis zum Schluss: Ihre Buchung wird sonst in den nächsten 24 Stunden storniert.
Gleichentags erhielt ich noch ein elegant gestaltetes Mail auf Deutsch vom gleichen Gasthaus. Sämtliche persönlichen Angaben inklusive Telefonnummer und die Aufenthaltsdaten waren korrekt. Dieses Mal wurde ich höflich aufgefordert, die Buchung abzuschliessen, doch der Betrag war in Euro und zu hoch. Ein Ultimatum fehlte.
Bei der Unterkunft nachfragen
Über booking.com habe ich das Gasthaus kontaktiert und gefragt, ob dieses Mail von ihnen stamme. Die Antwort war kurz: «No». Wenig später folgte auf WhatsApp eine Entschuldigung der indonesischen Firma, deren WhatsApp-Konto gehackt und in der Folge missbraucht worden war.
Diese gezielte Form von Phishing nennt sich Spear Phishing und hat in den letzten Monaten stark zugelegt. Mit ein Grund dafür ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Sie hat nicht nur sprachliche Verbesserungen mitgebracht (selbst auf Schwizerdütsch wird parliert), sondern auch die Personalisierung vereinfacht. KI durchsucht das Internet nach persönlichen Informationen auf Linkedin, Facebook und weiteren Plattformen, um dann das Mail persönlich zu gestalten. Diese werden dann mit Daten von einer gehackten Website kombiniert, wie mein Beispiel zeigt. Auch ein Telefonanruf kann einem Mail folgen, um das Vertrauen zu gewinnen und Druck aufzubauen.
Im Vergleich zu 2025 haben laut der Website cybersecurityswitzerland.com Phishing-Angriffe auf Firmen um fast 30 Prozent zugenommen, Spear-Phishing-Kampagnen gegen das Topmanagement gar um 63 Prozent. Dabei geht es oft um hohe Lösegeldsummen.
Immer skeptisch bleiben
Was tun? Wenn Mails und Anrufe Drohungen, Ultimaten oder andere Formen von Druckaufbau enthalten, sind dies Warnzeichen. Skepsis ist angesagt. Nie auf Links klicken, Anhänge öffnen oder QR-Codes scannen. Wer ein Phishing-Mail erhalten hat, kann es an folgende Adresse schicken: reports@antiphishing.ch. Wer eine Anfrage hat und eine Antwort erwartet, wendet sich an das Bundesamt für Cybersicherheit, incidents@ncsc.ch.![]()