Sie engagieren sich bei der Feuerwehr, im Sportverein oder im Elternrat, hüten Kinder oder besuchen Betagte – die Schweiz ist eine Nation von Freiwilligen.
Text: Monica Müller
Helfende Hände
51 Prozent der Bevölkerung leisten informelle Freiwilligenarbeit. Viele davon tun das sporadisch, etwa im Rahmen der Nachbarschaftshilfe oder indem sie Verwandte betreuen.
Bronzemedaille
Die Schweiz gehört im europäischen Vergleich zu den Ländern mit dem höchsten freiwilligen Engagement. Bei der formellen Freiwilligenarbeit belegte sie im Jahr 2022 den dritten Platz, bei der informellen den fünften. An der Spitze lag jeweils Norwegen.
67 000 Jahre
Satte 590 Millionen Stunden an Freiwilligenarbeit leisten Schweizerinnen und Schweizer jährlich. Das entspricht 24,5 Millionen Tagen oder 67 000 Jahren. 86 Prozent der Bevölkerung tragen in irgendeiner Form zum Gemeinwohl bei – auch mit Geld- und Sachspenden. Dies zeigt der Freiwilligen-Monitor 2025 auf.
Vereinsmeier
41 Prozent der Bevölkerung packen freiwillig in formellen Gruppen wie Vereinen und Organisationen mit an. Der hohe Stellenwert des institutionalisierten freiwilligen Engagements zeigt sich auch an der hohen Vereinsdichte. Schätzungen zufolge gibt es in der Schweiz um die 90 000 Vereine und Non-Profit-Organisationen.
Mann vs. Frau
In Vereinen und Parteien sind Männer (43 %) stärker vertreten als Frauen (40 %). Dafür leisten Frauen (56 %) mehr informelle Arbeit als Männer (46 %). Über die Jahre sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern kleiner geworden. Am grössten sind sie noch bei der Care-Arbeit ausserhalb des eigenen Haushalts. Fast doppelt so viele Frauen kümmern sich um Kinderbetreuung oder Betagtenpflege.
Job und Lohn
Ausbildung und Einkommen haben einen Einfluss auf ehrenamtliche Tätigkeiten: Wer nur die obligatorische Schule abgeschlossen hat, leistet mit 17 Prozent deutlich weniger Freiwilligenarbeit als jemand mit Uniabschluss (48 Prozent).
Die Pensionierten
Am engagiertesten sind die Pensionierten zwischen 65 und 74 Jahren. Diese Altersgruppe leistet mit 63 Prozent am meisten informelle Freiwilligenarbeit. Etwa indem sie Enkelkinder hüten. Ab 75 Jahren nimmt das Engagement ab.
Schattenseiten
Eine Studie, die das Migros-Kulturprozent in Auftrag gegeben hat, beleuchtet auch die Schattenseiten der Freiwilligenarbeit. Fast die Hälfte der Freiwilligen fühlt sich durch ihr Engagement zeitlich stark belastet. Rund ein Viertel gibt an, nicht immer über ausreichendes Wissen und die nötigen Kompetenzen zu verfügen, um die Aufgaben zu erfüllen. Ebenso vielen fehlt es manchmal an der notwendigen Unterstützung für ihr Engagement.
Der rote Pass
48 Prozent der Schweizer engagieren sich freiwillig – mehr als doppelt so viele wie bei den Ausländern (21 Prozent). Doppelbürger liegen mit 38 Prozent dazwischen.
Der Antrieb
Die meisten Freiwilligen haben mehr als eine Motivation. Bei der informellen Freiwilligenarbeit ist der Wunsch, anderen Menschen zu helfen, mit 72 Prozent am ausgeprägtesten. Beim Engagement in einem Verein ist es mit 61 Prozent der Spass an der Tätigkeit. Bei beiden Formen spielen auch soziale Motive eine wichtige Rolle.
Prix Merci
- 2026 wird zum ersten Mal der Prix Merci verliehen. Die Auszeichnung würdigt Menschen, die sich bei Pro Senectute für ältere Menschen engagieren. Die Altersorganisation will damit ihren 15 800 Freiwilligen symbolisch Danke sagen.
- Mit einem Publikumsvoting wurden im Sommer fünf Personen für das Finale vom 3. Dezember in Olten nominiert. Dort entscheidet das Los, wer den Prix Merci 2026 gewinnt – stellvertretend für alle Freiwilligen.