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Vorsorgen für den Fall der Fälle

Die Vorsorgeregelung ist ein wichtiges, aber kaum beachtetes Thema. Eine repräsentative Befragung zeigt, dass der Informationsbedarf gross ist.

Das neue Erwachsenenschutzrecht und die damit verbundenen Inst- rumente sind bereits sieben Jahre alt. Die Möglichkeit, selbstbestimmt vorzusorgen, ist noch jung. Was ist mir wichtig im Falle einer Urteilsunfähigkeit? Wer soll sich um meine persönlichen, rechtlichen und finanzrelevanten Angelegenheiten kümmern? Was bedeutet für mich Lebensqualität und was soll bei medizinischen Entscheiden beachtet werden? Sich mit diesen Fragen auseinandersetzen, bietet die Möglichkeit, für den Fall der Fälle vorzusorgen und mit seinen Vertrauenspersonen den Dialog darüber zu führen.

In einer repräsentativen Befragung eruierte Pro Senectute zum zweiten Mal, wie bekannt diese Instrumente in der Bevölkerung sind. Vom 10. Februar bis 2. März 2020 befragte das Meinungsforschungsinstitut gfs Bern in der ganzen Schweiz 1208 volljährige Personen, 49 Prozent männlichen, 51 Prozent weiblichen Geschlechts. Überraschend ist, dass trotz einer breiten Medienberichterstattung und einer gesteigerten Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit die Bekanntheit sowohl der Patientenverfügung als auch des Vorsorgeauftrags nicht wesentlich gestiegen ist – weder bei den Seniorinnen und Senioren noch bei der restlichen erwachsenen Bevölkerung, die das Thema Vorsorge ebenso betrifft.

Die Möglichkeiten der persönlichen Vorsorge sind Herrn und Frau Schweizer zwar ein Begriff, nicht aber im Detail bekannt. 29% der Befragten erklärten, zwar «schon davon gehört» zu haben, aber nicht genau im Bild zu sein – ein Wert, der sich im Vergleich zum Jahr 2017 nicht verändert hat. So gaben in der diesjährigen Befragung nur etwa zwei Drittel (+3%) an, die Möglichkeiten einer Patientenverfügung detailliert zu kennen. Dieselbe, nur leicht positive Entwicklung zeigt sich beim Vorsorgeauftrag, dessen Bekanntheit ebenfalls nur leicht gestiegen ist.

Frauen gut «im Bild»

Das Thema der persönlichen Vorsorge ist komplex und anspruchsvoll, weshalb Pro Senectute mit ihren 130 regionalen Beratungsstellen individuelle Beratungen und themenspezifische Workshops dazu anbietet. Die Zahlen zeigen, dass aber viele Personen, besonders in der Romandie und im Tessin, noch nicht über die persönlichen Vorsorgemöglichkeiten informiert sind und davon keinen Gebrauch machen. Im Tessin kannten sie zwei Drittel (67%), in der Westschweiz mehr als die Hälfte (52%) nicht.

Auch das Geschlecht liefert spannende Rückschlüsse. So waren 47% der befragten Frauen «gut» im Bild, während nur ein Drittel der Männer die Patientenverfügung kannten. In der Natur der Sache war die Personengruppe im Alter zwischen 18 und 39 Jahren am schlechtesten informiert. Zum Vergleich: Zwei Drittel der über 65-jährigen Menschen kannten das Vorsorgeinstrument gut.

Pro Senectute Schweiz liegt es am Herzen, trotz dieses guten Werts weiter über die individuellen Vorsorgemöglichkeiten zu informieren und Beratungen anzubieten. Denn die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema eröffnet, nebst organisatorischen Aspekten, auch die Möglichkeit, sich mit seinen Liebsten über Wünsche und Bedürfnisse im Falle einer Urteilsunfähigkeit auszutauschen.

Docupass

Das Vorsorgedossier Docupass von Pro Senectute ist eine anerkannte Gesamtlösung für alle Bereiche, die mit einem Vorsorgedokument geregelt werden können – von der Patientenverfügung bis zum Testament. Im Docupass können sämtliche persönlichen Anliegen, Bedürfnisse und Wünsche für den Ernstfall festgehalten werden. https://www.prosenectute.ch/de/dienstleistungen/beratung/docupass.html

Beitrag vom 14.04.2020
Annina Spirig

Fachverantwortliche Docupass, Pro Senectute Schweiz