© Béatrice Devènes

Grautöne im bunten Bundesbern

Pro Senectute passt ins neue, grüne Bundesbern: Seit 1952 strahlt das Logo unserer Altersorganisation ebenfalls in Grün. Das mag manche erstaunen, gilt doch Grau als die typische Farbe des Alters. 

Grau löst ambivalente Gefühle aus – farblos, fade, förmlich. Aber Grau steht auch für Sachlichkeit und Erfahrung. Und die modisch bewussten wissen: Grau lässt sich mit jeder Farbe gut kombinieren.

 Grau erinnert uns aber auch daran, dass die Welt nicht einfach schwarz oder weiss ist, da gibt es noch die sprichwörtlichen, aber oft ausgeblendeten Zwischentöne. Sich dies in Erinnerung zu rufen, tut auch der Politik gut, zum Beispiel in der Form eines gutschweizerischen Kompromisses. Auch wenn nach den letzten eidgenössischen Wahlen von einer «Klimawahl» gesprochen wurde, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Altersvorsorge seit 2017 den «Spitzenplatz» im Sorgenbarometer belegt. Das neu gewählte Parlament ist  jetzt aber so jung und grün wie noch nie. Heisst dies nun, dass die Anliegen der «Ergrauten» vergessen gehen? Kommt es zum Stillstand bei den Reformen der Altersvorsorge, die in der laufenden Legislatur anstehen?

 Die über 70-Jährigen sind zwar – verglichen mit ihrem Anteil in der Bevölkerung – im neuen Parlament untervertreten. So geht es allerdings auch den 18- bis 30-Jährigen. Nur wenn das junge Grün auch etwas in Grau denkt und das etwas ältere Blau, Dunkelgrün, Rot und Orange auch die Jungen nicht vergisst, können nachhaltige Lösungen für alle entstehen – und zwar in Bezug auf die Umwelt und die Altersvorsorge.

Lebenswerte Zukunft für Alt und Jung

Es darf dabei nicht vergessen gehen, dass viele Themen alle Generationen betreffen. Die Weichen, die wir heute in den Bereichen Umwelt, Bildung, Gesundheit, Betreuung, Pflege oder Altersvorsorge stellen, wirken sich nicht nur auf die heutige, sondern auch auf zukünftige Generationen aus. Es mag sein, dass für jüngere Menschen Themen wie AHV und Pensionskasse noch weit vom Alltag entfernt und deshalb nicht prioritär sind. Es scheint aus ihrer Sicht verständlich, dass zuerst der Planet gerettet werden muss, da eine Altersversorgung ansonsten auch nichts mehr nützt. Das eine muss das andere jedoch nicht ausschliessen. Tragen wir beidem Sorge, gestalten wir eine lebenswerte Zukunft für alle. In welcher Farbe auch immer. ❋

Reform Altersvorsorge

Nach der gescheiterten Reform der Altersvorsorge im Jahre 2017 sowie der Zustimmung zur Zusatzfinanzierung der AHV 2019 sind bereits die nächsten Reformschritte in der 1. und 2. Säule gestartet. Pro Senectute bringt ihr Fachwissen in die laufenden Diskussionen ein und informiert zur Reform der Altersvorsorge. Mit einem Schwerpunkt «Drei-Säulen-System» stellt Pro Senectute auf ihrer Homepage (prosenectute.ch/dreisäulensystem) die Grundprinzipien der Schweizer Altersvorsorge in Kurzvideos vor. Vertiefende Erklärungen zu zentralen Elementen der Altersvorsorge und der laufenden Debatte ergänzen den Schwerpunkt.

Alexander Widmer

Verantwortlicher Public Affairs und Grundlagenarbeit bei Pro Senectute Schweiz