«Zehn unbekümmerte Anarchistinnen» 7 Von Daniel de Roulet

Siebtes Kapitel, in dem Blandine, nachdem sie den Emigrantinnen bis nach Buenos Aires gefolgt ist, einen Vorwand findet, um sie zu verlassen und in die Heimat zurückzukehren, ihre Abreise aber keinen übermässigen Verlust bedeutet.

Wir schrieben das Jahr 1888 und waren seit nunmehr fünfzehn Jahren in der weiten Welt unterwegs. Mathilde, unsere Jüngste, war zweiunddreissig, Blandine, die Älteste, sechsundvierzig, Germaine einundvierzig, Valentine dreiundvierzig. In der nächsten Generation hatten Max und die vier Töchter Gigon das Alter der ersten wahren politischen und amourösen Leidenschaften erreicht. Abermals mussten wir es mit den südlichsten Breiten und ihren entfesselten Ozeanen aufnehmen. Einen Monat, nachdem wir die junge französische Kolonie auf Tahiti verlassen hatten, passierten wir erneut die Magellanstrasse.

Auf der Höhe von Punta Arenas trafen wir wieder auf die patagonischen Winde und fuhren an einer blühenden Stadt vorbei, die in den vergangenen fünf Jahren gewachsen war. Unser Schiff machte keinen Zwischenhalt. Wie mochte es Jeanne gehen?, fragten wir uns. Ganze Nächte ohne Schlaf: das Knallen der Segel wie das erschöpfte Wiehern eines schlaflosen Pferdes, das Pfeifen der Schote im Wind, der im Morgengrauen anschwoll. Wir liessen den Pazifik hinter uns und erreichten den Atlantik.

Im Süden des argentinischen Teils von Patagonien lagen wir drei Tage im Hafen von Rio Gallegos. Dort trafen wir zwei Schweizer Familien, die durch die Veränderungen in der Wollindustrie ruiniert worden waren. Zwei Väter, zwei Mütter und zweimal fünf Kinder machten sich auf den Rückweg in die Heimat, sagten, die Schweizer Uhrmacherei floriere, und mit den Gewerkschaften gehe es voran. Viel später erfuhren wir, dass ihre Rückkehr ein böses Ende nahm: Sie ertranken alle vor den Azoren.

Nachdem wir mehrere Wochen auf einem Schiff mit den verschiedensten Waren und heimlich trinkenden Seeleuten die argentinische Küste hochgefahren waren, erreichten wir den Rio de la Plata. Dort herrschte so dichter Seeverkehr, dass es einige Tage dauerte, bis unser Schiff an den Kais von Buenos Aires einen Platz fand. Wir hatten es eilig, an Land zu kommen, fest entschlossen, uns da satt zu essen und ein Leben aufzubauen, das uns erlaubte, einen Brief an die Leute in Saint-Imier endlich zu beenden mit: Alles bestens, kommt schnell.

Fasziniert beobachteten wir, wie Schiffe aus aller Herren Länder ihre Fracht löschten: Zucker, Gewürze, Kakao, Heilsteine, gegerbte Felle, exotische Federn. Wir staunten über die Kautschukballen, die raschelnden Säcke voller Hülsenfrüchte oder Kaffeebohnen, die in endlose Verhandlungen verwickelten Grosshändler und Spediteure.

Als wir endlich an Land waren, brachte man uns ins Immigrantenhotel, ein riesiges Gebäude am Hafeneingang. Von dort gab es kein Entkommen, es sei denn, man hatte einen Verwandten oder Bekannten, der für einen bürgte und die Zöllner darüber unterrichtete. Drei Wochen lang wohnten wir dort unter einem Dach mit Hunderten anderer Einwanderer aus Polen, Deutschland und vor allem Italien, die mit Säuglingen und Gepäck angereist waren, in Winterkleidern, mitten im Sommer von Fieber geschüttelt, ohne ein Wort Spanisch zu verstehen.

 Hierhin schob Europa seine armen Massen ab. Auf eigenem Boden legte es Eisenbahnlinien an, vergrösserte seine Häfen und hübschen Stadtviertel, errichtete Fabriken, in die es Weinbauern, Schäfer und kleine Landwirte lockte. Die Überzähligen, die Armen und Deklassierten aber schickte es mit der Verheissung eines besseren Lebens nach Übersee und kippte sie in den Häfen Amerikas aus. Täglich verliessen sie in grosser Zahl die Schiffe, die dieselben Klassen wie die Gesellschaft eingerichtet hatten: die vornehme erste, die noch einigermassen versorgte zweite und die wimmelnde, stinkende dritte, der, wie Pfarrer Grin sagte, Rest des göttlichen Zorns, der sich auf die Kais von Buenos Aires entlud.

Als wir einen Kommis von einem gewissen Errico Malatesta sprechen hörten, spitzten wir die Ohren. Es handelte sich um niemand anders als um unseren guten Benjamin, unseren Briefpartner. Dieser allseits bewunderte Genosse hatte in Buenos Aires die Bäckergewerkschaft gegründet, die die Bourgeoisie erzittern liess und die Polizei in Rage versetzte. Da uns wenig daran lag, von französischen oder schweizerischen Wohltätigkeitsorganisationen betreut und als Mädchen für alles in die besseren Stadtviertel geschickt zu werden, liessen wir Benjamin ein Briefchen zukommen. Er sollte uns helfen, aus diesem verdreckten Hotel mit seinen ungezieferverseuchten Matratzen herauszukommen.

Zwei Tage später rief uns der Stockwerksleiter in sein Büro. Er behandelte uns sehr freundlich, stempelte unsere Papiere ab und hiess uns in seinem Land willkommen, dann übergab er uns der Obhut eines jungen Italieners, der uns ins Stadtviertel San Telmo mitnahm und uns eine grosse, leer stehende Wohnung zeigte. Die sei für uns, erklärte er uns mit verschwörerischer Miene. Der Tipp komme von Errico. Die Wohnungsbesitzer seien wie alle wohlhabenden Bewohner des Viertels in den einige Kilometer entfernten Stadtteil Palermo gezogen.

Sie fürchteten sich – zu Recht, wie wir feststellen sollten – vor den Choleraepidemien, die in den Hafengassen wüteten, und betrieben ihre Geschäfte lieber von ihren komfortablen Zufluchtsorten aus, die sie nicht einmal mehr verliessen, um in ihren besetzten Häusern die Mieten zu kassieren. Wir richteten uns in weitläufigen Räumen rings um einen blühenden Innenhof ein, fühlten uns wie zu Besuch bei reichen Leuten, obwohl das Wasser abgestellt war.

Mathilde war die Resoluteste von uns, die mit den klarsten Vorstellungen und zugleich den meisten persönlichen Geheimnissen. Die Portenos, wie die Einwohner von Buenos Aires genannt werden, drehten sich nach ihr um. Männer wie Frauen, Junge wie Alte suchten ihren Blick. Dank ihres Lächelns fand sie gleich am ersten Morgen eine Stelle in einer Industriebäckerei. Wenn ihr Chef gewusst hätte, dass sie schon am nächsten Tag beginnen würde, heimlich Gewerkschaftsflugblätter zu verteilen …

Germaine tat sich mit einem fliegenden Gemüsehändler zusammen. Morgens stand sie um halb vier auf, kaufte auf dem Grossmarkt Waren ein und schob dann den zweirädrigen Karren des Händlers durch die Strassen, lauthals auf Italienisch, Französisch und Spanisch die Preise von Zucchini, Tomaten, Auberginen, Karotten verkündend. Blandine und ihre Schwester, inzwischen an alle möglichen Berufe gewöhnt, brauchten ein paar Tage, bis sie eine Anstellung fanden, die Ältere bei einem Gipser, die Jüngere bei einem Uhrmacher.

Max Ketterer, Emilies achtzehnjähriger Sohn, ergatterte Hilfsarbeiten im Hafen. Eine Stunde vor Sonnenaufgang fand er sich auf einem Platz ein, wo Vorarbeiter sich die kräftigsten Burschen als Tagelöhner aussuchten. Er wurde jedes Mal genommen. Hin und wieder brachte er einen Sack Kaffee oder Zucker mit nach Hause, der von einer Ladung heruntergefallen war. Dieser Überschuss kam uns zugute. Albertine, Alphonsine, Anna und Alice, die wir die Gigonmädchen nannten, halfen den Fischern beim Entladen ihrer Boote und wurden in Fisch bezahlt. Nach einem Monat verliessen uns der Zimmermann aus Florenz und der Buchhalter aus Carrara. Die Grossstadt bekam ihnen nicht, sie hatten sich immer Watte in die Ohren gestopft. Dank eines Kapitäns, der mit unserer anarchistischen Sache sympathisierte, sollten sie sich wenig später nach Genua einschiffen.

Reihum bereiteten wir unser tägliches Abendessen zu und sorgten dafür, dass jeden Morgen Brot und Suppe auf dem Tisch standen. Sonntags gingen wir zur politischen Versammlung. Dort festigte sich unsere Ansicht, dass die kapitalistische Utopie die schlimmste von allen ist. Weder wollten wir Uhrenbosse im Jura sein noch Grossgrundbesitzer in Amerika. Wir strebten ein freies, würdiges Leben an. Erneut schenkte uns die Zukunft ein breites Lächeln. Mathilde hatte Benjamin wiedergefunden, der sich in der Stadt versteckte, verfolgt von der Polizei, die ihn wegen Taten suchte, die er nicht begangen hatte. Wir baten ihn, heimlich zu uns zu kommen, um über die vielen Ideen, von denen er in seinen Briefen geschrieben hatte, zu diskutieren. Wir bereiteten unsere Argumente vor, erwarteten ihn gelassen und fröhlich.

Eines Tages kam Mathilde ganz traurig nach Hause und erklärte uns, wir würden Benjamin nicht treffen können. Er habe gemerkt, dass er umzingelt war, und habe gerade noch Zeit gehabt, nachts in das Boot eines befreundeten Fischers zu steigen, um den etwa vierzig Kilometer breiten Rio de la Plata zu überqueren. Später würde er von Montevideo aus nach Europa zurückkehren: Nizza, London, Spanien. Immerzu verfolgt, würde er schliesslich geschnappt und auf die Insel Lampedusa gebracht werden, von wo er nach Tunesien, dann über Malta und Cuba nach New York fliehen würde. Sein nächster Brief, ein triumphierender Bericht über die Ausbreitung der Anarchie, sollte uns aus London erreichen.

Da Germaine Uhren reparieren konnte, hatte Benjamin sich gedacht, sie könne auch seine vom vielen Schreiben strapazierte Schreibmaschine instand setzen, an der zwei Typenhebel gebrochen waren, der mit dem E und der mit dem Punkt. Wenn man beides von Hand einfügte, dann waren die Texte gut lesbar. Doch jeder, auch die Polizei, sah sofort, wessen Schreibmaschine benutzt worden war. Germaine reparierte das Gerät, Benjamin aber würde es nie abholen. Er bat uns, gut auf seine Remington aufzupassen, erlaubte uns auch, sie zu benutzen, aber nur für politische Texte. Später würden wir sie für Artikel in einem halbwegs anarchistischen Blatt verwenden, schliesslich, um Ihnen unsere Abenteuer zu erzählen.

Nie erfuhren wir, von wem Mathilde in dieser Zeit schwanger wurde, und wir fragten sie auch nicht danach. Sie pflegte einen Satz zu zitieren, den Benjamin einmal im Zusammenhang mit seinem revolutionären Leben geschrieben hatte: «Man hat Kinder, von denen man nicht weiss, ob sie von einem selbst oder von einem anderen stammen, aber das ist unwichtig.» Eine befreundete Hebamme kam in unsere hübsche Wohnung, um einem kleinen Mädchen auf die Welt zu helfen, das in Erinnerung an unsere Begegnung mit Louise Michel auf der Virginie den Namen Louise erhielt. Blandines Heldin war mittlerweile wieder in Frankreich, nachdem sie in Neu-Kaledonien die Kanaken in ihrem Unabhängigkeitskampf unterstützt hatte.

Da Benjamin uns in einem auffallend zärtlichen Brief zur Namenswahl beglückwünschte, nahmen wir an, dass er nicht ganz unschuldig an Mathildes Mutterschaft war. Wenn Mathilde die kleine Louise stillte, wandten die argentinischen Genossen immer peinlich berührt den Blick ab. Mit elf Monaten begann Louise zu laufen, mit zwanzig Monaten zu sprechen, mir vier Jahren konnte sie lesen und zählen. Bald sprach sie Französisch, Spanisch und dank einer unzertrennlichen Freundin aus ihrer Klasse an der staatlichen Schule auch Englisch. Sie sang La Rouge, Ten Little Injuns und dieses Lied:

«Steht auf, Genossen des Elends
Die Zeit ist reif, wir müssen aufbegehren
Es fliesse Blut und färbe rot die Erde
Für unsere Freiheit soll es sein
Stillstand bedeutet Rückwärtsgehen
Jeder erstarrt, der zu viel philosophiert
(Die kleine Louise sang: solisophiert)
Steh auf, alter Revolutionär
Damit die Anarchie triumphiert»

Zu Max’ zwanzigstem Geburtstag im Jahr 1890 veranstalteten wir auf einer Mole, die an der Einfahrt zum Handelshafen ins Meer ragt, ein Picknick. Wir erinnerten uns dabei an seinen zehnten Geburtstag, an das Picknick im Gras in Punta Arenas und wie er uns damals vorgeworfen hatte, wir wüssten nicht, woher die Kinder kommen und wohin die Wolken ziehen.

Frühlingsabend auf der südlichen Halbkugel. Manche Wolken sind schon grau, von der Sonne im Stich gelassen, andere strahlen in rosa und violetten Tönen. Einige undisziplinierte Schwaden lösen sich von der schönen horizontalen Linie, die den unteren Rand einer fernen Schichtwolke bildet. Der Rio de la Plata liegt da wie ein gischtloses Meer, brandet nur gegen die Felsbrocken an der Mole. Wir sitzen in einer Reihe nebeneinander, lassen die Füsse ins Nichts baumeln. Max’ Freunde, ungefähr zehn, haben ein kleines Bierfass angestochen und trinken auf das Wohl der sozialen Revolution.

Wir Frauen einer anderen Generation trinken auf den Untergang der Dame Bourgeoisie. Insgesamt sind wir gut vierzig Leute, die sich Gläser und Teller weiterreichen. Brot, Kekse, Wurst wandern von Hand zu Hand. Samstagabendeuphorie, ein Gefühl von Einigkeit und Kraft, es wird gescherzt über unser Lieblingsthema, die Liquidation. Liquidation der patriarchalen Gesellschaft, ihrer Polizei, ihrer Armee, Liquidation unserer Schulden, der Lohnarbeit, der Rente, unserer sklavischen Gewohnheiten. 

Das Tageslicht schwindet, die nach und nach aufleuchtenden Laternenreihen zeichnen die Umrisse des Hafens nach. Auf dem schwarzen Wasser eilen jetzt keine Boote mehr zwischen den wuchtigen Silhouetten der Schiffe umher, die darauf warten, beladen oder entladen zu werden. Schwalben jagen dicht über dem Wasser nach den letzten Mücken. Liquidation der Flüssigkeiten, sagt Mathilde und hebt ihr Glas in die Höhe, damit wir alle wissen,  dass sie uns jetzt einen Auszug aus Benjamins letztem Briefvorlesen wird. 

Der scheint in Hochform zu sein: «Regiert zu werden heisst, bei jedem Vorgang, bei jeder Transaktion, bei jeder Bewegung vermerkt, registriert, erfasst, tarifiert, abgestempelt, gemustert, eingruppiert, nummeriert, lizensiert, autorisiert, kommentiert, ermahnt, gehindert, reformiert, zurechtgebogen, korrigiert zu werden.» Wir erheben unser Glas auf das Wohl unseres ewigen Flüchtlings. Am Ende der Mole erstrahlt der Leuchtturm, die Möwen schlummern, zumindest kreischen sie nicht mehr. Nur noch die Laternen an Decks und Masten lassen die Schiffe erahnen. Ferne Sterne, Baken oder Glühwürmchen, alles ein und dasselbe. Der Wind, der vom Land herüberweht, erfrischt die milde Abendluft.

Max, der zum moralischen Gewissen unserer Diskussionen geworden ist, gibt zu bedenken, dass Liquidation allein uns nicht weit brächte, man müsse sich auch überlegen, mit welchen Mitteln man den Herrschenden ihre Macht entreissen könne. Wieder eine Runde Bier, hier und da Bemerkungen zur Schönheit des Abends, zum Genuss, gemeinsam zu feiern, zusammen zu sein und ein paar Ideen zu teilen.

Wie also die Liquidation erreichen? Blandine glaubt, uns das libertäre Credo servieren zu müssen, dass zur Vorbereitung der Liquidation eine Verschwörung nötig sei. Ja, sagt Max, aber eine Verschwörung in aller Öffentlichkeit. Applaus. Und so kam dieser Gedanke auf. Später, wenn der Polizeichef, Oberst Falcon, uns als Verschwörerinnen anklagen wird, werden wir ihm antworten: Verschwörerinnen, ja, ohne Frage, aber in aller Öffentlichkeit.

Gegen Ende jenes Geburtstagsfestes tanzte Valentine mit einem jungen Mann, der gut zwanzig Jahre jünger war als sie. Ihrer beider Nacht setzte sich in einer kleinen Hafenkneipe fort, dann in einer Studentenbude, wo das morgendliche Erwachen angenehm war.

Valentine fühlte sich überwältigt von schlichtem Glück, befreit von all den eigenen Ansprüchen, die sonst ihre Begegnungen belasteten. Der libertär eingestellte junge Mann aus Montenegro versprach ihr nichts, schlug nur vor, sich wiederzusehen. Um besser damit zurechtzukommen, stellte Valentine sich vor, er würde dem Mann ähneln, in den sie sich im Hafen von Brest verliebt hatte. Sie trafen sich weiterhin, meistens am Samstagabend, mehr verlangte Valentine nicht. Als gute Tänzer zogen sie sich erst in sein Zimmer zurück, wenn sie erschöpft waren.

Als er zum Militärdienst einberufen wurde, sagte er ihr, er werde desertieren und in die Vereinigten Staaten flüchten. In ihrer letzten Nacht war sie nicht allzu traurig, flüsterte ihm auf dem Kopfkissen Dinge zu, die sie hier nicht wiedergeben wird. Ihr Übel – die Liebesunfähigkeit – war geheilt. Nach ein paar Wochen ohne ihn bekam sie wieder Lust, sich zu verlieben. Diesmal verdankte sie es keinem Hirngespinst von einem bretonischen Seemann. Sie konnte jetzt beides geniessen, Einsamkeit und Begegnung, Liebe und ein bisschen Anarchie.

Diesbezüglich erlauben wir uns, Sie daran zu erinnern, dass man Liebe nicht erzwingen kann, oder wenigstens, dass sie, wenn sie einmal da ist, macht, was sie will. Das erfuhr Valentine, als sie eines Tages, nachdem sie bis ins Alter von um die vierzig die Einsamkeit und danach flüchtige Affären kultiviert hatte, in die Falle einer brennenden Leidenschaft geriet. Zwei Jahre nach der Geschichte mit dem montenegrinischen Deserteur lernte sie bei einer Versammlung auf der Plaza Lorea den Mann kennen, der ihr Leben durcheinanderwirbeln sollte. Er trug eine rote Mütze, ein schwarzes Halstuch und eine bestickte Jacke wie die der ukrainischen Juden. Statt zur Rednertribüne schaute er unentwegt auf den klaren, von wenigen Wolken zerkratzten Himmel.

Das Spielchen machte Valentine neugierig. Was suchte er da? Als er merkte, dass Valentine ihn beobachtete, lächelte er ihr zu und sagte entschuldigend: Das ist mein Beruf. Sie tat, als fühlte sie sich nicht angesprochen. Aber er: Das ist mein Beruf, siehst du ganz oben diese Reihe gekämmter Wolken, die sich gerade zu einer Rolle formen? So kündigt sich der Pampero an, der Wind aus der Pampa. In einer Viertelstunde sinkt die Temperatur, und wir müssen alle vor einem Regenschauer Unterschlupf suchen. Valentine antwortete nicht, tat, als interessierte sie sich für den gestikulierenden Redner. Den seltsamen Mann, der da zum Himmel schaute, beobachtete sie aber heimlich weiter. Eine Viertelstunde später wurde es plötzlich kühler, der Himmel verdunkelte sich, eine heftige Böe fegte über die Plaza Lorea, und Regen, gefolgt von Hagel, unterbrach die Versammlung.

Durch einen glücklichen Zufall stiess sie in einer Toreinfahrt wieder auf den Wolkenbeobachter. Da haben Sie ja einen ziemlich nützlichen Beruf, sagte sie. Er stellte sich vor: Arsène, Angestellter beim Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten, Abteilung für Nephologie, sprich Wolkenkunde. Da die Hagelkörner vom Bürgersteig abprallten, mussten sie enger zusammenrücken. Valentine fand, dass Arsène gut roch, wie Wäsche in der Sonne, dass er ein verschmitztes Lächeln hatte und etwas angenehm Unkompliziertes. Sie nannte ihm ihren Namen, sagte Bewunderndes zur Wolkenkunde.

Sie unterhielten sich, ohne sich aus den Augen zu lassen, während der Regen strömte und den Rest der Menschheit beschäftigte. Eine Viertelstunde später beschrieb er ihr die nach dem Abzug der Pamperorolle zu erwartende Aufteilung der Wolkenmassen. Nach wenigen Sätzen hatte sie begriffen, dass seine Wissenschaft nichts mit Zauberei zu tun hatte. Er machte ihr klar, dass es eine Wolkenklassifizierung nach Höhe, Form und Farbe gebe, erzählte ihr noch von einem anderen Wind, der Sudestada, deren Auswirkungen auf Buenos Aires er vorherzusehen vermochte.

Sie dachte: Ich verschlinge ihn mit Blicken, bestimmt findet er mich lächerlich. Was er dachte, erfuhr sie erst später, als ihre Geschichte ernst wurde. Da sagte Arsène: Auf den ersten Blick habe ich dich geliebt. Aber so weit waren wir noch nicht. Sie unterbrach die Unterhaltung mit der Frage: Verstehst du eigentlich, wohin das Weiss des schmelzenden Schnees verschwindet? Er antwortete, er habe in seinem ganzen Leben noch keinen Schnee gesehen. Er legte ihr einen Arm um die Schultern, damit sie sich zurücklehnen und weiter den Himmel, die Wolken und die Freude an ihrer Begegnung betrachten konnte. Mehr werden wir nicht verraten. 

Eine Woche lang war Valentine nur mit Arsène, nur mit seinem Charme, nur mit seiner Haut beschäftigt. Zur Politik behauptete er, keine Meinung zu haben, was eigentlich eine bürgerliche Eigenschaft ist, sagte Mathilde immer. Aber was machte das schon, er war so charmant. Er war in Frankreich aufgewachsen, mit der Familie nach San Francisco ausgewandert, hatte sich auf diese neue Wissenschaft spezialisiert, die Erforschung der Wolken, ihrer Entstehung und ihrer Auflösung. Rotes Haar, blaue, tiefgründige Augen, Sommersprossen auf einer leichten Stupsnase, schöne Hände, einen Ausdruck, als sei er etwas … in den Wolken. Valentine liebte es, mit ihm in die gleiche Richtung zu schauen.

Neun Tage und neun Nächte nach ihrer Begegnung musste Arsène wieder an Bord gehen, um seine Beobachtungsmission fortzusetzen. Er plante, zwei Monate später erneut in Buenos Aires vorbeizukommen. Als Valentine in der Zeitung von einer meteorologischen Forschergruppe aus den Vereinigten Staaten las, die sich auf Höhe der Malwinen zu dicht an eine Pamperorolle herangewagt und von der niemand überlebt hatte, packte sie ein entsetzliches Lachen, das in Schluchzen und schliesslich in Tränen mündete. Der Pampero, wissen Sie, ist blind wie der Tod.

In den Strassen und Cafés von Buenos Aires genossen Frauen nur eingeschränkte Freiheit. Spazieren gehen durften nur die Prostituierten. Wir wollten, dass damit Schluss sei, wollten aus dem Haus gehen, ohne belästigt zu werden, auch mit einer Zigarette im Mund. Die Ausgebeutete, Organ der in Fabriken, Werkstätten und Haushalten arbeitenden Frauen, eine Zeitung, die man uns aus Saint Imier geschickt hatte, vertrat genau diese Forderungen.

Aus unseren Liebesgeschichten machten wir weder ein grosses Geheimnis, noch breiteten wir sie vor allen aus, sondern waren der Meinung, eine gewisse Undurchsichtigkeit gewährleiste jeder ihre Freiheit. Germaine machte keinen Hehl daraus, dass sie auswärts übernachtete, weil ein Tangotänzer ihr den Kopf verdreht hatte. Sie liebte die markanten Rhythmen, das Rascheln der Röcke, sich in den Armen ihres Tanzpartners zurückfallen zu lassen.

Im Stadtteil San Telmo fanden wir viele neue Genossinnen. Sie flüsterten uns Ideen wie jene von Benjamin zu. Die Welt, wie sie jetzt war, mit ihren Profiteuren und ihren Betrügern, würde bald in Trümmern liegen. Beim Sonntagsmeeting rief jemand: Kapitalisten und Ausbeuter, eure Zeit ist bald um! Die Versammlung wiederholte es im Chor. Dank der Einwanderer, die Tag für Tag aus aller Herren Länder eintrafen, fühlten wir uns unglaublich stark. Die Stadt besass den Vorteil, dass wir hier ein soziales Leben hatten, aber jede von uns zugleich auch ihren geheimen Garten.  Blandine verbrachte hin und wieder eine Nacht auswärts, unsere Mädchen erröteten, wenn wir sie auf ihre Tangotänzer ansprachen,

Mathilde zog sich abends zurück, um lange Briefe zu schreiben, vermutlich an Benjamin. Jede hatte ihr Recht auf Intimität und wahrte diese, auch um den Preis kleiner Lügen. Am Tisch unserer grossen bürgerlichen Wohnung führten wir wieder turbulente Diskussionen über Zukunftsentwürfe aller Art. Wie sollten Krankenhäuser, Schulen, Landwirtschaft aussehen? Wer sollte worüber entscheiden? Gäbe es überhaupt keine Regierung mehr oder nur hin und wieder einige Auslosungen? Wer würde sich darum kümmern, die Strassen zu unterhalten, die Schiffe in den Hafen zu leiten, die Gräber auf den Friedhöfen in Reih und Glied anzulegen? Warum in Reih und Glied? Wenn wir an unsere vorherigen Leben in Punta Arenas, Talcahuano und auf der Insel zurückdachten, mussten wir zugeben, dass das jetzige endlich zu uns passte.

Die Debatten über Pazifismus und direkte Aktion blieben kontrovers, auch in unseren lokalen Versammlungen kam es nicht zum Konsens. Als Ravachol, der vor den Wohnungstüren seiner bourgeoisen Richter Bomben gelegt hatte, gefasst und auf der Guillotine hingerichtet wurde, machte eine merkwürdige Solidarität ihn zum Märtyrer, der sein Leben für das Gute geopfert hatte. In Russland hatten sich Anarchisten zu über zweitausend politischen Morden bekannt. Sollten wir diese Bewegung gutheissen, unterstützen, nachahmen?

Valentine war anderer Meinung als Mathilde, die sich nur wenig um das Leben der Politiker scherte und behauptete, die seien doch die Allerersten, die sich kaum um unser Leben scherten. Es stimmt, wir weigerten uns, dem Staat das Gewaltmonopol zu überlassen. Der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen, feindliche Angriffe abwehren, das ist das eine, Töten aber ist etwas anderes. Noch heute hat Valentine Skrupel, sie wird Ihnen später davon erzählen.

Das Leben in der Grossstadt hatte uns radikalisiert, was ja bedeutet, die Dinge an der Wurzel zu packen. In La Voz de la Mujer – Stimme der Frau vom Januar 1896 legten wir ab der ersten Nummer «unsere Vorschläge» dar. Auch wir wollten «uns beim Bankett des Lebens amüsieren» und forderten: «Weder Gott noch Chef noch Ehemann.» Wir trafen uns mit Spanierinnen, Italienerinnen und

jüdischen Russinnen, die man gleich doppelt beiseite schob, weil sie Frauen und Anarchistinnen waren. Wir gaben uns einen Namen, der selbst unsere treuesten Genossen in Rage versetzte: «Einige unbekümmerte Frauen.» Sie fanden, wir hätten uns durchaus um ein paar Dinge zu kümmern: Kinder, Haushalt und schöne Kleider, um sonntagnachmittags mit ihnen Tango tanzen zu gehen.

Mehrere von uns Frauen taten sich zusammen, um zu schreiben. Wir wollten zeigen, dass wir auch etwas im Schädel und nicht nur im Bauch hatten. Mathilde formulierte ein paar Dinge sehr deutlich: «Nur die soziale Revolution vermag den Klerus, die Regierung, die Herrschaft, den Kapitalismus, die Gesetzbücher, die Richter und Staatsanwälte und das ganze Faulenzerpack zu beseitigen, das nichts produziert und auf unsere Kosten von allem profitiert.» Valentine erinnert sich, hinzugefügt zu haben: «Welch schwierige Aufgabe für uns, die wir nie einen Hörsaal betreten haben und nur einfache Proletarierinnen sind, die Feder zu ergreifen.»

Unsere Mädchen schwärmten für die Tessiner, vielleicht weil sie so schön waren wie die Italiener, aber nicht ganz so laut. Oder weil sie ein bisschen Französisch konnten und vom selben Land sprachen wie sie. Bei ihnen sind die Berge allerdings noch steiler als im Jura, und es riecht unangenehm nach Kastanienbäumen. Sie waren eher Sozialisten als Anarchisten, nichts auf der Welt ist vollkommen, aber sie behaupteten, in weniger als einem Jahrhundert würden die Frauen sogar in der Schweiz das Wahlrecht erhalten. Da wir alle antipolitisch waren, war uns das Wahlrecht egal.

Einem der weniger frauenfeindlichen Tessiner, einem gutaussehenden jungen Mann, machten unsere Mädchen den Hof. Er war in einem schroffen Gebirgstal als achtzehntes und letztes Kind einer Familie geboren, die bei seiner Geburt bereits sechs verloren hatte. Er war also nur noch das zwölfte Kind, sein Vater vierundfünfzig, seine Mutter dreiundvierzig. Arm waren sie nicht, die beiden Ältesten Söhne der Familie hatten ein Ingenieursstudium absolviert. Beim Tod des Vaters war Antonio fünfzehn gewesen. Ein paar Jahre später wurde er Waise und bekam grosse Lust zu reisen. Liebend gern hätte er Indien, China und Japan gesehen, sein Vormund aber entschied anders. Da die Familie einen Onkel in Amerika hatte, der zu Reichtum gelangt war, sollte er bei diesem unterkommen.

So bot Antonio diesem Verwandten seine Dienste an. Der hatte fünfhunderttausend Hektar Land in der Pampa und unerschlossenen Grund und Boden am Rande von Buenos Aires gekauft, im festen Glauben, dass sich die Hauptstadt eines Tages dorthin ausdehnen würde. Villa Lugano nannte er die Parzellen, die er an seine Landsleute weiterverkaufte. Alice, die jüngste der vier Gigonschwestern, heiratete den Tessiner, zog zu ihm nach Villa Lugano und begann ein bodenständiges, gutbürgerliches Leben zu führen. Innerhalb kurzer Zeit war sie eine Dame geworden und bezeichnete sich nun als Argentinierin. Inzwischen gehörte es zum guten Ton, folgenden Witz zu machen: Die Französinnen stammen aus Gallien, die Schweizerinnen aus Helvetien und die Argentinierinnen von den Schiffen. 

Die Jurasserinnen bedauerten, dass ihre Jüngste sich für ein solches Leben entschieden hatte. Mathilde war wütend, sagte, die arme Lison hätte das niemals geduldet. Wir, die vier Übriggeblieben, warfen uns vor, dass wir es nicht geschafft hatten, unseren Enthusiasmus für ein anderes Leben weiterzugeben. Das bürgerliche Leben hatte Alice verführt. Dennoch gingen wir alle zu ihrer Hochzeit, als wollten wir uns verabschieden, komm vorbei, wann immer du willst. Auf dem Foto, das an diesem Tag entstand, ist ein gewisses Unbehagen zu erkennen.

Bei den anderen Mädchen liefen die Dinge unkomplizierter. Alphonsine und Anna bekamen Kinder, ohne sich um eheliche Bindungen zu scheren. Albertine blieb allein, ein wenig wie Valentine in ihrem Alter. Damals verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Anarchisten und Sozialisten. Einmal suchten wir einen sozialistischen Club auf, um uns einen aus Deutschland angereisten Redner anzuhören. Er sagte, in seinem Land liessen sie Anarchisten nicht mehr an ihren Versammlungen teilnehmen. Da sang eine hohe, laute Stimme, die von Mathilde, Hijo del Pueblo – Sohn des Volkes, unsere anarchistische Hymne mit dem mitreissenden, angriffslustigen Text. Es hagelte Beschimpfungen und Drohungen auf Deutsch, Spanisch, Italienisch, Französisch. Die herbeigerufene Polizei schoss in die Luft und verhaftete ein Dutzend Personen, die nicht schnell genug weggerannt waren. 

Am nächsten Tag stand in der Sensationspresse, in Buenos Aires vertrügen sich Anarchisten und Sozialisten wie Katz und Hund. Später kam es dann zum endgültigen Bruch. Grund war die unterschiedliche Einstellung zum Vaterlandsgedanken. Für die Anarchisten gab es nur Regionen: die argentinische oder chilenische Region und nicht Argentinien oder Chile als Vaterländer.

Eines Tages, es war das Jahr 1901, erhielt Blandine schlechte Nachrichten aus Saint-Imier. Falls sie unsere jüngste Schwester, mit der sie regelmässig korrespondierte, noch einmal sehen wollte, musste sie den Atlantik überqueren. Diesmal konnte sie angesichts des Komforts der zweiten Klasse sogar hoffen, sich während der Überfahrt nicht übergeben zu müssen. Wir ermunterten sie. Drüben würde sie von uns berichten und uns dann bei ihrer Rückkehr vom heutigen Leben im Tal erzählen. Sie liess sich überreden, schenkte uns ihre Zwiebel und verriet uns bei der Abreise, Bram, ein belgischer Gipser und Sozialist, werde sie begleiten. Sie waren ein Paar, verbrachten viel gemeinsame Zeit beim Wein. Valentine hielt ihre ältere Schwester nicht zurück. 

Wie Sie wissen, herrschte zwischen den Schwestern Grimm nicht nur eitel Sonnenschein. Wir stritten uns. Es begann mit Bemerkungen der Älteren, die mit dem Hinweis auf ihr Alter behauptete, die Jüngere müsse ihre Ratschläge befolgen. Es konnte zu regelrechten Zerwürfnissen kommen. Das Ärgerliche bei einer grossen Schwester: Man kann sie nie einholen und irgendwann als Ältere an ihre Stelle treten. Dauernd waren wir eifersüchtig aufeinander, als lebte unsere Mutter noch und könnte eine von uns vorziehen. Selbst bei unwichtigen Kleinigkeiten behauptete jede von uns beiden, recht zu haben. Lange aber dauerte der Zwist nie, ausser einmal, als Blandine zu viel getrunken hatte und die politische Position ihres Freundes verteidigte, dem es um Machtübernahme statt um Beseitigung der Macht ging.

Zwei Monate nach ihrer Abreise liessen Blandine und Bam von sich hören. Nach ihrer Fahrt mit dem neuen Zug von Le Havre nach Paris hatten sie vom Tod unserer kleinen Schwester erfahren und sich gefragt, ob es sich noch lohne, ins Tal zu reisen, das zu dieser Jahreszeit sicher unterm Schnee lag. Ihr langer Brief endete mit erstaunlichen Gedanken. Sie planten, nach Belgien zu gehen, wo Bram vorhatte, sich als Wahlkandidat auf der sozialistisch-patriotischen Liste aufstellen zu lassen. Diesen Unsinn schrieben sie uns hoffentlich nur, weil sie zu viel getrunken hatten.

Damals erfuhr Valentine eines Tages, dass Arsène noch lebte und im Hafen in Quarantäne sass. Er hatte gar nicht an der Mission bei den Malwinen teilgenommen, sondern war einer Meeresströmung nach Norden bis auf die Höhe Kanadas gefolgt. Sein Schiff war im Eis stecken geblieben, daher seine lange Abwesenheit. Ihr Wiedersehen war wie ein Rausch. Arsène berichtete höchst zufrieden von seiner Reise, weil er neue Wolken beobachtet hatte, wie ein Forschungsreisender, der eine neue Papageienart entdeckt. Begeistert beschrieb er sie: Es war um die Mittagszeit, da tauchte plötzlich eine Wolke auf, rund wie der Mond, na ja, ich übertreibe. 

Er erzählte Valentine vom Nordlicht, das er auf der anderen Seite der Weltkugel gesehen hatte, beschrieb ihr in allen Einzelheiten die silbrigen Fäden, das Leuchten mitten in der Nacht, wie Irrlichter auf einem Friedhof. Wenn ich mir überlege, sagte er, wie harmonisch die Natur sein kann, warum dann nicht auch die Menschen? In seinen Armen fühlte sich Valentine sicher und glücklich. Als er wieder abreiste, war sie traurig, aber zuversichtlich: Er würde wiederkommen, von nun an brauchte sie ihn.

Einige Erklärungen, damit die Leserinnen und Leser verstehen, wer diese Zeilen geschrieben hat und warum.

© Yvonne Böhler

Daniel de Roulet

Geboren 1944, war Architekt und arbeitete als Informatiker in Genf. Seit 1997 Schriftsteller. Autor zahlreicher Romane, für die er in Frankreich mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet wurde. Für sein Lebenswerk erhielt er 2019 den Grand Prix de Littérature der Kantone Bern und Jura (CiLi). Daniel de Roulet lebt in Genf.


Buch: «Zehn unbekümmerte Anarchistinnen», Daniel de Roulet. Aus dem Französischen von Maria Hoffmann-Dartevelle, Limmat Verlag, Zürich

Alle deutschen Rechte vorbehalten © 2017 by Limmat Verlag, Zürich
ISBN 978-3-85791-839-1
(Arbeits-)Titel des französischen Originals: Quelques femmes insouciantes. Dix petites anarchistes. Libella 2018. © Daniel de Roulet

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