Mini Motorways ist ein Puzzle-Strategiespiel des neuseeländischen Entwicklerstudios © Dinosaur Polo Club

Spiele ohne Grenzen

Kaum etwas vertreibt die Zeit schneller als Videospiele. Doch sie machen nicht nur Spass, sondern kitzeln auch unsere grauen Zellen. Gratis-Spiele sind beliebt, aber nicht unproblematisch. Zum Glück gibt es auch andere Wege, wie Apple mit dem Game-Abonnement Arcade zeigt.

Portrait von Marc Bodmer
© Jessica Prinz

Text: Marc Bodmer

Kein anderes Medium entwickelt sich so schnell wie Computerspiele und widerspiegelt auf eindrückliche Weise den digitalen Wandel. Mit diesem Fortschritt gehen aber auch unerwünschte Entwicklungen Hand in Hand. Zu diesen gehört das Modell von Free-2-Play-Spielen (F2P), die zwar kostenlos erworben werden können, aber die Spielenden zu kleinen Geldtransaktionen verleiten oder sie mit Werbung bombardieren. Inzwischen sorgen die F2P-Titel für 85 Prozent des Umsatzes der Game-Industrie. Bekannte Beispiele sind Candy Crush Saga, Clash Royale oder Fortnite.

Dieses F2P-Monetarisierungsmodell – statt einen Verkaufspreis zu verlangen, wird Geld mit Kleintransaktionen im Spiel verdient – wirkt sich auch auf das Game-Design aus. So werden verschiedene Mechanismen eingesetzt, die aus der Glücksspielindustrie bekannt sind, um eine stärkere Bindung zwischen dem Game und den Spielenden zu erstellen. Denn: Nur wer weiterspielt, ist auch bereit, Geld in die Hand zu nehmen. Um zu erkennen, wo die Spielenden Schwierigkeiten haben und aussteigen, oder um zu sehen, was ihnen am meisten Spass macht, werden ihre Spielzüge verfolgt und analysiert.

Premium Games ohne Werbung

Doch es geht zum Glück auch anders – zum Beispiel auf Apples Spieleplattform Arcade, die Games in einem Abonnement anbietet. Im September 2019 ging der Service mit knapp 100 Titeln online, darunter auch Spiele der drei Schweizer Game-Studios Blindflug Studios, Sunnyside Games und Rosie Reality. «Das Auswahlprozedere war sehr streng», erinnert sich Jeremy Spillmann von Blindflug Studios. Teil von Apple Arcade zu sein, bedeutet auch, dass die Designer sich nicht dem Diktat der Gratisspiel-Monetarisierung unterwerfen mussten, sondern frei in ihrem kreativen Prozess waren. «Wir konnten das Spiel machen, das wir wollten», erklärt Spillmann.

Von diesem Umstand profitieren hauptsächlich die Kundinnen und Kunden von Apple Arcade, deren Privatsphäre respektiert wird (keine Nachverfolgung und Auswertung der Nutzungsdaten). Auch der Druck, der von Free-2-Play-Spielen oft aufgebaut wird, um die Spielenden zu Zahlungen zu bewegen, fällt weg.

Apple Arcade bietet für 6 Franken im Monat über 200 Games, die auf sämtlichen Apple-Geräten gespielt werden können. Das heisst: Man kann ein Videospiel auf dem iPhone beginnen und auf dem iPad oder am Mac fertigspielen. Das Abonnement kann mit fünf Familienmitgliedern geteilt werden, deren persönliche Daten nur auf Wunsch freigegeben werden. Von Vorteil ist auch, dass man im ersten Monat das Angebot kostenlos ausprobieren und die verschiedenen Titel von mehrheitlich unabhängigen Studios spielen kann, die unsere grauen Zellen kitzeln.

Die Forschung hat gezeigt, dass es nicht wie allgemein angenommen Spiele in der Art von Memory oder irgendwelche Rechenprobleme sind, die unser Hirn stimulieren. Es sind viel mehr Titel, in denen viele verschiedene Reize die Spielenden herausfordern. Besonders ausgeprägt ist das in so genannten Action-Games, zu denen die lange Zeit umstrittenen Ballerspiele gehören. In der Zwischenzeit hat die Befürchtung, dass diese zu Gewalt im Alltag anstiften können, einem weit positiveren Ansatz Platz gemacht, denn bereits 25 Minuten spielen eines Action-Games verbessert die kognitiven Fähigkeiten.

Selbstverständlich muss man nicht gleich mit den in Sachen Hand-Augen-Koordination anspruchsvollen Titeln einsteigen. Zum nach strengen Kriterien ausgewählten Portfolio von Apple Arcade gehören herrlich knifflige Puzzle-Games wie «Mini Motorways», bei dem man die Rolle eines Strassenplaners gesteckt wird. Schnell wird klar, dass es nicht ganz einfach ist, den verschiedenen Bedürfnissen wie schnelle Zufahrt, Ruhe und Erholung gerecht zu werden. In Strategietiteln wie Blindflugs überirdischem Weltraumkrieg «Stellar Commanders» gilt es, ferne Planeten zu erobern.

Screenshot des Games Stellar Commanders
«Stellar Commanders» – ein taktisches Spiel mit einem Hauch Nostalgie © Blindflug Studios

Die jüngste Hitparade der beliebtesten Titel auf Apple Arcade zeigen auch, dass grosse Namen auf die Plattform gefunden haben. So belegen die wütenden, aber witzigen «Angry Birds Reloaded» Platz 1. Das präzise Schleudern von suizidalen Vögeln gegen die von feindlichen Schweinen gebauten Konstruktionen hat seinen Reiz nicht verloren. Für Fans des schnellen Balls ist «NBA 2K22 Arcade Edition» die richtige Wahl (Auch ein guter Kandidat fürs Gehirntraining). Das Original-Basketballspiel gilt als Referenz in Sachen Sportsimulation, einziger Makel: NBA 2K setzt auch auch Free-2-Play-Mechanismen, obschon es ein voll bezahlter Titel ist. Dieses Problem entfällt natürlich in der Arcade-Version. Wenn das Herz bei flachen Flundern und schnittigen Karosserien höher schlägt, dann ist «Asphalt 8: Airborne+» das richtige Spiel. Der Zusatz «Airborne» rührt wohl daher, dass man bei den hohen Geschwindigkeiten immer wieder Mal den Kontakt zur Strasse verliert oder auch nach einem wüsten Aufprall durch die Luft segelt.

Die Aussicht auf über 200 Games auf der Apple-Arcade-Plattform mag überwältigend sein. Darum gibt es auch die Möglichkeit, das Angebot einen Monat lang kostenlos zu testen. Erst danach kostet es pro Monat so viel wie ein Cappucino im Restaurant. ❋

Beitrag vom 17.12.2022

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